{"id":531,"date":"2013-11-29T10:17:40","date_gmt":"2013-11-29T08:17:40","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=531"},"modified":"2023-11-22T19:04:08","modified_gmt":"2023-11-22T17:04:08","slug":"erri-de-lucca-das-gewicht-des-schmetterlings","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=531","title":{"rendered":"Das Gewicht des Schmetterlings-Erri De Lucca"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_das-gewicht-des-schmetterlings.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-534\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_das-gewicht-des-schmetterlings-190x300.jpg\" alt=\"K640_das gewicht des schmetterlings\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_das-gewicht-des-schmetterlings-190x300.jpg 190w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_das-gewicht-des-schmetterlings.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Graf 2012,\u00a0 106 Seiten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0&gt;&gt; Der Vergleich dr\u00e4ngt sich auf: Geht es in Hemingways &#8222;Der alte Mann und das Meer&#8220; um den Kampf eines alten Fischers mit einem gigantischen Schwerfisch, steht der ultimative Zweikampf eines alternden J\u00e4gers mit einem \u00fcberm\u00e4chtigen Gamsbock im Zentrum von Erri de Lucas\u00a0 &#8222;Das Gewicht des Schmetterlings&#8220;. Doch anders als beim doch etwas angestaubten Klassiker habe ich mich bei dieser Erz\u00e4hlung keine Sekunde gelangweilt. Es mag an meiner weitaus gr\u00f6\u00dferen Affinit\u00e4t zur Bergwelt liegen, aber auch de Lucas Sprache entwickelte bei mir eine besondere Sogwirkung. Wer einmal Gemsen im Hochgebirge beim leichtf\u00fc\u00dfigen Klettern beobachtet hat, findet S\u00e4tze wie &#8220; Die Hufe der G\u00e4mse sind die vier Asse eines Falschspielers. Durch sie ist die Schwerkraft kein Gesetz mehr, sondern eine Variante des Themas&#8220; einfach wunderbar.<br \/>\nDe Luca verleiht dem m\u00e4chtigen Gamsbock eine menschliche Pers\u00f6nlichkeit, spricht von seinem Stolz, seiner Tapferkeit, seiner Liebe, seinem Mut, l\u00e4sst den Leser an den \u00dcberlegungen der Gemse teilhaben ( &#8222;So wollte er nicht enden&#8220;). Dieser kennt seinen Widersacher, den &#8222;Mann&#8220;, den &#8222;M\u00f6rder seiner Mutter&#8220; , der ihm schon seit Jahren auf den Fersen ist, ganz genau. Im Dorf, wo er das Fleisch und die Felle der gewilderten Gemsen verkauft, kennt und besch\u00fctzt man ihn, nennt ihn den &#8222;K\u00f6nig der G\u00e4msen&#8220;, doch der Mann wei\u00df genau , dass dieser Ehrentitel einem anderen K\u00f6nig geb\u00fcrt.<br \/>\nKurz angedeutet wird die politisch revolution\u00e4re Vergangenheit des Mannes, der sich nach deren Ende in die Berge zur\u00fcckgezogen hatte und dort seither als einsamer Wilderer lebt und schon \u00fcber 300 Gemsen erlegt hat. Nur den m\u00e4chtigen K\u00f6nig konnte er bisher nicht erlegen. Die Zeit dr\u00e4ngt aber, denn der Gamsbock ist schon alt und w\u00fcrde das n\u00e4chste Jahr vermutlich schon nicht mehr erleben. Ebenso ergeht es seinem J\u00e4ger, auch der sieht sein eigenes Ende nahen. Und so strebt alles unaufhaltsam dem gro\u00dfen showdown entgegen. Das titelgebende &#8222;Gewicht des Schmetterlings&#8220; gibt dem Geschehen schlie\u00dflich eine schicksalhafte Wendung. Ein Hinweis auf die be\u00e4ngstigende Macht des Zufalls, der schmetterlingsleichten Grenze zwischen Leben und Tod. F\u00fcr mich ein sehr stimmiges Bild und selbst die Verschmelzung der beiden &#8222;Er&#8220;- Figuren im Tod\u00a0 bleibt unterhalb der Kitschgrenze. Einem Sprachk\u00fcnstler verzeiht man halt so manches.<br \/>\n<strong>Note: <\/strong>1\u2013 (\u00fcn)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;\u00a0\u201eAn diesem Novembertag sp\u00fcrte der K\u00f6nig, dass sein Untergang nahte\u201c (S.14) &#8211;\u00a0 \u201eAn diesem Novembertag sp\u00fcrte der Mann, dass sein Ende nahte\u201c (S.29).\u00a0 Ein letztes Duell zweier Einzelg\u00e4nger in der Bergwelt der Dolomiten steht an. Hier der K\u00f6nig der G\u00e4msen, ein pr\u00e4chtiger aber in die Jahre gekommener Gamsbock,\u00a0 20 Jahre unumschr\u00e4nkte Herrschaft \u00fcber sein Rudel, die br\u00fcnstigen Weibchen stets zu Diensten, dort der 60j\u00e4hrige Wilderer, in seiner Jugend ein politischer Revolution\u00e4r, dann aber entt\u00e4uscht\u00a0 in die Berge seiner Kindheit zur\u00fcckgekehrt, abweisend gegen\u00fcber allem Weiblichen . Dieser letzte Novembertag wird von einem Erz\u00e4hler sprachlich virtuos aus der Perspektive des jeweiligen Protagonisten beschrieben. Seit Jahren war es dem Wilderer mit seiner 300er Magnum und einer Elf-Gramm Kugel nicht gelungen den K\u00f6nig der G\u00e4msen zu erlegen. Unfehlbare Witterung und Beherrschung der Szenerie verhindern, dass den K\u00f6nig der G\u00e4msen das Schicksal \u201eseiner Mutter\u201c ereilt. Mit der Personifizierung des Tiers wird die Auseinandersetzung mit \u201edem Mann\u201c zu einem Gefecht auf Augenh\u00f6he, ja der K\u00f6nig der\u00a0 G\u00e4msen gewinnt gar an Souver\u00e4nit\u00e4t gegen\u00fcber dem Wilderer. Selbst bei letzten \u201eshow-down\u201c verzichtet der Gamsbock auf m\u00f6gliche Rache \u2013 die T\u00f6tung des J\u00e4gers w\u00e4re ein Leichtes gewesen &#8211; und ergibt sich mit Stolz dem Todesschuss. Mag auch an einigen Stellen die poetische Sprachgewalt des Guten zu viel sein, de Luca kann einf\u00fchlsam beobachten und Natur gro\u00dfartig beschreiben.<br \/>\nSchade nur, dass nicht der W\u00e4rmestrom eines weiblichen Dickichts sondern die Zweisamkeit des Eismanns das letzte Wort hat. Das Gewicht des Schmetterlings h\u00e4tte auch auf dem Horn des Mannes einen w\u00fcrdigen Platz gefunden. <strong>Note: <\/strong>1\/2 (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Erri de Luca als der europ\u00e4ische Ernest Hemingway? Nein \u2013 oder vielleicht geringf\u00fcgig ja, wenn man die beiden Werke \u201eDas Gewicht des Schmetterlings\u201c und Hemingways \u201e Der alte Mann und das Meer\u201c vergleicht. Beide Erz\u00e4hlungen zeigen Parallelen in zahlreichen Strukturelementen, die Handlungskonzepte scheinen einem \u00e4hnlichen Grundprinzip zu folgen, wenn auch einmal in den Bergen Europas und das andere Mal in den Meeren Amerikas. In Details der Plots sowie im Sprachduktus verhalten sie sich jedoch wie Fremdsprachen zueinander.<br \/>\nBeide Werke handeln gleicherma\u00dfen von willensstarken Mannsgestalten, die den unmittelbaren Kampf mit ebenso fordernden Kreaturen der Natur suchen. In beiden F\u00e4llen sind es Einzelg\u00e4nger mit entr\u00fcckten Beziehungen zu Frauen, weitgehend losgel\u00f6st, teils entfremdet von sozialen Bez\u00fcgen. Ihr Dasein ist hier wie dort ein schlichtes \u00dcberleben in spartanischer Einsamkeit, reduziert auf das Ich vor der eindeutigen Kulisse der Felslandschaften bzw. dem endlosen Meereshorizont. Gemein ist beiden auch das fortgeschrittene Lebensalter und die Todesn\u00e4he, die den Drang noch einmal etwas Gro\u00dfes zu tun, wesentlich bef\u00f6rdert. Sich am Ende des Lebens zu wissen, ver\u00e4ndert die M\u00e4nner in zweierlei Weise. Zum einen schwindet im Anblick des nat\u00fcrlichen Endes ann\u00e4hernd jede Furcht und erlaubt Grenzen zu ignorieren. Zum anderen erm\u00f6glicht dieser Zustand den Zielpunkt ins kaum noch Machbare zu steigern. Entsprechend schwergewichtig muss die Zielgr\u00f6\u00dfe sein. F\u00fcr den Fischer ist es ein Schwertfisch und f\u00fcr den Wilderer ein Gamsbock \u2013 in beiden F\u00e4llen von noch niemals beobachteter Gr\u00f6\u00dfe, Kraft und Gef\u00e4hrlichkeit, die die M\u00e4nner spielend das Leben kosten k\u00f6nnte. Beiden M\u00e4nner gelingt der Todessto\u00df, beide eignen sich die Beute an, beide tun dies ohne Reue aber mit Respekt vor dem ebenb\u00fcrtigen Gegner, und beide verlieren am Ende die erlegte Troph\u00e4e: der eine an die Haifische, der andere an den Tod, der ihn \u00fcberrascht. Soviel zu den \u00c4hnlichkeiten.<br \/>\nDer alte Fischer kennt nur den Wunsch nach einem gro\u00dfen Fang ohne einen wesentlichen Einfluss auf die Wahl des Opfers zu haben. Ganz anders dagegen der Wilderer, der schon seit Jahren gezielt dem K\u00f6nig der G\u00e4msen auf der Spur ist. W\u00e4hrend der Fischer quasi im schuldfreien Raum fischt, betreibt der Wilderer sein Tun in einer erkl\u00e4rten Verbotszone. W\u00e4hrend die Tat des Fischers in erster Linie Lebenserhalt und nur bedingt Ego-Pflege ist, ist beim Wilderer die Gewichtung umgekehrt. Der Mann der Alpen ist anders als der Fischer schon immer ein Rebell gewesen, \u00fcbrig geblieben und vereinsamt aus den 68er Jahren, geschult im taktischen Kampf und angepasst an ein Dasein im Untergrund.<br \/>\n\u00c4hnlich verschieden sind die nat\u00fcrlichen Gegner. Hier der unbekannte Marlin in der lichtlosen Tiefe des Ozeans und dort der Gamsbock, an dessen Sozialisation der Leser ebenso teil hat wie an seinen ungew\u00f6hnlichen Charakterz\u00fcgen. W\u00e4hrend Hemingway den tierischen Gegner weitgehend in der Beschr\u00e4nktheit bel\u00e4sst, wie man ihn \u00fcber eine Fanglehne eben nur wahrnehmen kann, humanisiert de Luca den Gamsbock und bereitet damit den Zweikampf auf Augenh\u00f6he vor. Der Gamsbock denkt, t\u00e4uscht, entwickelt Ehrgeiz und zeigt ein Kausalverst\u00e4ndnis, wenn er sein Fell in einem Spannungsfeld wenig sp\u00e4ter einschlagender Blitze aufl\u00e4dt, um seine Fl\u00f6he zu verscheuchen. Dieses Tier ist ebenso wie der Wilderer ein Outlaw: unter H\u00e4rten gereift, Gesetze ignorierend, brutal im Zweikampf, aber dennoch majest\u00e4tisch und mit ansteckendem Stolz. Der Fischer k\u00e4mpft mit einer Naturgewalt, der Wilderer gegen eine Identit\u00e4t.<br \/>\nSehr verschieden ist beiden Werken auch der Duktus: bei Hemingway die ungeschm\u00fcckte, fast unbekleidete Sprachgebung, bei de Luca das raffinierte Gewand mit \u00fcberraschenden Accessoires, feinf\u00fchligen Metaphern und der belebende Verzicht auf einen ausschlie\u00dflich gradlinigen Handlungsstrang. Doch leider b\u00fcgelt de Luca die W\u00e4sche zu hei\u00df, in dem er wiederholt die Grenze zum Kitsch ignoriert. Warum muss ein wei\u00dfer Schmetterling als Zeiger einer Schicksalsuhr ein halbes Dutzend Mal bem\u00fcht werden? Warum muss der Wilderer just nach dem Erlegen des Gamsk\u00f6nigs auch sofort aus dem Leben scheiden? Warum m\u00fcssen die beiden Todesf\u00e4lle sogar in einer Umarmung enden, in dem der tote Gamsbock auf dem toten Wilder fest friert, so dass man sie im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr mit der Axt trennen muss? Und warum braucht es dann noch zuguterletzt den gefrorenen Abdruck eines wei\u00dfen Schmetterlings auf dem Horn der toten Gams? (Hier w\u00e4re das erotisch offene Ende eines versierten Mitlesers \u2013 siehe dort &#8211; gehaltvoller gewesen.)<br \/>\nEmpfohlen wird dennoch die simultane und damit mehr als additive Lekture des Nobelpreis- und des Petrarca-Preis Werkes.<strong> Note:\u00a0 <\/strong>2\u2013 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0&gt;&gt; \u201eDer Schmetterling, der Schmetterling, war einmal auch\u00a0 n u r Engerling\u201c, hei\u00dft es in einem Gedicht des leider fast vergessen Anton Kreidebleich. Dieser Vers fiel mir w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre des kurzen Romans ein, weil ein Schmetterling eine schicksalhafte Rolle spielt. Wie im Film, wenn die Musik einen sp\u00fcren l\u00e4sst, dass Wichtiges passieren wird, flattert ein wei\u00dfer Schmetterling durch die Schl\u00fcsselstellen, ja begleitet die beiden Protagonisten bis in den K\u00e4ltetod. Beide, Tier und Mensch wissen und sp\u00fcren schon fr\u00fch, dass sie dem Exit nahe sind. Dabei bleibt der Wilderer in seinem selbstmarginalisierten Au\u00dfenseitertum f\u00fcr mich der sympathischere. Der G\u00e4msenk\u00f6nig ist einfach ein zu gro\u00dfer Macho.<br \/>\nDie \u201eHumanisierung\u201c, die Vermenschlichung von Tieren, wie sie der Autor hier praktiziert, spricht mich nicht. Ich erlaube mir von einer \u201eBambisierung\u201c zu sprechen.<br \/>\n\u201eDie Ziege des Herrn Seguin\u201c (Alphonse Daudet), die eine nachtlang mit einem Wolf k\u00e4mpft und erst\u00a0 im Morgengrauen aufgibt, gef\u00e4llt mir besser.<strong> Note:\u00a0 <\/strong>3\u2013 (ax)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Epilog<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schluss der Erz\u00e4hlung hat nicht alle zufrieden gestellt. Und so wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Literarischen Quartetts eine eigene Version (ai) der Schlussszene vorgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Was w\u00fcrde sie ihm schon entlocken k\u00f6nnen, diese Frau, die die schamlose Intimit\u00e4t besessen hatte mit ihrer feuchten Hand seinen gegerbten Unterarm zu ber\u00fchren. Jetzt, da der Mann abendschwer zur\u00fcckkam in seine H\u00fctte, gab es Gelegenheit nachzudenken, ob denn jenes Gef\u00fchl der Vertraulichkeit mit den Bergen ihn unempf\u00e4nglich gemacht hatte f\u00fcr eine Begegnung ganz anderer Art. Beim Blick zur\u00fcck stand der Gamsbock noch immer auf dem Felsvorsprung, stolze Kraft, talbewachend. Beim Eintritt In die Stube knisterten die Scheite aus Tannen- und L\u00e4rchenholz. Der Gewohnheit folgend lehnte er seine 300er-Magnum an die Ofenbank. Noch vor wenigen Stunden hatte sie den K\u00f6nig der Berge gekr\u00e4nkt. Wie konnte ihm auch nach all den Jahren der wildernden Unfehlbarkeit jener Schuss entgleiten, nein, nicht nur fingerbreit, krachend stiebte unter den Vorderl\u00e4ufen der Stein. Der Ostwind schlug gegen das halbge\u00f6ffnete Fenster.\u00a0 Er goss sich hei\u00dfes Wasser in den vom Morgen noch abgestandenen Becher von Felsenrapunzel und fuhr sich mit der Rechten \u00fcbers Gesicht. \u00a0Gewehr\u00f6l und getrockneter Schwei\u00df hatten die Triebe von Ginster und Latschenkiefer \u00fcberdeckt. Der Mann blieb stehen. Was er jetzt vor sich sah, hatte sich nicht angek\u00fcndigt wie jener Blitz in den Bergen, der am Boden zun\u00e4chst sein elektrisches Spannungsfeld aufbaut, bevor er zuschl\u00e4gt. Er hatte auch keinerlei Witterung irgendeines Parfums wahrgenommen wie vor Tagen drunten als die Journalistin ihn geradezu bedr\u00e4ngt hatte zu ihm hinaufzuklettern. Vor ihm lag hingestreckt auf schwarz gl\u00e4nzenden Lammfelldecken ein Frauenk\u00f6rper, schutzlos, nackt, begierig fordernd. Der Mann wandte sich ab. Die Gattung Mensch ist mit mangelhaften Sinnesorganen ausgestattet. War er zu rasch abgestiegen, hatte der Fehlschuss die Sinnest\u00e4uschung ausgel\u00f6st. Hatte nicht oben nachdem die jungen B\u00f6cke ihre Kr\u00e4fte ma\u00dfen einer, ohne von den anderen bemerkt zu werden, in der ersten Hitze eine Gei\u00df bestiegen.\u00a0 Noch Stunden danach nimmt der Mensch den Mandelgeruch wahr, der ihren Geschlechtsdr\u00fcsen \u00a0hinter den H\u00f6rnern entstr\u00f6mt. Der Mann hatte nicht die Zeit die Wahrscheinlichkeit des Augenblicks zu \u00fcberpr\u00fcfen. Es zog ihn hin. Er f\u00fchlte sein schwellendes Horn eingegraben in den samtenen Unterschlupf, einem sicherlich nicht g\u00e4nzlich unber\u00fchrten Dickicht. Kein Rudel weit und breit. Zweisame Einsamkeit wie er sie noch nie erlebt hatte &#8211; wortlos. An diesem Novemberabend sp\u00fcrte der Wilderer, dass sein Ende nahte. Sein Unterarm blieb unber\u00fchrt. War es das Abendgel\u00e4ut einer fernen Glocke oder der Fl\u00fcgelschlag\u00a0 eines wei\u00dfen Schmetterlings, den er noch wahrnahm.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graf 2012,\u00a0 106 Seiten. \u00a0&gt;&gt; Der Vergleich dr\u00e4ngt sich auf: Geht es in Hemingways &#8222;Der alte Mann und das Meer&#8220; um den Kampf eines alten Fischers mit einem gigantischen Schwerfisch, steht der ultimative Zweikampf eines alternden J\u00e4gers mit einem \u00fcberm\u00e4chtigen &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=531\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[83,82],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/531"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=531"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1868,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/531\/revisions\/1868"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}