{"id":336,"date":"2009-11-06T12:17:06","date_gmt":"2009-11-06T10:17:06","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=336"},"modified":"2023-11-22T19:01:53","modified_gmt":"2023-11-22T17:01:53","slug":"peter-stamm-sieben-jahre","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=336","title":{"rendered":"Sieben Jahre- Peter Stamm"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/sieben_jahre.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-335\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/sieben_jahre-198x300.jpg\" alt=\"Peter Stamm - Sieben Jahre\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/sieben_jahre-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/sieben_jahre.jpg 475w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a> <strong>S.Fischer 2009,\u00a0 298 Seiten. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Die Dreiecksgeschichte \u201eSieben Jahre\u201c ist kein klassischer Beziehungskonflikt mit drei Ecken \u00e1 la <em>mann liebt zwei frauen<\/em>. Das vermeintliche Dreieck wirkt eher wie zwei horizontale Strecken durch den Mittelpunkt Alex, aus dessen Munde die Geschichte stammt. Oder beziehungsmathematisch noch genauer: es ist die Geschichte um den einen Mittelpunkt, von dem nicht horizontal, sondern senkrecht zueinander zwei weibliche Beziehungs-strecken abzweigen. Sie sind so verschieden, dass sie nicht in einer Ebene denkbar w\u00e4ren. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der vordergr\u00fcndig mit der charmanten, sch\u00f6nen Gattin Sonja perfekt gebettet scheint und sich dennoch obsessiv zu der anteilnahms- und gesichtslosen Aschenputtelfigur Iwona legt. Peter Stamm hat eine Geschichte von Gef\u00fchlen, Macht und Entfremdungen geschrieben, die den Menschenverstand provoziert. Vielleicht im verborgenen Alltag gar nicht so selten. Konzeptionell in jedem Falle wertvoll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sonja und Alex sind Kommilitonen im M\u00fcnchner Architekturstudium. Sonja begeistert durch ihren engagierten Einfallsreichtum. W\u00e4hrend sie die kontroversen Richtungen geschichtlicher Bauphilosophien aufsaugt, schlafwandelt Alex durch die N\u00e4chte des studentischen Olympiadorfes. W\u00e4hrend Sonja sich beruflich in Frankreich im Dunstkreis von Corbusier beeinflussen l\u00e4sst, verliert Alex sich als angestellter Architekt in der monotonen Planung von Treppenh\u00e4usern. W\u00e4hrend Sonja sich f\u00fcr einen Freund entscheidet, um sich schlie\u00dflich von ihm wieder zu trennen, weil er sich nicht hinreichend von seinen Eltern emanzipiert, l\u00e4sst Alex sich von angetrunkenen Freunden mit Iwona verkuppeln, obwohl sie ihn anwidert. Letztlich ist es die Freundin und exaltierte Malerin Antje, die die so verschiedenen Charaktere Sonja und Alex in ihrer Marseiller Wohnung zusammenbringt, woraus zun\u00e4chst eine 14 j\u00e4hrige Ehe erw\u00e4chst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Iwona ist eine illegal nach Deutschland immigrierte Polin; isoliert, zur\u00fcckgezogen, versch\u00fcchtert, arbeitsam, streng gl\u00e4ubig, befremdliche Erscheinung mit deutlichem Hang zur Geschmacklosigkeit. Ihr einziger Kontakt besteht zu einem Bibelkreis, der sie sp\u00e4ter fallen lassen wird, als sie unverheiratet und ungewollt schwanger wird. Nach der ersten Begegnung zieht es Alex immer wieder zu ihr, obwohl ihr Geruch, ihre ausdauernde Apathie und die konsequente sexuelle Weigerung ihn befremden. Dennoch ist es gerade der sexuelle Widerspruch, wenn er sich als nackter Mann an dieser gesichtslosen Frau in der Strickjacke reibt, der ihn ebenso reizt wie ihre Sprachlosigkeit, die keinerlei Anspr\u00fcche an ihn formuliert. Gerade hier tut sich f\u00fcr Alex eine neue Lebensqualit\u00e4t auf: ein Mensch so ganz anders als Sonja, die Alex immer wieder mit Pl\u00e4nen. Erwartungen, Herausforderungen konfrontiert. Iwona dagegen will nichts, fragt nichts, fordert nichts. Und dies obwohl sie Alex als von Gott f\u00fcr sie Auserw\u00e4hlten beschreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischenzeitlich vergeht eine vom Autor nicht vertiefte Zeitspanne von sieben Jahren, in der Alex und Iwona einander aus den Augen verlieren. (Warum diese Phase dem Buch den Titel gab, bleibt im Verborgenen.) Alex und Sonja haben derweil ein erfolgreiches Architekturb\u00fcro etabliert, als Alex zu Iwona gerufen wird. Sie hat Geb\u00e4rmuttergeschw\u00fclste, m\u00fcsste operiert werden und bittet Alex um finanzielle Unterst\u00fctzung. Augenblicklich erwacht die schon vergessen geglaubte Obsession. W\u00e4hrend des jetzt vollzogenen Beischlafs ergie\u00dft sich der Samen in das Tumorgewebe und f\u00fchrt zur Schwangerschaft. Im Laufe der kommenden Monate dringt Alex regelm\u00e4\u00dfig in sie, zwingt ihr Peinlichkeiten auf und entlohnt sie je nach emotionalem Schwierigkeitsgrad in bar. Iwona erscheint wie ein kosmisches <em>Schwarzes Loch<\/em>, das ihn mit unb\u00e4ndigen Kr\u00e4ften anzieht und nicht mehr freigibt.<br \/>\nAls Alex Sonja in das Schwangerschaftsgeheimnis einweiht, wird einvernehmlich und konspirativ der Plan einer Adoption geboren, da Sonja trotz gro\u00dfer Bem\u00fchungen keine Kinder bekommt. Gegen den anf\u00e4nglichen Widerstand von Iwona kommt das Neugeborene zu den Beiden, wo es dem Leser sp\u00e4ter als eine etwas kratzb\u00fcrstige, siebenj\u00e4hrige Sophie begegnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrenddessen greift die Wirtschaftkrise um sich, das gemeinsame B\u00fcro geht in die Insolvenz und die Ehe in den Ausnahmezustand. Sonja kehrt zur\u00fcck nach Frankreich und Alex wird zum Stammgast in besser gemiedenen Spelunken. Sonjas sp\u00e4tere R\u00fcckkehr und die Gesundung des gemeinsamen Betriebes kann den famili\u00e4ren Zerfall jedoch nicht mehr aufhalten. Sonja l\u00f6st sich endg\u00fcltig von Alex und l\u00e4sst Sophie bei ihm zur\u00fcck. Zu diesem Zeitpunkt ist Iwona aus dem realen Leben von Alex entr\u00fcckt, auch wenn er in krankhafterweise ihre Spuren sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat Peter Stamm in dieser Triole den einzelnen Protagonisten Facetten des Gl\u00fccks und Ungl\u00fccks, der Macht und Unfreiheit, der Ich-St\u00e4rke und Selbstaufgabe zugewiesen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offensichtlich ist es kein Entweder-Oder. Nicht Sonja oder Iwona. Denn beide konkurrieren nicht tats\u00e4chlich miteinander. Weder direkt noch in der Gef\u00fchlswelt von Alex. Alle drei scheinen in gewisser Weise hilflos mit sich selbst und ihrem Leben, keinem scheint nachhaltig Gl\u00fcck zuteil. Auch die Ich-St\u00e4rke hilft Sonja nicht. Im Gegenteil scheint die St\u00e4rke direkt gepaart mit Gef\u00fchlsarmut, welche Genuss mit Verweilen und Erf\u00fcllung verhindern. So bleibt Sonja als Getriebene unfrei. Andererseits schwebt \u00fcber Alex st\u00e4ndig das Schwert der Selbstaufgabe, das ihn zu einem unbestimmt Getriebenen macht und ihn prompt in eine Schicksalssackgasse treibt. Und Iwona? Sie erscheint geradezu als die Inkarnation von Ungl\u00fcck, Unfreiheit und Selbstaufgabe, etwa wenn sie die f\u00fcr ihre Operation bestimmten Tausende von Euro nicht f\u00fcr sich beansprucht, sondern wie immer nach Polen zur Unterst\u00fctzung der Verwandtschaft schickt, obwohl die Vettern und Tanten sie aus moralischen Gr\u00fcnden schon l\u00e4ngst ge\u00e4chtet haben. Sie hat in ihrer Liebe zu Alex einen festen Bezugspunkt, aber wird ihr das ein Lebenswert? \u201eSie hatte alles verloren. Was man verlieren konnte, aber sie wusste wozu sie da war. Sie hatte ein Ziel, und wenn es noch so unsinnig war. Vielleicht\u2026 war Iwona gl\u00fccklicher als wir\u201c (S. 248). Da ihr Gravitationsfeld eine l\u00e4hmende Macht aus\u00fcbt, versucht Alex ihre Anziehungskraft durch Erniedrigung zu neutralisieren. Doch muss der Versuch scheitern. Zwischen den beiden Beziehungsachsen rotiert er als leerer Schwerpunkt, so dass sich keine Geometrie der Unschuld und der nachhaltigen Bestimmung ergibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende ergibt sich eine Romangestaltung mit tragischen Lebensverlierern, unter denen Iwona die markanteste Figur darstellt. Peter Stamm h\u00e4tte man w\u00fcnschen m\u00f6gen, die Widerspr\u00fcchlichkeit und die daraus erwachsende Sucht- und Machtbeziehung des Ich-Erz\u00e4hlers Alex noch \u00fcberzeugender zu profilieren. Das Buch w\u00e4re noch eindr\u00fccklicher geworden. <strong>Note: <\/strong>2\/3 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Die Geschichte vom Scheitern seiner 18j\u00e4hrigen Ehe mit Sonja, die wir als R\u00fcckblende aus der Perspektive des Ich-Erz\u00e4hlers Alex erfahren, erh\u00e4lt ihre befremdliche Faszination durch die Figur der Polin Iwona. Was sich aus der von bierseligen Studienfreunden eher als Jux arrangierten Zusammenf\u00fchrung des Architekturstudenten\u00a0 Alex und Iwona ergibt, entzieht sich auf den ersten Blick (\u201esie war vollkommen reizlos\u201c S.17) jeder Plausibilit\u00e4t und dennoch offenbart gerade diese Beziehung die Ab- und Hintergr\u00fcnde menschlicher Bed\u00fcrfnisse. Die meist nur stundenweise Begegnung\u00a0 von Alex und Iwona (der Schauplatz fast ausschlie\u00dflich das muffige durch Illustriertenromanzen geschm\u00fcckte Zimmer der v\u00f6llig zur\u00fcckgezogenen Iwona) ist gepr\u00e4gt durch das Nebeneinander von\u00a0 Obsession und Abscheu, von Geborgenheit und Fremdheit, Gier und Sprachlosigkeit, von Macht und Ohnmacht, von T\u00e4ter und Opfer. Fast willenlos unterwirft sich Iwona nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern dem immer gleichen Befriedigungsritual (\u201eunsere Treffen liefen nach dem immer gleichen Muster ab und dauerten selten l\u00e4nger als eine Stunde) ohne auch nur den Hauch eines Anspruchs oder einer Forderung gegen\u00fcber Alex zu erheben. F\u00fcr Iwona, durch Herkunft, illegalen Aufenthalt, religi\u00f6se katholische Erbauungsliteratur und triviale Gl\u00fccksverhei\u00dfung gleicherma\u00dfen begrenzt wie verblendet, beginnt mit der \u201eErscheinung\u201c von Alex die \u201ebedingungslose Liebe\u201c. F\u00fcr Alex dagegen wird das Bed\u00fcrfnis nach sexueller Befriedigung zur \u201eH\u00f6rigkeit\u201c (121) zu einer Art Parallelwelt, in der sich anf\u00e4ngliche Macht \u00fcber Iwona (Missbrauch?) in Ohnmacht verkehrt. Verf\u00fcgungsgewalt ganz anderer Art gewinnt Alex erst wieder am Ende der Beziehung zu Iwona. Iwona wird im 7. Jahr (!!) der Beziehung zu Alex schwanger, ein Umstand der der bisher kinderlosen Ehe von Alex und Sonja eine Adoptiv-Tochter namens Sophie beschert. Dass dieser unerwarteten Familienplanung, die in seltsam n\u00fcchterner \u00dcbereinkunft vollzogen wird, kein dauerhaftes Gl\u00fcck beschieden ist, zeigt sich Jahre sp\u00e4ter in dem Augenblick als die Wohlstandsfassade der dynamischen Architekturfamilie durch Auftragseinbr\u00fcche Risse bekommt. W\u00e4hrend Alex dem drohenden Konkurs passiv durch Anzeichen der Verwahrlosung begegnet, kn\u00fcpft Sonja ohne R\u00fccksicht auf die Familie in Marseille an fr\u00fchere Architekturarbeiten an.\u00a0 Auch diese 2. Marseiller Episode erinnert daran, dass schon das Fundament der Beziehung von Alex und Sonja seit der 1. Marseiller Begegnung wenig stabil war. Sonjas durch das gutb\u00fcrgerlich-wertkonservative Elternhaus (gro\u00dfartig Alex\u2019 Beschreibung der Elternrituale) gepr\u00e4gter unb\u00e4ndiger Ehrgeiz sich beruflich zu verwirklichen, der Vorrang des \u00c4u\u00dferlichen vor dem Innerlichen, ihre sexuelle Zur\u00fcckhaltung, ihr Pragmatismus bei der Lebensplanung (Alex verordnete Fruchtbarkeitsfahrten von Chemnitz nach M\u00fcnchen), all dies liefert schon fr\u00fch Motive f\u00fcr Alex wiederkehrende Ausbr\u00fcche in eine Parallelwelt vermeintlicher Freiheit, auch wenn sie wie im Falle Iwona wieder Z\u00fcge des Zwanghaften annimmt. Das Scheitern in Beziehungen bedeutet f\u00fcr Alex aber auch das Scheitern an sich selbst, weil weder Lebens- noch Architekturplan eine pers\u00f6nliche Linie aufweisen und so bleibt seine Gewissheit \u201edass Iwonas Leben \u2013 \u00e4rmlich und anstrengend und entbehrungsreich \u2013 gl\u00fccklicher gewesen war als meines\u201c (281) letztendlich eine romantische Verh\u00f6hnung der Iwona-Wirklichkeit.<br \/>\nGerade weil die Alex \u2013 Iwona Beziehung bis zum Schluss nicht nur dem Leser sondern auch den Akteuren fremd bleibt, fesselt sie. Sie macht den Roman, die zum Teil sehr schr\u00e4gen Nebenfiguren (R\u00fcdiger, Tanja, Alice ec.) und Nebenschaupl\u00e4tzchen (Architekturged\u00f6ns) sind das literarische Lametta.. Die Sprache, die der Autor seinem Ich-Erz\u00e4hler leiht, ist glasklar : anders als die Iwona-Geschichte. <strong>Note<\/strong>: 2 (ai)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Warum verf\u00e4llt der Ich-Erz\u00e4hler Alex, der mit der sch\u00f6nen, manchmal etwas spr\u00f6den Sonja aus gutem Hause verheiratet ist, ausgerechnet der konturlosen, g\u00e4nzlich unattraktiven Polin Iwona? Die asymmetrische, bedingungslose Liebe Iwonas zu Alex und die offensichtlich daraus resultierende Macht \u00fcber Alex , das ist das zentrale Thema Stamms in diesem Buch. &#8222;Es ist schlimmer nicht geliebt zu werden, als nicht zu lieben&#8220;, l\u00e4sst er Alex einmal sagen, als dieser mit dem Vorwurf seiner Freundin Antje konfrontiert wird, Iwona auszunutzen. Oder : &#8222;Ein Mensch der liebt, hat immer schon gewonnen&#8220; . Eine These, die auf Iwona gem\u00fcnzt, jedoch im Roman nicht wirklich best\u00e4tigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zeitversetzte Rahmenhandlung, die gutb\u00fcrgerliche Welt am Starnberger See, das Studentenleben in M\u00fcnchen, die \u00e4sthetischen Fragen der Architektur, all dies gelingt Stamm vorz\u00fcglich und handwerklich gekonnt. Auch der Gef\u00fchlswelt von Alex l\u00e4sst uns Peter Stamm sehr nahe kommen. Das ist sehr gut gelungen. Bei Sonja erging es mir nicht ganz so. Vielleicht liegt das daran, dass wir Sonja ja nur aus den Erz\u00e4hlungen von Alex kennen lernen. Oder der Autor hat ihr schlichtweg &#8222;zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt&#8220;, wie Peter Stamm auf einer Lesung nach einer Publikumsfrage selbstkritisch anmerkte. <strong>Note: <\/strong>2+ (\u00fcn)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Lieber Alexander,<br \/>\nwas wohl aus Ihnen geworden ist?<br \/>\nMit all Ihrem \u00fcberm\u00e4chtigen Fernweh, das Sie auf der letzten Seite \u00fcberkommt, Ihrem Wunsch, wegzugehen und nie mehr zur\u00fcckzukehren, irgendwo neu anzufangen, in Berlin oder in \u00d6sterreich oder in der Schweiz. Wo Sie wohl gelandet sind?<br \/>\nGl\u00fcckwunsch, falls Sie sich f\u00fcr die Schweiz entschieden haben. Was soll ich sagen zu allem was Sie auf 298 Seiten mitgemacht, erlebt, gelebt und verlebt haben. Vorneweg:\u00a0 ich glaube nicht, dass Sie ein Schwein sind, wie Antje sagt. Ganz sicher nicht. Daf\u00fcr sind Sie zu sensibel, zu menschlich. Antje meint, das sei keine sch\u00f6ne Geschichte. Sicher, aber daf\u00fcr ist sie interessant.<br \/>\nDas Zerrissensein zwischen zwei v\u00f6llig gegens\u00e4tzlichen Frauen. Nehme ich Ihnen ab. Aber diese Abh\u00e4ngigkeit von Iwona, diese Obsession, schwer fassbar. Haben Sie sich \u00a0nie gefragt, ob nicht ein kleiner Sadist in Ihnen steckt? Oder gibt es Magnetismus zwischen Menschen, der st\u00e4rker ist als wir? Ihr Sch\u00f6pfer Peter Stamm bleibt ein gro\u00dfer Andeuter, wenn er von Ihnen schreibt: \u201eDann sagte ich ihr, was ich mir ausgedacht hatte, und wir gingen ins Schlaf- oder Wohnzimmer oder ins Bad.\u201c Ein Therapeut w\u00fcrde vielleicht sagen, dass Sie daran arbeiten sollten, aber warum eigentlich. Bleiben Sie wie Sie sind, wichtig ist nur, dass Sie einen komplement\u00e4ren Part finden. Nach und nach sind Sie mir sogar sympathisch geworden. Sie \u00a0genie\u00dfen es insgeheim, keine Verantwortung zu haben und kein Ziel (Seite 110). Und auch dann, wenn Sie wohlwissentlich einen Fehler machen (Seite 161), das zeigt doch Gr\u00f6\u00dfe. Eigentlich sind Sie ja ein Gl\u00fcckspilz. Eine Frau wie Sonja kennen zu lernen, \u00a0um die Sie die ganze Welt beneidet. Aber nat\u00fcrlich, ein Melancholiker wie Sie und ein Tatmensch wie Sonja, da wird es immer knirschen. Trotzdem haben sie es \u00a0ja 18 Jahre zusammen ausgehalten. Zur\u00fcck zur Eingangsfrage, was aus Ihnen wohl geworden ist. Mit einem Buch wie \u201eDie n\u00e4chsten sieben Jahre\u201c k\u00f6nnte Peter Stamm die Frage leicht beantworten. Aber dieses Buch wird wohl ungeschrieben bleiben und so werden wir es nie erfahren, weil auch meine Zeilen Sie wahrscheinlich nie erreichen werden.<\/p>\n<p>Trotzdem alle guten jahreszeitlichen W\u00fcnsche, ein gl\u00fcckliches Jahr 2010 (ja Gl\u00fcck).<br \/>\nIhr Milian<br \/>\n<strong>Note: <\/strong>1\/2 (ax)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S.Fischer 2009,\u00a0 298 Seiten. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &gt;&gt; Die Dreiecksgeschichte \u201eSieben Jahre\u201c ist kein klassischer Beziehungskonflikt mit drei Ecken \u00e1 la mann liebt zwei frauen. 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