{"id":503,"date":"2013-06-05T09:21:49","date_gmt":"2013-06-05T07:21:49","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=503"},"modified":"2023-11-22T19:05:11","modified_gmt":"2023-11-22T17:05:11","slug":"jonas-luescher-fruehling-der-barbaren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=503","title":{"rendered":"Fr\u00fchling der Barbaren-Jonas L\u00fcscher"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_fruehling_der_barbaren.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-507\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_fruehling_der_barbaren-185x300.jpg\" alt=\"K640_fruehling_der_barbaren\" width=\"185\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_fruehling_der_barbaren-185x300.jpg 185w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_fruehling_der_barbaren.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a>C.H. Beck 2013 , 125 Seiten.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0&gt;&gt; \u201eEine Novelle ist eine Erz\u00e4hlung von k\u00fcrzerer bis mittlerer L\u00e4nge. Oft wird darin ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben, was zu einem Normenbruch und Einmaligkeit f\u00fchrt.\u201c \u00a0[Wikipedia] Jonas L\u00fcschers \u00a0125 Seiten umfassende Novelle \u201e Fr\u00fchling der Barbaren\u201c \u00a0k\u00f6nnte f\u00fcr diese Definition Pate gestanden haben. Auch Goethes \u00a0Charakterisierung der \u201eunerh\u00f6rten Begebenheit\u201c l\u00e4sst sich als nichts Geringeres als der Staatsbankrott Englands ausmachen. L\u00fcscher konstruiert auf drei \u00a0Erz\u00e4hlebenen: Einmal erz\u00e4hlt der Schweizer Fabrikant Preising seine Geschichte auf seinen Spazierg\u00e4ngen in einer psychiatrischen Klinik, in der er wegen einer Krankheit namens \u201eBesonnenheit\u201c\u00a0 eingeliefert wurde. Gespr\u00e4chspartner von Preising ist der Ich-Erz\u00e4hler, der dort wegen einer Depression ist und der die von Preising erz\u00e4hlte Geschichte aus seiner Wahrnehmung wiedergibt. Letztlich kommt dann noch ein Allwissender Erz\u00e4hler dazu. Zu erkennen, wer gerade erz\u00e4hlt ist eine kleine, gut zu bew\u00e4ltigende Herausforderung, die der Novelle Raffinesse verleihen und die ihre Wirkung \u00a0besonders dann entfaltet, wenn die Zeitachse kurz verschoben und subjektive und objektive Betrachtung\u00a0 auseinanderfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Preising, Seniorchef einer soliden, schweizerischen Telekommunikationsfirma verbringt einen Urlaub in einem tunesischen Edelresort in der W\u00fcste, mit dessen Leitung seine Firma \u00a0gesch\u00e4ftliche Beziehungen pflegt. Dort trifft er auf eine gro\u00dfe Gesellschaft \u00a0junger, britischer Gesch\u00e4ftsleute aus der Londoner City, alle um die 30, die dort die Hochzeit \u00a0von Kelly und Marc luxuri\u00f6s feiern wollen. Mit der Mutter von Marc, die dem exaltierten Lebensstil der \u201ecityboys\u201c und \u201ecitygirls\u201c auch skeptisch gegen\u00fcber steht, freundet sich Preising an und betrachtet interessiert de Hochzeitsvorbereitungen \u00a0der jungen Leute, die als Investmentbanker Millionen verdienen und \u00a0die es gewohnt sind, dass sich das Leben gef\u00e4lligst nach ihnen zu richten hat.<\/p>\n<p>Die Ordnung bricht zusammen, als\u00a0 England den Staatsbankrott anmeldet und\u00a0 E-Mails der Banken \u00a0rausgehen, in den sie ihren Mitarbeiter \u201evorschlugen, \u00a0doch heute zur Arbeit einen Pappkarton mitzubringen.\u201c Kreditkarten werden nicht mehr akzeptiert,\u00a0 Roaming \u2013Telefonieren wird eingestellt, Fluggesellschaften \u201egegroundet\u201c.<\/p>\n<p>Wie das junge Finanzgesindel auf die neue Situation reagiert, soll nicht verraten werden.<br \/>\nL\u00fcscher zeigt klug, pr\u00e4gnant \u00a0und witzig auf die Mechanismen einer globalisierten Welt und ihrer Akteure. Meisterlich. <strong>Note: <\/strong>1 (\u00fcn)&lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Was uns auf drei Erz\u00e4hlebenen von Preising, einem Schweizer Unternehmer mit erheblicher Entscheidungsschw\u00e4che, von seinem Mitpatienten und Ich-Erz\u00e4hler in einer psychiatrischen Anstalt und vom auktorialen Erz\u00e4hler berichtet wird, ist furios. Ein Preising von seinem Gesch\u00e4ftspartner Prodanovic verordneter \u00a0Entspannungsurlaub in Tunesien endet mit der teilnehmenden Beobachtung eines Infernos in einem Luxus Oasenresort namens \u201eThousend and One Night\u201c. W\u00e4hrend einer 250.00 Pfund teuren Hochzeitsfeier aus dem \u00a0\u00a0Banker- und Finanzjongleur-Milieu meldet England den Staatsbankrott und Preising wird Zeuge, wie rasch die Fassade der Zivilisation br\u00f6ckelt, wenn Kreditk\u00e4rtchen und I-Phones verstummen. Aus vermeintlichen Leistungstr\u00e4gern werden \u00fcber Nacht nach dem Bankencrash in London armselige Kistentr\u00e4ger \u00a0(der englische Fernsehsender \u201eNo comment\u201c sendet, eines der vielen gro\u00dfartigen Bilder L\u00fcschers, das, was dem Leser aus \u201eLehmann-Zeiten\u201c in Erinnerung geblieben ist). Aus hippen Partyg\u00e4sten, denen es in folkloristischer Berberidylle Tschub an nichts fehlt, werden Vandalen unterschiedlicher Dimension. Vor allem die Figur Quikys, der sich mit seinem \u201equick trigger finger\u201c in der Finanzmetropole London ebenso wie im Irakkrieg durchzusetzen wei\u00df, wird in der Stunde der Ern\u00fcchterung (s\u00fcffisant spricht L\u00fcscher von \u201ever\u00e4nderten Umst\u00e4nden\u201c!) zum Akteur eines Exzesses, der in einem grotesken Inferno, der Zerst\u00f6rung des Ressorts endet. Gl\u00e4nzend, wie \u201ezielstrebig\u201c andere die Krise als Chance zu nutzen verstehen. Die 30j\u00e4hrige Wertpapierh\u00e4ndlerin Jenny, Trauzeugin der Braut, \u00a0Zuffenhausen und Deutschlands Autobahnen lassen gr\u00fc\u00dfen, erkennt in der Stunde der Not die Vorz\u00fcge eines geregelten Lehrstuhlgehalts und legt z\u00fcgig Hand an an den alternden Soziologieprofessors Sandford, den Vater des Br\u00e4utigams Marc . Jennys \u201eGeschmeidigkeit\u201c besiegt die ob des Altersunterschieds unvermeidliche \u201eL\u00e4cherlichkeit\u201c und so bleiben von Sandford langj\u00e4hriger Ehe mit Pippa nur \u00dcberreste, von Sandford allerdings weniger bewundert\u00a0 als die \u00dcberreste der Berberkultur in Gestalt der Vielkammerbauten. Einen menschlichen Zusammenbruch ganz anderer Art erleidet jene Pippa bereits w\u00e4hrend der Hochzeitfeier. Ihr poetischer Beitrag, die Rezitation eines amerikanischen Beatpoeten, der die Weitergabe kultureller Werte besingt, endet, das Inferno im Kleinen symbolisch vorwegnehmend, mit ihrer Demontage, einer Demontage, die uns Preising in seiner Version der Erz\u00e4hlung mitf\u00fchlend vorenth\u00e4lt. Gro\u00dfartig auch hier wie L\u00fcscher die Wechselwirkung von Rezitator und Publikum beschreibt. Nicht der poetische Gehalt, die Verpackung, der selbstsichere Auftritt Pippas, die Show verschafft ihr zun\u00e4chst noch die Aufmerksamkeit, die die dumpfbackene junge Finanzbagage gew\u00f6hnt ist auch Personaltrainern, Unternehmensberatern oder Investmentgurus entgegenzubringen. Das erste Straucheln, ein kurzer Moment des Kontrollverlusts beim Blick auf den Vortragszettel und die \u201eAbw\u00e4rtsspirale\u201c beginnt \u2013 \u00a0in dieser Gesellschaft nicht nur der Zusammenbruch Pippas, sondern das Ende der Poesie. Der Crash des englischen Finanzsystems erfasst auch das tunesische Besitzb\u00fcrgertum in Gestalt der Familie Malouch, auf deren Einladung sich Preising im Ressort befindet. Doch die Skrupellosigkeit mit der der Gesch\u00e4ftspartner Preisings, Slim Malouch seine Gesch\u00e4fte mit Hilfe s\u00fcdsudanesischer Kinderarbeit treibt, wird durch die zweite \u201eArabellion\u201c nur durch neue Gesch\u00e4ftemacher ersetzt. Preising wird Augenzeuge wie die \u201eDinkas mit blutverkrusteten Fingern\u00e4geln\u201c Produkte seines Unternehmens mit dem Slogan \u201eGenius of Swiss Engineering\u201c assemblieren &#8211; ohne zu handeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Novelle mit einer temporeichen Sammlung \u201eunerh\u00f6rter Begebenheiten\u201c, Realit\u00e4tsdiagnose mit den Elementen der Groteske brillant verbindend. Was wird bewiesen? Es g\u00e4be was zu tun! Die Anstalt ist daf\u00fcr allerdings der falsche Ort.<br \/>\n<strong>Note:<\/strong> 1 (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Eine spannende Novelle, in der zuerst Geld keine Rolle zu spielen scheint. Am Ende aber um so mehr. Jonas L\u00fcscher zeigt in der fein konstruierten Geschichte die Frivolit\u00e4t der meist jungen Menschen, die an den Finanzpl\u00e4tzen die F\u00e4den ziehen. In diesem Fall London. Als es zum Staatsbankrott kommt und alle Kreditkarten gesperrt werden, ist die zivilisatorische T\u00fcnche schnell abgeschminkt. Eine Hochzeit endet im Inferno.\u00a0 Apokalypse real. Auf der letzten Seite wird die Novelle als Geschichte bezeichnet, \u201eaus der sich nichts lernen lie\u00df\u201c. Das ist sicher nicht ganz richtig. Andererseits plagen mich doch gelinde Zweifel, ob meine drei Lesefreunde dieses Opus nicht etwas \u00fcbersch\u00e4tzt haben. <strong> Note: <\/strong>1\/2 (ax)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Im Psychiatriegarten offenbart der Schweizer Unternehmer Preising seinem Gespr\u00e4chspartner die unglaubliche Beschreibung einer Tunesienreise. Vielleicht seine letzte, deren reale Absurdit\u00e4t Preising die Wirklichkeit entzogen haben mag. Vielleicht auch eine Form Bu\u00dfe f\u00fcr seine unmoralische Besonnenheit, deren ungehemmtes Relativieren jede wirtschaftlich n\u00fctzliche Schweinerei begr\u00fcnden hilft. Vielleicht auch der R\u00fcckzug hinter eine sch\u00fctzende Sanatoriumsmauer, vor welcher die Welt in st\u00e4ndiger Wiederholung ihre Werte verr\u00e4t. Alle geb\u00e4rden sich barbarisch &#8211; unabh\u00e4ngig von dem Kulturhintergrund: ob in der arabischen Eheanbahnung, ob im britischen Finanzmarkt oder in der eidgen\u00f6ssischen Weltbetrachtung. Da ist jener tunesische Paschavater, der Preising als zu \u00fcberzeugenden Gesch\u00e4ftspartner nicht nur seine schon vergebenen T\u00f6chter aufdr\u00e4ngt \u2013 ein zuf\u00e4lliger Verkehrsunfall der Verlobten k\u00f6nnte auf Wunsch arrangiert werden. Da ist die britische Hochzeitsgesellschaft, die nach dem pl\u00f6tzlichen Verm\u00f6gensverlust Hunde sch\u00e4ndet und Kamele schlachtet. Da ist der Schweizer Firmeninhaber, der vor der Verurteilung blutender Kinderh\u00e4nde, die sein teuer konzipiertes Firmenlogo auf Elektronikprodukte kleben, erst differenzierende \u00dcberlegungen anstellen m\u00f6chte.<br \/>\nJonas L\u00fcscher l\u00e4\u00dft gleich drei Ich-Erz\u00e4hler auftreten. Unter diesen ist der leicht verhuschte Preising die zentrale Figur: Inhaber eines Schweizer Familienunternehmens, das dem wirtschaftlichen Untergang nur deshalb entging, weil ein begnadeter Mitarbeiter\u00a0 den \u00dcbergang von veralteten Dachantennen zu Handybauteilen erm\u00f6glichte. Von diesem wohlwollenden und inzwischen zum Prokuristen aufgestiegenen Mitarbeiter\u00a0 l\u00e4\u00dft Preising sich wie jedes Jahr in den Urlaub schicken. Diesmal zu einem tunesischen Unterauftragnehmer, der zusammen mit seiner emanzipierten Tochter Saida zudem Besitzer zahlreicher Hotels im gehobenen Preissegment ist. Zun\u00e4chst versperrt ein Leichenfeld \u00fcberfahrender Kamele den Weg zum 1001-Nacht Resort. Die mortalen Verflechtungen im W\u00fcstensand sind \u00e4hnlich kausal verflochten wie die finanzwirtschaftlichen Zusammenbr\u00fcche, die Preising gerade in der Zeitung liest. Der Kameltreiber hat das Stra\u00dfenverbot missachtet, der Tod-bringende Busfahrer hatte es eilig, der Kameltreiber verliert mit 13 Kamelleichen seine Existenz, der demolierte Bus geh\u00f6rt Preisings Subunternehmer, die Busg\u00e4ste kommen aus Saidas Hotel, verpassen jetzt Ihren Flug und am schlimmsten wiegt der Umstand, dass Saidas neue G\u00e4ste am folgenden Tag keinen W\u00fcstenausritt werden machen k\u00f6nnen. \u00c4hnlich die Situation in Gro\u00dfbritannien, wo die abst\u00fcrzende Royal Bank of Scotland die Lloyds Banking Group in den Abgrund rei\u00dft und\u00a0 damit auch die britische Regierung als Gro\u00dfaktion\u00e4r, worauf die Schar der kleinen Sparer ihr Verm\u00f6gen verliert. Und dies alles nur, weil beide Banken gemeinsam zweifelhafte Gesch\u00e4fte in Bangalore t\u00e4tigten. Immer ist noch jemand und etwas da, um einen noch h\u00f6heren Zins zu verlangen, sich zu bereichern oder tragisch zu scheitern.<br \/>\nIm edlen Resortkomplex tobt eine britische Hochzeitsgesellschaft, deren Banker-Gesellen im Schatten der Berber Architektur f\u00fcr sechsstellige Summen ein angemessenes Fest mit 70 G\u00e4sten zelebrieren. Jung, Yuppie, jovial &#8211; je gedeckter die Bikinifarbe desto gedeckter der Scheck \u2013 soviel kann Preising sofort ausmachen, als er von den Br\u00e4utigamseltern unter die Fittiche genommen wird. Sprachlich am\u00fcsante Fantasien folgen als Preising mit Vater Sandford zu einer verbotenen Ruinenstadttour aufbricht. Von L\u00fcscher markant herausgearbeitet auch die entbl\u00f6\u00dfende Oberfl\u00e4chlichkeit der Bankergesellschaft, die der Mutter Pippa f\u00fcr einen absurden Gedichtvortrag in tiefen\u00f6kologischem Ductus solange Begeisterung zollt, wie sie die schillernde Gewinnermentalit\u00e4t auszustrahlen vermag. Schon mit den ersten Anzeichen von Unsicherheit wendet sich das Unkulturpublikum ab. Mit einer entbl\u00f6\u00dften, ergrauten Rest-Schambehaarung k\u00f6nnte Pippa nicht nackter dastehen. Mit ansteigendem Alkoholpegel werden schlie\u00dflich die letzen kulturellen Trockenfl\u00e4chen \u00fcbersp\u00fclt.<br \/>\nIn der folgenden Nacht kollabiert das britische Finanzsystem und \u00fcberrascht die verkaterte Hochzeitgesellschaft. Die gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Saida ist alarmiert und verweigert den zahlungsunf\u00e4higen Briten prompt das Fr\u00fchst\u00fcck. In herrlichen \u00dcberspitzungen l\u00e4\u00dft L\u00fcscher darauf der Groteske freien Lauf. Der stilvolle Professor Sandford wendet sich unter spontaner K\u00fcndigung seiner Ehe der Geschmeidigkeit einer J\u00fcngeren zu, Ehefrau Pippa setzt im Gegenzug mit einer kraftvollen Schenkelklemme Preising fest. Die hungrige Yuppiemeute erinnert sich an Preisings frei erfundenes Beduinenrezept und schlachtet Kamel und Hundewelpen. Der um Ordnung bem\u00fchte Bademeister muss nat\u00fcrlich sein Leben im Swimmingpool ausatmen, das Grillfeuer zum Garen des gelynchten Kamels entz\u00fcndet nicht nur Palmen sondern auch das Resort als Ganzes: Sodom und Gomorra wird wiederbelebt. Dass Preising mit der Hoteldame Saida zu einem Unterauftragnehmer fliehen kann, inzwischen die Revolution in Tunesien ausgebrochen ist, das Volk von den Herrschenden das Geld zur\u00fcckverlangt und Saida von den Revolutionsgarden durch den Verrat des Unterauftragnehmers verhaftet wird, folgt den nat\u00fcrlichen Gesetzen androgener Egoismen. F\u00fcr den \u00fcberaus turbulenten Schlussakt wird dem Leser nochmals alles abverlangt und man tut gut daran, das metapherhafte im Anblick des realen Chaos nicht aus den Augen zu verlieren. Sonst geht es einem wie dem ersten Ich-Erz\u00e4hler: \u201eDu stellst schon wieder die falsche Frage.\u201c<br \/>\nDass in den zun\u00e4chst katastrophal anmutenden Niederungen der Barabarei auch Erneuerungschancen liegen, zitiert L\u00fcscher im Vorwort als sch\u00f6pferischen Prozess. Man mag sogar hinzuf\u00fcgen: sch\u00f6pferische Prozesse als niemals endene Wiederholungen, die stete Hoffnungen n\u00e4hren. Auch hierin liegt die eindrucksvolle Hintergr\u00fcndigkeit dieser Novelle: sie taucht das Absurdbizarre in eine dezent humoristische N\u00e4hrl\u00f6sung, so dass aus Kopfsch\u00fctteln Erwartung wird. Ein abenteuerlich unterhaltendes Werk mit vielen gekonnten Querverflechtungen, trockenem und nasstriefendem Humor in einer unaufdringlichen, ziselierten Sprachgebung. Ganz und gar \u00fcberzeugend, wenn man den Humor vertr\u00e4gt. <strong>Note: <\/strong>1 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>C.H. 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