{"id":339,"date":"2009-12-18T12:21:36","date_gmt":"2009-12-18T10:21:36","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=339"},"modified":"2023-11-22T19:02:05","modified_gmt":"2023-11-22T17:02:05","slug":"max-goldt-qq","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=339","title":{"rendered":"QQ- Max Goldt"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_qq.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-342\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_qq-179x300.jpg\" alt=\"Max Goldt- QQ\" width=\"179\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_qq-179x300.jpg 179w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/K640_qq.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/a>Goldmann 2006, 183 Seiten. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; 21 feuilletonistische Texte mit different quality. Ausgangspunkt fast immer Alltagsbeobachtungen, die z.T. sehr skurrile Assoziationen freisetzen. Zum Kugeln und mit hintergr\u00fcndig geistreichem Witz\u00a0 (Malta; Moral-theologe; Schnalbelsackaroma; Zahnfleisch-prophylaxe und \u2013 gro\u00dfartig \u2013 Drahtschneckenringe u.Vicky Handchoreographie zum G\u00e4hnen und Abwinken (Henner Larsfelds Fernsehmusik;\u00a0 Prekariatsgedanken; Querula-torisches im ICE; auch die drei Sprachkritiken &#8211; am schw\u00e4chsten der aus meiner Sicht gescheiterte Analyseversuch jenes Satzes, der nach M. G. \u201enichts als L\u00fcgenschaum und dumme Fratze\u201c sei). Schade, dass das Potpourri und Feuerwerk von Geistesblitzen \u2013 die Wampenwanderung, die Cranio Sakral Session, die wunderbare B\u00fcgelhaltersicherung, der Z\u00e4hlkonflikt des illegalen Ziegenhirten, der Kindheitserinnerung an Frau Rem (es ist auch meines Kindheitserinnerung) so rasch erlischt. Ein Kracher jagt zu sprunghaft den n\u00e4chsten \u2013 da kann dann auch mancher Text\u00a0 wie bei der \u201eStabilit\u00e4t der Tomatenschelte\u201c in sich zusammenkrachen. Aber Max Goldt ist weit weit besser als der Kalauer \u201eEs ist nicht alles Goldt, was gl\u00e4nzt\u201c. <strong>Note: <\/strong>2\/3 ( ai)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; \u00a0MG in QQ revisted: Max Goldt mit Quiet Quality recycelt. 21 Impressionen der Zeitschrift Titanic. Warum nicht und vor allem f\u00fcr jene, die es kompakt m\u00f6gen, die es satirisch lieben, die sich Sinn f\u00fcr Unsinn bewahrt haben und hinter allem dennoch Lebensweisheiten vermuten wollen. Quiet quality sei all das in der modernen Medien- und Kulturlandschaft, was nicht schreit und spritzt. Wie von Max Goldt erwartet werden darf, l\u00e4sst er sich auf das erste Q ein um gleich das zweite ins Gegenteil zu verkehren. Meist beginnt er mit dem Stillen, mit den \u00fcbersehenden Kleinigkeiten des All- oder Sonntags, denen er sodann eine \u00fcberraschende Interpretation, eine humorvolle Ausformung oder eine bissige Wertung gibt, dass es spritzt und schreit.<br \/>\nMax Goldt widmet sich gef\u00e4lschten Helden wie dem Filmmusik-Komponisten, der entnervt ist von seinem jubelnden Publikum, weil es nicht merkt, dass seine Melodien sich st\u00e4ndig wiederholenden Grundmustern folgen. Oder jenen Damen als echten Helden der Zivilisation, die sich mit eherner Disziplin der grotesken Aufgabe stellen, kleine Affen in Kinderwagen um den Wohnblock zu rangieren.<br \/>\nMax Goldt ist vielseitig. Auch f\u00fcr Plattit\u00fcden ist er sich nicht zu schade. Folglich begegnen wir flach geratenen Abhandlungen \u00fcber das Staunen, der Ablehnung eines neuen Feiertags namens \u201eMasern\u201c in einer feiertagsarmen Jahreszeit vor den Herbstferien, oder seiner aufgesetzten Aufregung \u00fcber die weibliche Gewohnheit, Stoffb\u00e4rchen an Rucksacktaschen zu binden. Goldt ist klar, dass sich hier ein Bewu\u00dftseins-schwaches Geschlecht ausbreitet, auf das sich die Frauenbewegung fokussierten k\u00f6nnte, sollte sie noch mal zu Kr\u00e4ften kommen.<br \/>\nWesentlich am\u00fcsanter dagegen \u201eDie Prophezeiung\u201c, die Pelikanen in Folge der Klimaver\u00e4nderung eine gl\u00e4nzende Karriere als Pilzsammler voraussagt, was den Pilzen zwar ein Schnabelsackaroma verleihen w\u00fcrde, jedoch medientechnisch gewinnbringend in Szene gesetzt werden k\u00f6nnte. Auch sprachlich gelungen die herrliche Betrachtung \u201eVL\u201c, in der wir Vicky Leandros urban verfeinert in dramatischer Folkloretoilette wieder begegnen. VL sei ebenso sinnstiftend gewesen wie Katja Ebstein, die \u00fcber jene ausgefeilte Handchoreographie verf\u00fcgte, die jedem Korkenzieher Schraubgewinde Ehre machte.<br \/>\nDoch wie jeder gute Fu\u00dfballverein hat auch GG schlechte Tage, an denen sich sprachliche Wadenprellungen h\u00e4ufen. Tage, an denen Elfmeter verschossen werden mit Sentenzen wie \u201edie mir zugef\u00fcgte Gewalt nicht langewaltend seelisch besch\u00e4digt\u201c, Torflanken mit \u201ezelebratorischer Schweigsamkeit\u201c ins Leere laufen, oder an denen mit \u201eadoleszentem Wunsch nach Otherness\u201c schon mal der Schiedsrichter beleidigt wird. Das sind verregnete Tage, an denen die schriftstellerischen Schuhe besser im Spind geblieben w\u00e4ren. Aber sehen wir es sportlich. Wichtig ist doch nur das Dabeisein: spritzend oder bespritzt &#8211; in QQ ist f\u00fcr jeden irgendwo und \u2013wie was dabei. Also bitte Platz nehmen.<strong> Note: <\/strong>3 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; QQ,\u00a0 ein in einem fiktiven Interview des Autors mit der ebenfalls nicht-existenten Krimiautorin Petra Hipproth in einem fr\u00fcheren Werk auftauchender, angeblich neuer US-Trend f\u00fcr \u201estille G\u00fcte\u201c (quiet quality), stehe f\u00fcr alles , was nicht \u201espitzt und schreit\u201c. \u00a0Reichlich viel Fiktion f\u00fcr einen Buchtitel. Ob dies als Klammer f\u00fcr die 21 in QQ vereinigten Essays\u00a0 taugt? Eher nein. Macht aber nichts. Von wenigen Ausnahmen, wie \u201e\u00dcber Fernsehmusik\u201c mal abgesehen, finden sich sehr gelungene, witzige und im Detail manche bekannte, oder eben auch die nur im Unterbewusstsein registrierten Alltagsph\u00e4nomene \u2013 wie das der \u201efehlenden Haken\u201c &#8211; \u00fcberraschend ergiebig\u00a0 ausleuchtende, zuweilen auch \u00e4tzende, giftige oder g\u00e4nzlich absurde Gedanken. Dies, und seine trotz des schonungslosen Grundtons immer sensible Ann\u00e4herung an Sprache und mediale Sprachsch\u00f6pfungen, aber auch sein virtuoser eigener Umgang mit Sprache, machen den Reiz des schmalen B\u00e4ndchens aus. (Grossartig : \u201eGedanken bei der Cranio\u201c) Dass sich bei der einen oder anderen Geschichte die Assoziationskette manchmal so weit verzweigt, dass der Autor nur mit M\u00fche oder auch gar nicht zum Ausgangspunkt zur\u00fcckfindet, hat mich nicht im Geringsten gest\u00f6rt &#8211; im Gegenteil. So denkt Mensch nicht nur manchmal, sondern oft. Ich bin Goldt auf fast allen Wegen und Abwegen\u00a0 gerne gefolgt. <strong>Note: <\/strong>2 (\u00fcn)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Warum habe ich an diesem schneeigen Januarmorgen \u00fcberhaupt keine Lust, \u00fcber die 22 Titanic-Kolumnen des Kleist-Preistr\u00e4gers Max Goldt zu r\u00e4sonieren? An seinem ansprechenden Namen, der nur partiell zu seinem leicht br\u00e4sigen Gesicht passt, kann es nicht liegen. Liegt es dann vielleicht daran, dass ich nach der Lekt\u00fcre der Martenstein-Kolumnen \u201eM\u00e4nner sind wie Pfirsiche\u201c viel ruhiger und zufriedener einschlafe als nach den Goldt -Glossen? Oder daran, dass ich im Innersten weiterhin schlicht und ergreifend die Schreibobligation nach der Lekt\u00fcre und Diskussion eines Buches ablehne, es aber nicht zugeben kann? Oder daran, dass ich seit vielen Monaten fast hundertprozentig davon \u00fcberzeugt bin, dass meine Zeilen nicht einmal \u00a0d i e drei M\u00e4nner lesen, die das Vergn\u00fcgen haben, gemeinsam mit mir seit \u00fcber 15 Jahren (Jubil\u00e4um verpennt!) einen Lesekreis zu bilden, der sogar \u00fcber eine eigene Homepeitsch (Wortspiel) verf\u00fcgt. Wobei, damit keine Zweifel entstehen, das Vergn\u00fcgen ganz meinerseits ist.Vielleicht finde ich sp\u00e4ter noch eine Antwort.<br \/>\nMax Goldt jedenfalls scheint diese Unlust nicht \u00a0zu kennen, zumindest nicht ernsthaft. Er schreibt scheinbar m\u00fchelos \u00fcber fast alles und jedes. Es geht von Sylt nach Malta, von der Rohlings-Spindel zur Fach-Entrostung, vom B\u00e4rchen am Rucksack zur Theaterkritik. Und immer wieder die Sprache, unsere, die deutsche, die er als \u201eDorftrottel unter den Sprachen\u201c bezeichnet. Und doch nimmt er den Dorftrottel ernst, so ernst, dass es oft schon wieder lustig wird. So wenn er zeigt, wie d\u00fcnn\u00a0 und durchsichtig die Buchstabensuppe aus all den Worth\u00fclsen vieler Talkshows ist. Gelegentlich f\u00fchlt man sich ertappt, so etwa wenn er das Leserbriefschreiben als letzte sichere Bastion f\u00fcr Querulanten bezeichnet (S.90). Und wer schon mal in Kur war, hat sie gesehen, die, die \u201eihren Bademantel wie Hermelin tragen\u201c(S.64). Oder sein Kommentar zu einer fast schon dekadent anmutenden Form des Feinschmeckertums, das auch in den sogenannten alternativen Intellektuellenkreises in den letzten zwanzig Jahren massiv zugenommen hat: \u201cBald wird niemand mehr etwas gelten in der Gesellschaft, der nicht wenigstens einmal im Jahr durch Pelikanspeichel fermentierte Pilze isst.\u201c(S.76) Aber dann, ganz f\u00fcrchterlich, wenn er Nietzsche mit zwei S\u00e4tzen richtet: \u201cNur was morgen stirbt, ist heute sch\u00f6n! Ewigkeit ist ekelhaft!\u201c Danke, Max! <strong>Note: <\/strong>1\/2 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Goldmann 2006, 183 Seiten. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &nbsp; &gt;&gt; 21 feuilletonistische Texte mit different quality. Ausgangspunkt fast immer Alltagsbeobachtungen, die z.T. sehr skurrile Assoziationen freisetzen. 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