Hard Land – Benedict Wells

Diogenes 2021 – 347 Seiten

<< Ein „coming of age“ Roman, d.h. ein Roman übers Erwachsenwerden. Davon gibt es nicht wenige. Wells hat einen berührendes Werk vorgelegt, das schon die Verfilmung in Stil und Figurentableau in sich trägt. Sogar der Soundtrack wird indirekt mitgeliefert. Erzählt wird aus der Perspektive des 16 jährigen Sam Turner, der in Kleinstadt Brady  / Missouri einem drögen Sommer („Ein Berg von Langeweile“) entgegensieht, der sich dann als Sommer seines Lebens erweisen wird. Wells bedient sich des klassischen Settings in Filmen wie „American Graffiti“ oder „Stand by me“, die er als Vorbilder nennt und die auch seine Protagonisten in Brady immer wieder anschauen und zitieren. Was als Text manchmal die Grenze zum Kitsch touchiert oder auch überschreitet, kommt im Film sicher anders rüber und das kann man in Kauf nehmen, wenn man den Roman als Film liest. Wie Sam die Trauer über den Tod seiner Mutter und auch die gestörte Beziehung zu seinem Vater
(„Dad hatte sein Schweigen an eine Verstärkerbox angeschlossen“)  verarbeitet , ist sehr einfühlsam erzählt. Wells findet auch großartige Bilder über die Grenze zwischen Jugend und Erwachsenenzeit. Note : 2+ (ün)<<

 

<< Der Buchdeckel war zugeklappt, aber das Gefühl „Euphancholie“ blieb, stieg vom Bauch in den Kopf. Eine Wortschöpfung der Gefährtin des Romanprotagonisten, die viel über den Inhalt verrät.
Ein berührender Roman übers Erwachsenwerden, neudeutsch „Coming of age“, der sich für die Integration in den Schulunterricht eigne. So wird für das Buch geworben. Vorher sollte aber noch eine Lektürehilfe im Klett-Verlag erscheinen.
Der erste und der letzte Satz des Buches haben es in sich: „Und dann schaute sie mich an und lächelte.“ Zu zweit im engen Ruderboot, draußen auf dem See. Oh, wie schön, was wird da nur passieren. „In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb“, der erste Satz, der den Inhalt grosso modo zusammenfasst, eine erste Orientierung für den Leser. Samuel Turner, 16 Jahre, Außenseiter, und Ich-Erzähler kämpft gegen Ängste aller Art. Besserung bringt nicht die Schulpsychologin, sondern die Bekanntschaft mit der etwas älteren Kirstie, und die Aufnahme in die Kino-Clique, zu der Kirstie und zwei ältere Jungs gehören. Die in fünf Teile gegliederte Erzählung gewinnt im dritten Teil an Fahrt und Intensität. Sehr bewegend wird erzählt, wie der Sohn auf den Tod der Mutter, die an einem Hirntumor litt, reagiert. Sam im Wechselbad seiner Gefühle, mutterlos, ergreifend. Das Faible für Friedhöfe teile ich mit ihm. Die Mutterbeziehung war ungleich intensiver als die zum Vater. Eigentlich ein Klassiker. Der Vater wiederum verstand sich besser mit der cleveren Tochter und Schwester Jean. Richtig aufregend wird es, wenn die „Mutproben“ geschildert werden, die Kirstie (ein Sadoluderchen?) von Sam verlangt. Die vielen Querverweise auf Musik, Kino und Literatur sind  für kulturell gut Informierte sicherlich ein Genuß. Für mich eher nicht. Der permanente Zeigefinger: sooviele Bildungslücken, tja.

Benedict Wells finde ich recht sympathisch, nicht nur weil ich seine Liebe zu Barcelona teile. Seine Augen: die personifizierte „Euphancholie“ mit deutlichem Übergewicht zur Cholie. Sprachlich ist er breit aufgestellt. Ganz lyrisch, wenn der Tag sich aus der Nacht schält, aber auch ganz nüchtern, sachlich, ja salopp: „Trauer ist kein Sprint, Trauer ist ein Marathon.“

Dann noch die Ego-Frage, wie war das eigentlich bei mir damals mit dem Erwachsenwerden in der schwäbischen Provinz 1963 . Irgendwie weniger aufregend. Die Großmutter, nicht die Mutter starb 1963. Eine Kirstie? Wenn überhaupt, erst viel später. Prägend der erste Auslandsaufenthalt bei einer französischen Familie. Wange, keine Zunge. Keine Songs, dafür Chansons. Dieser Plot würde höchstens für eine very very short story mit 7 statt 49 Geheimnissen reichen. Aber besser so. Lieber Max als Sam. Dankgebet nach oben.  Note: 2– (ax) >>

 

<< Mit dem noch 15jährigen Sam erleben wir ein Stück Erwachsenwerden, sehr verdichtet, kaum ein Jahr umfassend. Einschneidend wird für den unsicheren Außenseiter und Einzelgänger ein Ferienjob im Kino „Metropolis“, das in jeder Beziehung zum Gegenpol des „verschlafenen Siebzehntausend- Einwohner Kaffs“ Crady in Missouri wird. Nicht nur, dass hier mit den angehenden Collegestudenten Hightower, Cameron und Kirstie die Geschichte einer prägenden Freundschaft entsteht, das Kino und der Film eröffnen Sam neben Musik und Gitarre auch einen Zugang in bisher verschlossene Ausdruckswelten. Mögen auf den ersten Blick die Initiationsrituale der Gruppe  – was macht ein Mann zum Mann – Horrorfilme, Wellensurfen, Klippenspringen, Saufen, Kiffen,  – reichlich abgegriffen erscheinen, so sind sie im Falle von Sam neben dem Standardprogramm pubertärer Entwicklung doch subtiler. Scheint Grady zunächst nur für eines gut: „zum Weglaufen“, so findet Sam in der Beziehung mit den drei Freunden schrittweise aus der Selbstisolation. Das familiäre Umfeld, die Allgegenwart der Todesangst um die liebevolle Mutter, die Fremde und Sprachlosigkeit des arbeitslos gewordenen Vaters, sind Sams seelische Wunden. Wells genügen zwei Sätze um diese Wunden für den Leser spürbar zu machen: „Der Tod saß die ganze Zeit bei uns am Küchentisch“ und „Es gab zwei Sorten von Stille, die neutrale Sorte und dann noch die Stille meines Vaters.“ Erst der Tod von „Mom“ ermöglicht „Dad“ sich Sam gegenüber zu öffnen. Eindrücklich wie die Prägungen der Kindheit fortwirken. Den Grundton des gesamten Romans bringt mit der pfiffigen Figur Kirstie deren intimes Notizbüchlein auf den Begriff, in dem mit der Wortkombination von Euphorie und Melancholie ein Lebensgefühl einer ganzen Jugendgeneration beschrieben wird: „Euphancholie“. Für Sams bildet der Friedhof und die Institution des Larry dafür die äußeren Koordinaten. Den dramatischen Höhepunkt dieser Polarität bildet die zeitliche Koinzidenz seiner ausgelassenen Geburtstagsparty und die Todesstunde der Mutter.

Weitaus stärker als Hightower und Cameron beeinflusst Kirstie Sams Erwachsenwerden. Liebevoll zugewandt nicht nur im Umgang mit Sams Trauer um die Mutter, flippig wenn es um Mutproben und Abenteuer geht, belesen (Rimbaud !), trinkfest, sprachlich forsch wenn es im bigotten Grady um Sex vor der Ehe geht, aber kontrolliert zurückhaltend, wenn es um Sams schüchterne Annäherung geht (glänzend: von Sam eher gedacht oder erträumt als vollzogen), mit dem noch kindlichen Kieselsteinchen an Sams Fenster immer da, wenn man sie braucht, später dann abtauchend in den Collegemonaten in NY, aber doch für Sam gerade dann mit der Rückkehr nach Grady sehr gegenwärtig, wenn es mit der Enthüllung von William J. Morris „Hard Land“ Geheimnis  im Schlusskapitel „Nummer 49“ gemeinsam mit Sam im Ruderboot hinaus auf den „Lake Virgin“ geht. Und dann „auf der Mitte des Sees“ erfüllt sich „die Geschichte des Jungen, der die See überquert und als Mann zurückkehrt.“ Soweit eine stimmige Adoleszenz-Geschichte. 2+

Was meine Lesefreude an Benedict Wells Roman entscheidend trübt, ist der zum Teil pathetisch aufgeladene Überbau des Morrisschen Gedichtzyklus, dem ja Wells Roman seinen Titel verdankt. Wir erfahren schon anfangs, dass Sams buchkundige Mom den Gradydichter durchaus in die Tradition von Walt Whitman stellt. Die Qualitätslatte liegt damit sehr hoch, die „49 Geheimnisse“, die der Held des Zyklus in Grady verborgen weiß bringen es aufs Ortsschild und das Thema des Helden, nämlich ein Junge, der den See überquert und als Mann zurückkehrt, wird mit dem Zyklus von Morris  zum literarischen Kanon, den Inspektor Colombo, ein Lehrer der sympathischen Art  im Gegensatz zum Erdkundelehrerekel, alljährlich den Highschoolern vermittelt. Für die zwei männlichen Kumpel Hightower und Cameron scheint der Zyklus weniger prägend als für Kirstie und Sam, ist doch vor allem für letzteren der Schulstoff Teil seiner Biografie und das insbesondere durch den Einfluss von Kirstie und deren vom Inspektor mit der Note 1 geadelter Interpretation von „Hard Land“. Inhaltlich und sprachlich ist allerdings das, was uns Wells als Zyklusfragmente im Roman präsentiert allerdings eher dürftig und dem Kitsch nicht fern. Zwei wunderbaren Zeilen „Kindsein ist wie einen Ball hochwerfen, Erwachsenwerden ist, wenn er wieder herunterfällt“ zeigen, was an literarischer Höhe möglich gewesen wäre. Dass sich hinter den mehrfach angedeuteten 49 Geheimnissen des Gedichtzyklus im Wesentlichen nur eine „versteckte Pointe“ verbirgt und diese – jedem Zauber von Metaphern und Allegorien entraubt – auf Sex und Phallussymbole reduziert ja gar banalisiert wird, bleibt das Geheimnis von Wells. Mir jedenfalls hätte das Schlussbild des Filmromans – ein Ruderboot mit abgelegter Sonnenbrille zum Verständnis des endgültigen Erwachsenseins genügt.  Note: 3 (ai)<<

>> In Wells Roman ist Hard Land das Epos eines Heimatdichters, das Ende des 19. Jahrhunderts den Auszug eines Jugendlichen beschrieb. Dieser entzog sich suchend der empfundenen Enge, um als Mann zurückzukehren. Benedict Wells benutzt das fiktive 90-Strophen Gedicht als Folie, vor der er eine klassische Coming-of-Age Episode vorführt. Klassisch, weil der Handlungsstrang schlichten Routinen folgt. Das Personal sind wie üblich ein angstgestörter 16-Jährige aus einer auseinanderbrechenden Familie und eine ihn aufrichtende kleine Clique, in der jede Figur einen gängigen Literaturtypus (Schwuler, Schwarzer, rote Zora) darstellt. Zeitpunkt und Ort (öde Sommerferien in sterbender Kleinstadt) folgen ebenso dem gängigen Muster. Am Ende steht die Läuterung und der erfolgreiche Moment der Mann-Werdung. Und obwohl der Plot nur eingeschränkte Originalität birgt, durchzieht das Werk eine warme Strömung, von der man sich als Leser bereitwillig forttreiben lässt.

Grady, Missouri, USA, 1985. Sam (15) ist isoliert in dem gesichtslosen Kaff, isoliert in der Schule, isoliert unter den Gleichaltrigen, die den Einzelgänger meiden und mobben. Seine Familie ist gespalten. Die ältere Schwester Jean eigentümlich, aber schon berühmt als alternative Drehbuchautorin in Kalifornien. Der Vater arbeitslos, stumm und ohne Bezug zu Tom. Die Mutter, Inhaberin einer kleinen Buchhandlung, verständnisvoll, aber am Ende ihrer Lebenskräfte, niedergeworfen durch einen Hirntumor. Als die Sommerferien drohen, übernimmt Sam einen Nebenjob im örtlichen Kino, das kurz vor der Schließung steht. Drei Jugendliche teilen die Aufgaben mit ihm. Die Kinotochter Kirstie, der schwarze Baseball King Hightower und Cameron, Spross einer begüterten Familie. Nach anfänglicher Ablehnung wird er ins Team aufgenommen. Als besonders empathisch erweist sich die wilde Kirstie, obwohl ihre betont laute Umgangsform dies nicht vermuten lässt.

Sam spürt das neue Gleichgewicht, spürt das neue Selbstwertgefühl, wenn sie zu viert auf Feten einlaufen, wenn er mit dem Sportler Hightower durch die Wälder joggt, wenn die deutlich ältere Kirstie ein wenig Erotik und viele gute Gespräche spendet, wenn die Gang ihn an Abenteuerritualen teilhaben lässt. Dazu gehört auch das Hügelrodeo, bei dem einer versucht, auf der Ladefläche stehen zu bleiben, während der Pick-up über Bodenwellen rast. Die ultimative Segnung erfolgt in einer privaten Kinonacht. Die schlichte Regel lautet, bei jedem der vielen Toten eines maßlosen Trashfilms einen Whiskey zu kippen. Sam überlebt deutlich gezeichnet, aber gesegnet.

Kirstie, deren literarische Rolle es ist, Sam zu profilieren, fordert und fördert. Sam geht mit, ist angezogen von ihrer Zuwendung und ihrer dosierten erotischen Ausstrahlung. Ihr Geschenk zu seinem 16. Geburtstag ist eine Prüfung, mit der sie Sam auf eine neue innere Sicherheit festlegen will. Zögernd folgt er ihr und besteht alle drei Übungen: stiehlt zum ersten Mal in seinem Leben einen Lippenstift, springt mit ihr von einer Felskante in den Lake Virgin und spielt auf der Gitarre einen Song vor. Ordnungsgemäß macht es in Sam einen Rucker.

Gerade an dieser Stelle kann der Schriftsteller Wells sich eine Kitschklitterung nicht verkneifen. Sams Eltern hatten ihn zu einem Geburtstagsessen eingeladen, zu dem der Sohnemann jedoch nicht erscheint. Während er mit den Kumpels tief ins Glas schaut, stirbt an diesem Abend die Mutter an ihrem Tumor. Sam quälen Selbstvorwürfe. Der Vater wird ihn jedoch später freisprechen, da seine Mutter zunächst traurig, dann aber glücklich gewesen sei, da Sam endlich Freunde gefunden habe. So betrachtet konnte sie erleichtert aus dem Leben scheiden. Trotzdem kommt es noch zu einem dramaturgischen Kulminationspunkt. Sam versteckt sich in einer verfallenden Waldhütte, weil er an der vom Vater fehlgeplanten Beerdigung nicht teilnehmen will. Kirstie findet und tröstet ihn im gemeinsamen Schlafsack, während nächtlicher Gewitterdonner das Gebälk erzittern lässt. Auch seine kalifornische Schwester erscheint am Morgen danach und überzeugt ihn von einem Plan. Sam willigt ein. Wir ahnen: eine neue Prüfung steht bevor. Minuten vor dem Toten-Gottesdienst vertritt Sam sich im Ort noch ein wenig die Füße. Prompt schütten mobbende Zeitgenossen ihren Milkshake über ihn aus, worauf Sam – jetzt schon selbstbewusster – den Jungs entschlossen den Seitenspiegel vom Auto abtritt. Die folgende Schlägerei ruiniert ihm zwar den Traueranzug und die Zähne, doch eilt er unerschrocken zur Kirche, durchschreitet blutverschmiert den Mittelgang durch die wartende Trauergemeinde, um wenig später vor der versammelten Gemeinde zu Ehren seiner Mutter den Punkrock Song Dancing With Myself zu grölen, während seine Schwester mit gewaltiger Orgelbegleitung aus den Höhen der Kirche überrascht. So vielsagend wie der Songtitel ist Sam seinem Selbst nähergekommen. Pünktlich zum Ende der Sommerferien ist Sam so weit erstarkt, dass er den Abschied seiner drei Weggefährten, die ihre Zukunft in der Ferne suchen müssen – wenn auch leidend –  verkraftet. Zurück in der Schule ebnet der Literaturlehrer mit dem Gedichtepos Hard Land Sam die letzte steinige Wegstrecke zu sich selbst. Sams Vater offenbart sich. Auch er war ein Opfer seiner quälenden Familie. Die Aussprache führt die bis dahin sprachlosen Männer zusammen und gibt dem arbeitslosen Vater die Kraft, den verwaisten Buchladen seiner verstorbenen Frau auch ohne Literatur- und Kaufmannskenntnisse wieder zu eröffnen.

Wie das Führungspersonal des Romans so sind auch die Nebenrollen mit schicksalsträchtigen Lebensläufen hinterlegt. Hightower hatte als Schwarzer nur eine Chance, weil er sich diese sportlich erkämpfen konnte. Seine Mutter verließ seinen Vater und heiratete den tiefgläubigen Stiefvater von Hightower. Als seine Mutter überraschend starb, war es der Stiefvater, der dem Stiefsohn mit Glauben und harter Arbeit Halt gab. Cameron dagegen war der ewige Versager im Angesicht seines ungemein geschäftstüchtigen Vaters: schwul, orientierungslos, frei von Ehrgeiz. Zu guter Letzt ist es aber Cameron, der das dahinsiechende Grady rettet, indem er mit dem Geld seines Vaters das ortsbestimmende „Larry´s“ wieder eröffnet, dem kleinen Ort ein neues Kommunikationszentrum gibt und Sam als Mitarbeiter anstellt. Am Ende des Romans werden Gedichtfolie und Handlungsstrang zusammengeführt als Kirstie noch einmal zu Besuch kommt. Sie rudert mit Sam ähnlich der lyrischen Vorlage Hard Land auf den Lake Virgin (!) hinaus, um Sam zu entkorken und den Mann in ihm zu befreien. Damit lüftet und belüftet sie das selten entschlüsselte Geheimnis des Gedichtes, wie der über den See heimkehrende Jugendliche zum Manne reifte: durch Sex (Zitat S.335).   Danke, Kirstie!

Benedict Wells hat nicht den packenden psychologischen Anspruch einer Emma Cline, die in ihrem Coming-of-Age Roman The Girls eine Pubertierende verzweifelt den Halt einer quasi großen Schwester suchen lässt, selbst als diese als Mitglied der Charles Manson Family grausam mordet. Auch wenn der Plot von Hard Land zunächst wie eine creative-writing Übung anmutet, so bringt die Idee eines vom Schüler zu interpretierenden Heimatgedichtes als roter Faden eine interessante zweite Ebene in das Werk, das in gewissem Maße durch eine dritte ergänzt wird: Kinofilme als Fixpunkte einer Persönlichkeitsentwicklung. David Gilmore schrieb zwar schon 2009 den biographischen Roman Unser allerbestes Jahr, in dem eine Vater-Sohn Annäherung und schließlich die innere Wegfindung des gestrandeten 16-Jährigen über unermüdliche Filmabende gelingt. Wenn also nicht neu, so passt dennoch das Konzept von Film und Kino ebenso in Wells Werk.

Durchgängig überzeugend ist die Sprachführung. Wie selbstverständlich teilt man als Leser jeden Atemzug mit dem Ich-Erzähler. Auch wenn Hard Land nicht die umwerfende Wirkung von Tschick des verstorbenen Wolfgang Herrndorf erreicht, scheint Hard Land ebenso auf eine Verfilmung angelegt. Dafür sprechen nicht nur der „Abspann & Credits“ (S.341) und der schon veröffentlichte, 15 Titel umfassende „Soundtrack“ (S.343), sondern vor allem der gradlinige Aufbau mit seinen farbfrohen Effekthöhepunkten. Haben wir gar ein Drehbuch gelesen? Schauen wir mal.

Note: 3 (ur) <<