{"id":509,"date":"2013-07-30T09:31:54","date_gmt":"2013-07-30T07:31:54","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=509"},"modified":"2023-11-22T19:04:54","modified_gmt":"2023-11-22T17:04:54","slug":"klaus-modick-klack","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=509","title":{"rendered":"Klack-Klaus Modick"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K1024_klack.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-514\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K1024_klack-193x300.jpg\" alt=\"K1024_klack\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K1024_klack-193x300.jpg 193w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K1024_klack-660x1024.jpg 660w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K1024_klack.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a>Kiepenheuer&amp;Witsch 2013 , 221 Seiten<\/strong> .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Fotos als Botenstoff der Erinnerung. Der Sound der 50iger und 60iger Jahre klingt auf. Nicht nur musikalisch. Ob die als \u201ePanzerplatten\u201c\u00a0 bezeichneten Bundeswehrvollkornbrote oder der\u00a0 \u201eWumba-Tumba-Schokoladen-Eisverk\u00e4ufer\u201c &#8211; l\u00e4ngst vergessen geglaubte Wegbegleiter durch diese Nachkriegsjahre kramt Klaus Modick hervor und sorgt beim 60+ Leser f\u00fcr eine kaskadenhafte Erinnerungsflut. Die Geschichte des 14- j\u00e4hrigen Markus, der sich in die gleichaltrige italienische Nachbarstochter Clarissa verliebt, tr\u00e4gt den Roman allerdings nicht ganz. Obwohl die N\u00f6te des ersten Verliebtseins, die Entt\u00e4uschungen feinf\u00fchlig erz\u00e4hlt werden und auch durchaus f\u00fcr ein gutes Jugendbuch taugen, wirken die permanent eingestreuten Requisiten der Nachkriegsjahre doch auf Dauer wie Staffage und daraus gebastelten Geschichtchen manchmal etwas k\u00fcnstlich.\u00a0<strong>Note:<\/strong> 2\/3 (\u00fcn)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;\u00a0 Bilder speichern Erinnerung. Mit der Agfa-Klack des Erz\u00e4hlers taucht man nochmals ein in die eigene Kindheits- und Nachkriegsgeschichte.\u00a0 Markus Geschichte ist eigentlich die Geschichte einer entt\u00e4uschten Liebe eines pubertierenden 14 J\u00e4hrigen (gro\u00dfartig die Kinoszene) hinter der sich aber ein Kaleidoskop bundesrepublikanischer Mentalit\u00e4t zwischen unbew\u00e4ltigter Vergangenheit, Kalter-Kriegs-Paranoia und b\u00fcrgerlicher Miefigkeit entfaltet. Das ist mit vielen zeittypischen Details (Schlager, Fernsehen, Kino, Werbung, Liebfrauenmilch etc.) zuweilen witzig und anschaulich beschrieben, bleibt aber vor allem einem \u201edeja-vu\u201c Lesepublikum vorbehalten. Weniger Iwan-Trauma des Vaters, weniger Schlesiertreffen, weniger Markus handbetriebene \u201eLendenleistung\u201c\u00a0 und mehr auch sprachlich anspruchsvolle Metareflexion zur Fotografie h\u00e4tte dem Roman gut getan.<strong><br \/>\nNote: <\/strong>2\/3 (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;\u00a0 Klack. F\u00fcnfzehn Mal macht es Klack, wenn die Agfa zuschl\u00e4gt.\u00a0 Das ergibt f\u00fcnfzehn Kapitel beziehungsweise Fotos. Sie werden inhaltlich und formal gedeutet, teilweise sehr ansprechend und anspruchsvoll. Danach wird jeweils die fortlaufende Geschichte fortgesetzt. Die Geschichte eines pubertierenden Jungen in Zeiten des kalten Krieges, der Cuba-Krise, der Angst vor einem Atomkrieg. Eine breit dargestellte Familiengeschichte. Unterf\u00fcttert mit Schlagertexten, Werbung (\u201eSalamander lebe hoch\u201c), Jugendsprache. Manchmal auch ein bisschen zuviel davon. Immer wieder erregt Markus, der Protagonist des Romans, mein Mitleid. Das Leben ist wirklich\u00a0 oft sehr hart f\u00fcr ihn. Die Pubert\u00e4t schenkt ihm nichts, im Gegenteil. Dabei gibt er doch alles. Ich sage nur Clarissa. Und seine Gro\u00dfmutter, au wei. Wie muss ich Dir, lieber Gott, dankbar sein, f\u00fcr meine Oma Kreszentia, mit der ich bis zu ihrem Tode 1963 unbeschwert unter einem Dach leben durfte. Leser\/innen, die die Klack-Jahre bei Bewusstsein erlebt haben, werden sich an vieles erinnern und nicht selten schmunzeln. \u201eRamona, zum Abschied&#8230;..\u201c, was werden da f\u00fcr Gef\u00fchle geweckt, aber eben nur f\u00fcr den, der Ramona kennt. <strong> Note:\u00a0 <\/strong>2\/3 (ax)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; \u201eKlack\u201c ist das Arbeitsger\u00e4usch der Agfa Clack. \u201eKlack\u201c entspringt einer auf dem Jahrmark gewonnenen Kamera in den H\u00e4nden eines 15-j\u00e4hrigen, dessen verungl\u00fcckte Motive das kleine Leben eines Pubertierenden einfangen. \u201eKlack\u201c ist der fixierte Moment, ist die Erinnerung Jahrzehnte sp\u00e4ter &#8211; eine Erinnerung, die von der ergaunerten Weinflasche auf dem M\u00fclleimer \u00fcber die famili\u00e4ren Befindlichkeiten der Nachkriegsfamilie zur deutschen Wirtschaftswundernation bis hin zur globalen Atomkriegsfurcht leichtf\u00fc\u00dfig wandelt. Es sind die russischen Puppen von Bedeutungsebenen, die m\u00fchelos ineinander verschachtelt, eine literarisch gekonnte Architektur ergeben, mit deren Hilfe Modick in 15 Einzelbildern ein St\u00fcck subjektiver Zeitgeschichte inszeniert. Ernst und am\u00fcsant zugleich ist das B\u00fchnenbild, so wahr und originell, weil schon fast vergessen, sind die Requisiten, bedenklich authentisch und liebenswert die Charaktere.<br \/>\nMarkus hasst seine gro\u00dfe Schwester Hanna, weil sie ihre Jugendzeitschrift Bravo nur unter gemeinen Auflagen mit ihm teilt. Sein Vater ist ertr\u00e4glich, wenn er sich nicht wieder in Russland-Feldzug-Episoden verf\u00e4ngt. Seine Mutter verblasst in h\u00e4uslicher Rechtschaffenheit. Wie durch ein Wunder gelingt es ihr punktgenau in Momenten sich anbahnender Familien-Sturmtiefs die Schweigen-stiftende Tagesschau des Herrn K\u00f6pcke herbeizuzaubern. Mit tyrannischer Beharrlichkeit predigt dagegen seine Oma alt- und neu-rassistische Weltbilder. Ihre Ausf\u00e4lle \u00fcberschlagen sich schlie\u00dflich als in das verfallende Nachbarhaus, das keinem Deutschen mehr zuzumuten ist, ein italienischer Vater mit seinen zwei Kindern einzieht. Seine Absicht, im Winter eine Eisdiele zu renovieren, entfacht gr\u00f6\u00dftes Misstrauen. Die im Freien aufgeh\u00e4ngte Unterw\u00e4sche belegt die Italo-Unmoral und die fehlende Frau und Mutter \u2013 wenn auch verstorben \u2013 beweisen der Gro\u00dfmutter die vermeintliche Kulturlosigkeit des Spaghettivolkes. Entsprechend versucht die alte Dame mit einem Stacheldrahtzaun zwischen den Grundst\u00fccken das Gr\u00f6bste abzuwehren. Als die Ausl\u00e4nder bei einem Hochwasserschaden ungebeten ihre Hilfe anbieten, l\u00e4sst sie den Stacheldraht- durch eine noch weniger \u00fcberwindbare Mauer erg\u00e4nzen. Der gro\u00dfen Grenzziehung im Deutsch-Deutschen Verh\u00e4ltnis folgt Ma\u00dfstabs-angepasst der kleine Nachbarschaftsgrenzwall. \u201eNiemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen!\u201c<br \/>\nDoch Omas Kreuzfeuer vermag das Herzensgefecht, das Markus zur Eroberung der italienischen Nachbarstochter mit allen Waffengattungen entfacht, nicht zu beeinflussen. Clarissa ist klasse, l\u00e4sst sich aber nicht k\u00fcssen. Trotz Gitarrenunterricht beim Vater und Malerm\u00fchen in der renovierungsbed\u00fcrftigen Eisdiele kann Markus keine ernstzunehmenden Landgewinne in ihrem Herzen melden. Das Leben kann so grausam sein, wenn nichts als die eigenh\u00e4ndige Fantasie unter verschwitzen Bettdecken Trost zu spenden vermag.<br \/>\nW\u00e4hrenddessen verkl\u00e4rt sich J.F. Kennedy als Berliner, droht mit Atomkrieg beim Anblick russischer Frachter vor Kuba, erschrecken Dachsirenen periodisch mit Alarml\u00e4rm, h\u00e4lt das Fernsehen und die ersten Pizzen Einzug in Privathaushalte. Der Untermieter wird nicht als ehemaliger KZ-Aufseher verhaftet, sondern weil er ganz neuzeitlich Rechnungen prellte. Die deutsch-franz\u00f6sische Erbfeindschaft wird mit franz\u00f6sischem Sprachunterricht in deutschen Schulen begraben und Hanna leistet mit erotischer Ann\u00e4herung an einen franz\u00f6sischen Dezernenten ihren Beitrag zur V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Weniger Verst\u00e4ndnis bringen dagegen die elterlichen Geschwister f\u00fcreinander auf. So liegen die einen &#8211; verschlagen in die Ostzone und konvertiert zu braven Parteig\u00e4ngern &#8211; im Dauergefecht mit den anderen auf gleicher Verwandtschaftslinie, die ins schwule Bohememilieu Mallorcas auswanderten, um dort hemmungslos dem Kapitalismus zu fr\u00f6nen.<br \/>\nDazwischen verstr\u00f6mt Markus. Unter dem jugendlichen \u00dcberdruck wiegt eine nicht erf\u00fcllte Liebe grenzenlos. All dies ist so gut nachzuvollziehen, als w\u00e4re es am K\u00fcchentisch des Lesers aufgeschrieben worden. Dutzende Requisiten erglimmen aus der Vergessenheit, nichts wird ausgespart. Die Schlager erklingen neu, der Melittafilterkaffeesatz- und Niveageruch steigen auf, das HB-M\u00e4nnchen hebt ab, w\u00e4hrend der Borgward Isabella einparkt. Gerade hier liegt auch eine entzaubernde Schw\u00e4che des Buches, das vor einem inflation\u00e4ren Gebrauch der Vergangenheitssymbole nicht zur\u00fcckschreckt. Ebenso imponiert der Sprachduktus nicht in dem Ma\u00df wie das Konzeptger\u00fcst des Buches. Dennoch ein vitalisierendes Werk mit jugendlicher Leichtigkeit, das dar\u00fcber hinaus mit tiefgr\u00fcndigen Metabetrachtungen zur Fotographie \u00fcberrascht. <strong>Note: <\/strong>2\u2013 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiepenheuer&amp;Witsch 2013 , 221 Seiten . &gt;&gt; Fotos als Botenstoff der Erinnerung. Der Sound der 50iger und 60iger Jahre klingt auf. Nicht nur musikalisch. Ob die als \u201ePanzerplatten\u201c\u00a0 bezeichneten Bundeswehrvollkornbrote oder der\u00a0 \u201eWumba-Tumba-Schokoladen-Eisverk\u00e4ufer\u201c &#8211; l\u00e4ngst vergessen geglaubte Wegbegleiter durch diese &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=509\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[77,76],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=509"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1871,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/509\/revisions\/1871"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}