{"id":595,"date":"2015-04-10T21:37:40","date_gmt":"2015-04-10T19:37:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=595"},"modified":"2023-11-22T18:16:53","modified_gmt":"2023-11-22T16:16:53","slug":"heinz-buschkowsky-die-andere-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=595","title":{"rendered":"Die andere Gesellschaft &#8211; Heinz Buschkowsky"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_Die_andere_Gesellschaft.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-599\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_Die_andere_Gesellschaft-206x300.jpg\" alt=\"K640_Die_andere_Gesellschaft\" width=\"206\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_Die_andere_Gesellschaft-206x300.jpg 206w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_Die_andere_Gesellschaft.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/a>Ullstein 2014 | 302 Seiten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Heinz Buschkowsky wird gerne in talkshows eingeladen, wenn es um Integration\/Migration geht. Das hat mindestens zwei Gr\u00fcnde. Erstens ist er als langj\u00e4hriger Bezirksb\u00fcrgermeister von Neuk\u00f6lln qua Amt ausgewiesener Fachmann und zweitens ist er unterhaltsam und ein Meister des Anekdotischen. Das merkt man auch seinem Buch an, das sich streckenweise liest wie der live Mitschrieb einer talkshow oder eines Interviews. S\u00e4tze wie \u201eEinen hab ich noch\u2026\u201c \u201eEine klare Ansage machen \u201c, \u201eeinen auf dicke Hose machen\u201c oder \u201eBl\u00f6dsinn verzapfen\u201c wirken in einem Sachbuch gedruckt merkw\u00fcrdig. Seine Vorliebe f\u00fcr Redensarten (\u201e Vogel fri\u00df oder stirb\u201c) f\u00fchrt zudem zu einer gewissen Geschw\u00e4tzigkeit, die f\u00fcr mein Gef\u00fchl f\u00fcr die Seriosit\u00e4t des Gesagten eher abtr\u00e4glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzdem ist es ein wichtiges Buch. Buschkowsky spricht unbequeme Wahrheiten \u00fcber misslingende Integration, \u00fcber Multi-Kulti-Illusionen, \u00fcber Sprechverbote der \u201epolitical corectness\u201c, \u00fcber die schnell geschwungene Rassismuskeule und \u00fcber die unheilvolle Rolle diverser Islam-Prediger aus. Er pl\u00e4diert mit Verve und guten Argumenten gegen ethnische Rabatte in der Beurteilung von Straftaten und gegen jegliche Art von Kulturrelativismus. Was er \u00fcber den Einfluss arabischer Gro\u00dfclans auf die Berliner Justiz und generell \u00fcber den wachsende Zahl orthodoxer Muslime berichtet, ist schockierend. Den zentralen L\u00f6sungsansatz sieht Buschowsky im Bildungsbereich &#8211; wenig \u00fcberraschend. Er erw\u00e4hnt den Erfolg der R\u00fctli-Schule nach einem vorangegangenen v\u00f6lligen Kollaps und dem anschlie\u00dfenden radikalen Umbau. Wie der inhaltlich aussah, h\u00e4tte man nat\u00fcrlich gerne gewusst und genau dies wird nicht ausgef\u00fchrt. Eine \u00e4rgerliche Schw\u00e4che des Buches. Auch irrt Buschkowsky, wenn er mehrmals meint: \u201eLehrer sind hilflos, weil sie in Deutschland keinen Erziehungsauftrag haben\u201c (S.99 und wiederholt auf S.131). Hier h\u00e4tte er selbst mal in \u00a72 (1) des Schulgesetzes seines Bundeslandes schauen k\u00f6nnen: \u201e <em>Jeder junge Mensch hat ein Recht auf zukunftsf\u00e4hige schulische Bildung und Erziehung ungeachtet seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Herkunft, einer Behinderung, seiner religi\u00f6sen oder politischen Anschauungen, seiner sexuellen Identit\u00e4t und der wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Stellung seiner Erziehungsberechtigten.<\/em>\u201c<br \/>\nEin weiterer Widerspruch ist mir unangenehm aufgesto\u00dfen. Buschkowsky beklagt, dass h\u00e4ufig die Schule oder ihre Lehrer f\u00fcr das Versagen der Kinder verantwortlich gemacht werden. Er selbst haut aber genau in die gleiche Kerbe, wenn er auf S. 173 populistisch fragt: \u201eWas haben eigentlich die vielen Staatsbediensteten in Kindergarten und Schule gemacht, oder besser gesagt vers\u00e4umt, dass es zu dieser Fehlsteuerung der Sozialisation gekommen ist?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz gewisser inhaltlicher und auch stilistischer M\u00e4ngel bleibt \u201eDie andere Gesellschaft\u201c aber ein wichtiger Beitrag zu einer notwendigen, ehrlicheren Debatte \u00fcber Islam und Migration ohne Denkverbote. <strong>Note<\/strong>: 2\/3 (\u00fcn) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Buschkowskys in jahrzehntelanger Erfahrung als Bezirksb\u00fcrgermeister in Neuk\u00f6lln und in Gespr\u00e4chen mit Imamen und Islamkennern gewonnene Erkenntnis ist ern\u00fcchternd: Der Islam und die freiheitlich demokratische Grundordnung sind in wesentlichen Punkten inkompatibel. Religi\u00f6s dominerte Sichtweisen und bedingungslose Bekenntnisse bestimmten den Alltag und schafften zunehmend rechtsfreie R\u00e4ume. Der Ehrenkodex tradierter archaischer Familienstrukturen und die Scharia stellten vielfach das Gewaltmonopol des Staates in Frage . Abgrenzung statt Integrationsbereitschaft sei die Folge, die Bildung von Parallelgesellschaften unvermeidlich, die Islamisierung des \u00f6ffentlichen Raumes in sozialen Brennpunkten nicht nur Berlins gegenw\u00e4rtig. Beispiele gelungener Integration, denen ein modernes s\u00e4kulares Islamverst\u00e4ndnis zugrunde liege, seien nicht repr\u00e4sentativ. Schonungslose Kritik \u00fcbt Buschkowsky am \u201eMainstream-Multikulturalismus\u201c, der das Konfliktpotential dieser \u201eanderen Gesellschaft\u201c f\u00fcr die demokratische Mehrheitsgesellschaft negiere (Zwangsheirat, Imamehe, Selbstjustiz, Machoverhalten, Ungleichheit der Geschlechter, Kopftuch, Bildungsferne u.Straff\u00e4lligkeit jugendlicher Muslime). Statt eines selbstbewussten \u201eHier ist Deutschland\u201c (vgl. \u201eHier ist \u00d6sterreich\u201c) gebe es einen Hang zum Kulturrelativismus, ja sogar ein verst\u00e4ndnisvolles Entgegenkommen bis zur Selbstaufgabe eigener Werte und \u00dcberzeugungen. Im Bereich der Rechtsprechung f\u00fchre dies etwa zu \u201ekulturellen Rabatten\u201c, wenn etwa ein Totschlag w\u00e4hrend des Ramadam aufgrund einer Unterzuckerung des T\u00e4ters zu Strafmilderung f\u00fchre. Um dem Vorwurf, islamophob zu sein, zu umgehen, stelle sich vielfach eine Spirale des Schweigens, die \u201eRassismuskeule\u201c errichte Sprech- und Denkverbote. Das \u201ePC-Sch\u00f6nsprech\u201c des \u201elinken Bildungsb\u00fcrgertums\u201c etwa t\u00e4usche \u00fcber mangelnde Sozialisation, fehlende Schulreife und ungen\u00fcgende Sprachkenntnisse hinweg. An einer F\u00fclle von Beispielen aus dem Bereich famili\u00e4rer Erziehung, Kindergarten und Schule belegt Buschkowsky die Existenz einer anderen Gesellschaft im Namen des orthodoxen Islam, vor deren Probleme die politisch Verantwortlichen die Augen verschlie\u00dfen. Mag sich bei einem Migrationsanteil von 42% wie in Neuk\u00f6lln die Frage nach der Integrationsf\u00e4higkeit vor allem muslimischer Kultur im Augenblick dringender stellen als im Gro\u00dfteil der Republik (20% Migrationshintergrund), so verweist die demographische Entwicklung (R\u00fcckgang der Bev\u00f6lkerung in den n\u00e4chsten 80 Jahren auf 46 Mio, davon 26 Mio mit Migrationshintergrund) auf umgehenden Handlungsbedarf. So \u00fcberzeugend Buschkowskys Bestandsaufnahme ist, so entt\u00e4uschend sind fehlende L\u00f6sungsans\u00e4tze, die sich auf 35j\u00e4hriger kommunalpolitischer T\u00e4tigkeit ergeben m\u00fcssten \u2013 es sei denn Buschkowsky resigniere. Wie etwa, um zwei konkrete Beispiele auszuf\u00fchren, wurde aus der R\u00fctli-Problemschule ein Vorzeigemodell, wie aus dem von der Schlie\u00dfung bedrohten Albert-Schweizer- ein Modellprojekt f\u00fcr Berlins Ganztagesgymnasien? Welche Pfade f\u00fchren von Bildungsferne zu Bildungsn\u00e4he, von archaischen Strukturen in die Moderne, von religi\u00f6sem Dogmatismus zum Respekt vor der W\u00fcrde des Einzelnen. Ist noch zu hoffen oder schon Hopfen und Malz verloren? <strong>Note<\/strong>: 3+ (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Hier schreibt ein \u201eBio-Deutscher\u201c. Diese Wortsch\u00f6pfung liebt der fr\u00fchere B\u00fcrgermeister von Neuk\u00f6lln; er verwendet sie ausdauernd und mit Hingabe, wodurch sie allerdings nicht klarer wird. Buschkowsky war seit 2001 Bezirksb\u00fcrgermeister in Berlin-Neuk\u00f6lln, ein Bezirk in dem Menschen aus 160 Nationen leben. Seine gr\u00fcne Kollegin Monika Herrmann (Kreuzberg) ist seit eineinhalb Jahren im Amt und schon fast zerbr\u00f6selt vom Realit\u00e4tsschock, den das B\u00fcrgermeisteramt mit sich brachte (Spiegel vom 14. M\u00e4rz 2015). Trotz vieler Anfeindungen war Buschkowsky ein B\u00fcrgermeister, der Spuren hinterlassen hat. Buschkowsky beschreibt (manchmal etwas zu langatmig) zahlreiche mit der Migration zusammenh\u00e4ngende Probleme, die wohlmeinende Multikulturalisten gern gro\u00dfz\u00fcgig \u00fcbersehen. Vielleicht weil sie bef\u00fcrchten, sich in schlechte Gesellschaft zu begeben oder mit Islamphobie und anderen ansteckenden Krankheiten in Verbindung gebracht zu werden. Schwer zu sagen. Jugendkriminalit\u00e4t, Intensivt\u00e4ter, Integrationsf\u00e4higkeit von Muslimen im Vergleich mit Asiaten, Russen usw., Schulprobleme, Arbeitslosigkeit, islamische Paralleljustiz und die Ohnmacht der deutschen Justiz gegen\u00fcber arabischen Clans werden angesprochen. Der Ausweg: mehr Bildung. Das wird aber nicht weiter pr\u00e4zisiert.<br \/>\nOft gelten unterschiedliche Ma\u00dfst\u00e4be. Zwei Beispiele: ein deutscher Vater, der nicht m\u00f6chte, dass seine Tochter einen Muslim heiratet, ger\u00e4t unter Rassismusverdacht. Im umgekehrten Fall wahrt ein muslimischer Vater seine religi\u00f6se und kulturelle Identit\u00e4t. In Deutschland fallen Kopft\u00fccher unter das Toleranzgebot. In einigen islamischen Staaten besteht Kopftuchzwang auch f\u00fcr nichtmuslimische Frauen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr den Bau von religi\u00f6sen Einrichtungen in muslimischen L\u00e4ndern.<br \/>\nBuschkowsky Schreibstil ist zupackend, oft auch erfrischend und meist an der Umgangssprache orientiert. Ein Beispiel: \u201cDas Gros junger M\u00e4nner, die hier geboren und aufgewachsen sind, kriegt rein gar nichts gebacken. Alles au\u00dfer Motorraserei, Wettb\u00fcro und Sportstudio Fehlanzeige\u201c (Seite 273). Immer wieder spricht er die Leser\/innen direkt an:\u201cF\u00fcr den Fall, dass Sie der Ausgang interessiert, will ich mit der Nachricht dienen&#8230;.\u201c(Seite 278). Leider kommt dabei die Analyse etwas zu kurz. Joachim Wagner zeigt in \u201eRichter ohne Gesetz\u201c dass dies auch bei dieser Thematik m\u00f6glich ist. Klar strukturiert wird in diesem Buch gezeigt, wie sich von der \u00d6ffentlichkeit weitgehend unbemerkt in muslimisch gepr\u00e4gten Einwanderervierteln eine islamische Paralleljustiz etabliert hat.<br \/>\nAuch ein Personen-und Sachregister w\u00e4re n\u00fctzlich. Auf die von Prof. Hans-Werner Sinn angesto\u00dfene Diskussion \u00fcber die Kosten der Migration (\u201e<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/ifo-chef-sinn-oekonomische-effekte-der-migration-13343999.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Migration ist ein Verlustgesch\u00e4ft\u201c, FAZ vom 29.12.2014)<\/a> geht der Autor nicht ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Schlu\u00df m\u00f6chte ich zwei S\u00e4tze des Autors \u201eklauen\u201c:<br \/>\n\u201eZugegeben, diese Ausf\u00fchrungen waren nicht sehr sachlich und simplifiziert. Ich hoffe, sie haben Sie trotzdem unterhalten\u201c (S.208). <strong>Note<\/strong>: 2\/3 (ax) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Als langj\u00e4hriger Bezirksb\u00fcrgermeister von Neuk\u00f6lln widmet sich der Autor der Frage gesellschaftlicher Gegenwelten. Die Attribute \u201eBezirksb\u00fcrgermeister\u201c, \u201eBerlin Neuk\u00f6lln\u201c und \u201eMigranten\u201c klingen \u00fcberschaubar, doch handelt es sich um eine Metropolregion mit \u00fcber 300.000 Einwohnern, die 130.000 Menschen mit Migrationshintergrund einschlie\u00dfen. Nach Einsch\u00e4tzung von Buschkowsky biete dieses multikulturelle Agglomerat Chancen im Hinblick auf die demographische Sackgasse der deutschen Bev\u00f6lkerung, n\u00e4hre aber auch zersetzende Gegenentwicklungen, die der Autor in einem eingegrenzten religi\u00f6s-kulturellen Umfeld ausmacht. Aufbauend auf seine Erfahrungen identifiziert er als zentrales Problemfeld muslimische Bev\u00f6lkerungsgruppen, die &#8211; anders als z.B. polnische oder vietnamesische Einwanderer &#8211; den Wertekanon der bundesdeutschen Gesellschaft nicht bereit seien zu akzeptieren. F\u00fcr islamische Migranten, vor allem fundamentalistischer Couleur, w\u00fcrden nur Koran und Scharia eine verbindliche Werteordnung darstellen. Diese Werteordnung stehe teilweise im Widerspruch zur demokratischen Grundordnung. Eckpfeiler der demokratischen Grundordnung w\u00e4ren das Selbstbestimmungsrecht des Menschen \u2013 auch von Frauen; Gewaltenteilung und Gewaltmonopol des Staates ohne Recht auf Selbstjustiz und S\u00e4kularisierung mit klarer Trennung von Staat und Religion. Die Ablehnung durch islamische Volksgruppen f\u00fchre zu einer asymmetrischen Gesellschaft, in der die Legitimation der konsensf\u00e4higen Mehrheit von einer wachsenden, destruktiver werdenden Minderheit in Frage gestellt werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Buschkowsky h\u00e4lt den Islam als Religion nur im Kreis orthodoxer Fanatiker f\u00fcr konflikttr\u00e4chtig. Bei der Mehrheit der Muslime vermutet er, dass nicht die Religion sondern die daraus abgeleitete Weltanschauung das zentrale Problem darstelle. Entscheidende Elemente dieser Gegenordnung seien mentale und reale Gewaltbereitschaft, die Verweigerung individueller Selbstbestimmung und patriarchalische Hierarchiekonzepte, in der die Frau prinzipiell untergeordnet sei. Diese Unterordnung leite sich von dem muslimischen Verst\u00e4ndnis ab, dass sich jedes Mitglied dem Familienclan zu unterwerfen h\u00e4tte. Tendenziell finde dabei eine unserem demokratischen Gesellschaftsverst\u00e4ndnis fremde Einengung statt. W\u00e4hrend den m\u00e4nnlichen Teilnehmern noch begrenzte Freiheiten zugestanden w\u00fcrden, w\u00fcrde den weiblichen kaum individueller Entwicklungsraum gelassen. Verbunden mit einem geschlechtsspezifischen Machtverst\u00e4ndnis w\u00fcrden folgenschwer z.B. auch kleine Br\u00fcder ihre gro\u00dfen Schwestern kontrollieren und sanktionieren und Eltern ihre T\u00f6chter zwangsverheiraten. Laut Buschkowsky setze sich das Primat orthodoxer Machtaus\u00fcbung von der famili\u00e4ren bis zur gesellschaftlichen Ebene fort und f\u00fchre dort zu der inakzeptablen Situation, dass die deutsche Gerichtsbarkeit durch muslimische Friedensrichter ersetzt w\u00fcrde, welche in selbsternannten Schiedsverfahren Urteile sprechen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Problemfeld erscheint Buschkowsky die sogenannte Kulturrelativierung. Die Kulturrelativierung w\u00fcrde die deutsche Kultur unter jene der zugewanderten B\u00fcrger stellen. Kritik an der Heirat eines protestantischen \u201eBiodeutschen\u201c mit einer Muslima w\u00e4re Rassismus. Die Pflicht eines Muslem ausschlie\u00dflich eine Muslima zu heiraten, w\u00e4re dagegen ethnische Kulturpflege. Hier wendet sich die Kritik des Autors vor allem gegen die eigene deutsche Klientel, die in einer polarisierenden Selbstzensur den eigenen Kulturkreis aush\u00f6hle. Einen weiteren Missstand meint Buschkowsky in der Vollkasko-Mentalit\u00e4t vieler Migranten zu erkennen, die zu wenig Eigenverantwortung \u00fcbern\u00e4hmen. Stattdessen w\u00fcrden sie fordernd die H\u00e4nde aufhalten und das soziale Netz in Deutschland mit Spott \u00fcberziehen. Der soziale Ausgleich w\u00fcrde vor allem von arbeitsfernen und -unwilligen Menschen mit Migrationshintergrund gefordert und damit ein einseitiges Nehmen ohne Geben provoziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Buschkowsky f\u00fchrt diese Nicht-\u00dcbereinstimmung mit den deutschen Wertesystemen vor allem auf die in den Familien vermittelte Gegenwelt zur\u00fcck. Entsprechend erwartet er eine Verbesserung, wenn f\u00fcr Kinder ab dem 13. Lebensmonat der verpflichtende Besuch von Kindertagesst\u00e4tten und Ganztagsschulen vorgeschrieben w\u00e4re. Nur so k\u00f6nne der sch\u00e4digende Einfluss der Familien zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Die Folge w\u00e4re, dass bereits den Kindern eine gesellschaftskonforme Wertewelt geboten und gelehrt werde. Gleichzeitig w\u00fcrden die kleinen Kinder sehr fr\u00fch in einen deutschen Sprachzusammenhang gestellt und nachhaltiger die deutsche Sprache verinnerlichen. Eine positive Folge w\u00e4re auch, dass ihre sp\u00e4teren Berufschancen stiegen. Sprachkompetenz stuft der Autor als oberstes Gebot ein, da ein Gro\u00dfteil der Mitb\u00fcrger mit Migrationshintergrund gravierende Sprachdefizite h\u00e4tte. Dieses Ziel k\u00f6nnte jedoch nur erreicht werden, wenn involvierte Berufsgruppen eine bessere Ausbildung und Bezahlung erhalten w\u00fcrden. Entsprechend brauche es also auch auf staatlicher Seite Korrekturen, die dem Gedanken folgen: f\u00fcr eine bessere Integration mehr geben, um von den Mitgliedern der Gesellschaft f\u00fcr das Gemeinwohl mehr fordern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt wirkt das Werk <em>Die andere Gesellschaft<\/em> wie eine Kollektion von Redebeitr\u00e4gen, die f\u00fcr die Buchzusammenstellung mehr inhaltliche Abstimmung vertragen h\u00e4tten. Der im teils saloppen Plauderstil vorgetragene Tenor ist ausgesprochen kritisch. Dennoch ist un\u00fcbersehbar, dass Buschkowsky die Entwicklung einer integrierten Gesellschaft ein ernstes Anliegen ist. <strong>Note: <\/strong>2\/3 (ur) &lt;&lt;<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ullstein 2014 | 302 Seiten. &gt;&gt; Heinz Buschkowsky wird gerne in talkshows eingeladen, wenn es um Integration\/Migration geht. Das hat mindestens zwei Gr\u00fcnde. 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