{"id":294,"date":"2008-10-25T13:01:18","date_gmt":"2008-10-25T11:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=294"},"modified":"2023-11-22T18:33:22","modified_gmt":"2023-11-22T16:33:22","slug":"lion-feuchtwanger-goya","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=294","title":{"rendered":"Goya- Lion Feuchtwanger"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/goya.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-296\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/goya.jpg\" alt=\"Goya\" width=\"130\" height=\"222\" \/><\/a><em><strong>Aufbau Taschenbuch 2008, 653 Seiten.<br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Leon Feuchtwanger schreibt zwei gl\u00e4nzende Romane in einem: einen historischen Roman und einen psychologischen K\u00fcnstlerroman. Die Welt der spanischen Granden, Infanten und Intriganten im ausgehenden 18. Jahrhundert ist auch f\u00fcr Goya die notwendige B\u00fchne, auf der in jeder Beziehung die Musik spielt. Dass sich mit dem Erscheinen Dona Cayetanas, der Herzogin von Alba, zur der Leidenschaft des Malens eine fast noch verzehrendere Leidenschaft des \u201ecortejo\u201c hinzugesellt, macht f\u00fcr den sp\u00e4teren 1. Hofmaler den Lebensweg zuweilen zum Hexentanz. Zun\u00e4chst noch in der Schule rein repr\u00e4sentativer Portr\u00e4tmalerei verhaftet, legt er bald die Gesichter hinter den Masken frei. Das erscheint um so notwendiger, als am Hofe K\u00f6nigin Dona Maria Luisas und ihres Favoriten Don Manuel die Horizonte des Politischen untrennbar mit den Dimensionen der Horizontalen verbunden sind. Ein M\u00e4chtespiel der gro\u00dfen und kleinen Fallensteller, Lust- und Herrschaftsdiplomatie, strategische Heiratspolitik (\u201eWer aus Liebe heiratet, krepiert aus Wut\u201c, span. Sprichwort S. 392)), Heuchelmoral und Inquisitionsbarbarei (von Carrenzas \u00fcber Olavide bis Jovellanos) in der Umbruchsphase von Absolutismus und Aufkl\u00e4rung \u2013 Facetten eines Geschichtsbuch, das an Anschaulichkeit nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst. Ob und wie sich Goyas Kunst in dieser Welt zu einer von seinen liberalen Freunden geforderten \u201eIdioma universal\u201c entwickeln konnte, das erscheint eine der zentralen Fragen des Romans. Die G\u00e4ngelungen auf formaler Ebene, Goyas Kampf um die Abl\u00f6sung der Fessel Linie durch \u201eFarbe und Luft\u201c, aber vor allem die inquisitorische Zensur bestimmte das Sujet des K\u00fcnstlers. Mochte \u201eDie Familie Carlos IV\u201c (Don Fernandos \u201aStellungskrieg\u2019, \u201aHand und Kopfgeld\u2019 Bezahlung \u2013 inhaltlich und sprachlich zwei gro\u00dfartige Possen!) die \u00a0auch die Stellung zum 1. Hofmaler begr\u00fcnden, die f\u00fcr Goya entscheidenden Bilder waren jene den \u00f6ffentlichen Blicken verborgene \u201enackte Cayetana\u201c und die von ihr zerschnittene \u201eHimmelfahrt der L\u00fcste\u201c, die die obsessionshafte Beziehung zur Herzogin von Alba ins Bild setzte.\u00a0 Kein Zufall, dass sich Goya in dieser von zunehmender Taubheit und D\u00e4monentr\u00e4umen verfolgten Phase vor\u00fcbergehend an den Ort seiner Kindheit zur\u00fccksehnt. Nach Madrid zur\u00fcckgekehrt , spitzt sich der Machtkampf zwischen inquisitorischer Restauration und den Repr\u00e4sentanten liberaler Aufkl\u00e4rung um Miguel, Javellanos, Peral, Quintana zu. Auch wenn sich Goya nicht zum M\u00e4rtyrertum bekannte, mit seinen \u201eCaprichos\u201c sahen sich die spanischen Granden, Infanten und Intriganten im Spiegel und triumphierend dokumentiert der Feuchtwangersche Erz\u00e4hlers Goyas \u201eSchrei\u201c unter das letzte Blatt der Radierungen: \u201eYa es hora \u2013 Sie ist da, die Stunde, abgelaufen ist die Zeit\u201c. Dass der spanische Hof um K\u00f6nigin Dona Maria Luisa wider Willen zum Vermittler dieser Botschaft wird, ist ein letzter literarischer Schachzug Feuchtwangers- zu genial, um wahr zu sein. Wer das Gl\u00fcck hat Lion Feuchtwangers \u201eGoya\u201c im sonnenbeschienen Retiro, angelehnt an eine dorische S\u00e4ule, mit drei Freunden zu besprechen, wer dann am Tage danach gleichsam mit Goya durch die Ermita de San Antonio de la Florida schreitet um die weltlichen Engel zu bestaunen und wer dann noch im Prado, wenn auch nur die bekleidete (weil die nackte kurzfristig ins Grand Palais nach Paris entf\u00fchrt) Maja Cayetana vor Augen hat, der ist sich seiner Wertung f\u00fcr diesen Roman sicher: <strong>1 (muy bien) <\/strong>(ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Mit der Person des spanischen Malers Goya w\u00e4hrend der Zeit Napoleons erhebt Feuchtwanger ein bis in die Jetztzeit gefeiertes k\u00fcnstlerisches Idol zum Romanhelden, der sich durch seelische Tiefen zur moralischen Erkenntnis qu\u00e4lt. Ausgehend von den wenigen verf\u00fcgbaren, authentischen Belegen entwickelt Feuchtwanger einen Historienroman, welcher letztlich die gestaltende Kunst zu einer Lingua universale steigert \u2013 eine Verst\u00e4ndigungsform gegen den bornierten, ausbeuterischen Zeitgeist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Feuchtwanger skizziert in \u00fcberzeugenden Farben die Lebensgeschichte eines ambitionierten Talentes, das aus einfachen Verh\u00e4ltnissen stammend sich zun\u00e4chst in die Gobelin Werkst\u00e4tten Madrids malt. Rustikale Motive in schlichter, f\u00fcr die Teppichweberei geeigneter Ausf\u00fchrung bestimmen die Qualit\u00e4t. Durch die Heirat mit Josefa Bayeu, der Schwester des 1. Hofmalers, vollzieht Goya nicht nur die Ann\u00e4herung an den Adel, sondern auch an die Kunst des gro\u00dfen Schwagers Franscisco Bayeu. Tats\u00e4chlich kann er nach dessen Tod seine Positionen in Akademie und K\u00f6nigshaus einnehmen. Bis dahin hatte Goya bereits einen eigenwilligen und zun\u00e4chst umstrittenen Weg eingeschlagen. K\u00fcnstlerisch l\u00f6st sich die Romanfigur von den strengen Regeln der klassischen Malerei, gibt das Diktat der klaren Linie auf und l\u00e4sst die Konturen seiner Figuren kaum merklich im Umfeld verlaufen. Bestimmend und bet\u00f6rend zugleich ist auch die Erfindung eines genialen Grautons. Die anf\u00e4nglichen Geschmacksanfeindungen verkehren sich ins Gegenteil. Bald \u00fcberschlagen sich die Auftr\u00e4ge der Aristokratie. Goya genie\u00dft die vollen Kassen und den demonstrativen Luxus einer Edelkarosse, derer es landesweit nur drei Exemplare gibt. Seiner fordernden M\u00e4tresse Pepa Tudo bringt sein Erfolg gro\u00dfz\u00fcgige Geschenke. Das Leben l\u00e4uft rund. Zuhause die liebevolle, unendlich geduldige Frau, die ihm ununterbrochen Kinder geb\u00e4rt ohne dass er sich darum sorgen m\u00fcsste. Hinten die tolerierte Hurerei und vorne die k\u00fcnstlerische Kr\u00f6nung, die seiner beruflichen Eitelkeit am oberen Ende der Karriereleiter huldigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dennoch bewahrt sich der Maler einen Grundzug, der von den einen als k\u00fcnstlerische Aufrichtigkeit \u2013 n\u00e4mlich die Wahrheit malen, wie sie ist &#8211; interpretiert wird und von anderen als aufs\u00e4ssige Ich-Bezogenheit empfunden wird. Letzteres auch bekannt als Grundzug des dickk\u00f6pfigen, prototypischen Urspaniers, des Mayo. Entsprechend geniert sich Goya nicht, die k\u00f6nigliche Familie gro\u00dfformatig in aller Zweideutigkeit darzustellen, die weder Unvorteilhaftes noch L\u00e4cherliches in den Herrschergestalten ausspart. Auf der Welle des selbst inszenierten Zeitgeistes reitend bleibt Goya dennoch der Applaus erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goya gibt sich als Mann monumentaler Libido so wie es f\u00fcr den klassischen Mayo und vor allem jener der Aristokratie der Brauch ist. Die Begegnung mit der strahlend sch\u00f6nen Herzogin Cayetana von Alba jedoch trifft ihn ins Mark und wird eine erst durch den Tod gel\u00f6ste Obsession ausl\u00f6sen. Jedes Haar dieser Frau sei von bet\u00f6rend erotischer Ausstrahlung. Fortan wird er Notl\u00fcgen gebrauchen, die Etikette verletzen, seine Familie noch mehr vernachl\u00e4ssigen und sogar K\u00f6nig und K\u00f6nigin br\u00fcskieren, um der Intimit\u00e4t der Alba nahe zu sein. Ein verh\u00e4ngnisvolles Wechselspiel \u00fcber viele Jahre stellt sich ein. Auch sie kann von ihm nicht lassen, ignoriert, lockt, liebt und instrumentalisiert ihn im weiblichen R\u00e4nkegepl\u00e4nkel mit der wenig anmutigen, konkurrierenden K\u00f6nigin Maria Luisa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den argen Weg der Erkenntnis Goya herauszuarbeiten, pointiert Feuchtwanger mit historischen Detailkenntnissen die quasi innerbetriebliche Beschaffenheit der aristokratischen Maschinerie mit all ihren Intrigen wie auch die Grotesken der europ\u00e4ischen Machtpolitik. Goya verschreibt sich zun\u00e4chst der absurd anmutenden, aber realen Welt des Adels, um sein Streben nach Ruhm und Einfluss zu befriedigen. Lange schaut er schweigend zu wie K\u00f6nig und Herz\u00f6ge mit Papst, Portugal und Napoleon jonglieren, Heiraten erzwingen und Kritiker in die Verbannung schicken um Befriedigung f\u00fcr Eifersucht, Ehrverletzung und sexuelle Begierden zu erlangen. Goya spielt mit. Auch reagiert er nicht auf die ver\u00e4rgerten Anfeindungen seines treuesten Mitarbeiters Agustin, der ihn des moralischen Verrats bezichtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bezeichnenderweise wird Goyas Erkenntnisprozess zun\u00e4chst nicht rational gelenkt, sondern entspringt einem g\u00e4nzlich unpolitischen, ja unmoralischen Ursprung. Es sind die seelischen Wechselb\u00e4der Goyas mit Cayetana, der Suchtcharakter ihrer Beziehung mit allen Elementen intensivster Sinnesfreuden, suizidaler Verzweiflung und v\u00f6lliger Selbstaufgabe, die ihn in den Vorhof des Wahnsinns treiben. Als Vorbote dieser neuronalen Degeneration stellt sich eine v\u00f6llige Taubheit ein. Goya beantwortet den schicksalstr\u00e4chtigen Angriff auf seine Gesundheit mit Askese und sozialer Selbsterniedrigung. Er wirft den Purpurmantel der Prasser ab, verweigert sich den Kunstdelirien und begibt sich in die Einsiedelei. Zun\u00e4chst ist es ein Akt der Verzweiflung, doch stellt sich mit der Zeit ein nach au\u00dfen gerichteter kritischer Unmut ein, der sich vor allem an der bedrohlichen Zensur der in Spanien immer noch herrschenden Inquisition entz\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goya beginnt wieder zu malen. Er wendet sich Radierungen zu. Darstellungen, die nur Schwarz kennen. Themen, die \u00fcberwiegend politisch sind. Ausf\u00fchrungen, die mindestens bissige Karikaturen darstellen, h\u00e4ufig auch eindeutige Anfeindungen ausgew\u00e4hlten Pers\u00f6nlichkeiten gegen\u00fcber: klerikale Gestalten, die in selbstherrlicher Doppelmoral den Anstand verletzten, Herrschergestalten, die ihre Macht missbrauchen; Herrschaften des \u00f6ffentlichen Lebens, die durch Gier, Geiz und Geilheit breitspurig Missbrauch betreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goyas blasphemische Zeichnungen erwecken schlie\u00dflich den Zorn der Inquisition, dem er nur entkommt, weil mit der Hilfe von Freunden das K\u00f6nigspaar gedr\u00e4ngt werden kann, die sch\u00fctzende Hand \u00fcber ihn zu halten. Goya findet durch diese zweite, sehr ernste pers\u00f6nliche Bedrohung zur\u00fcck zur Familie. Doch wenig sp\u00e4ter sterben Frau und Kinder und im Laufe der Zeit auch die engsten Freunde. Er bleibt vereinsamt zur\u00fcck. Die letzten Jahre vergr\u00e4bt er sich schlie\u00dflich auf dem Lande und beschr\u00e4nkt sein k\u00fcnstlerisches Schaffen auf nekrophile Wandmalereien im eigenen Hause. Zu diesem Zeitpunkt wird der arge Weg der Erkenntnis bereits vom Flugsand der D\u00e4monen, die von ihm Besitz ergreifen, versch\u00fcttet. Auch wenn er selbst die Erkenntnis nicht mehr wirklich leben kann, so bleiben doch seine kritischen Karikaturen, die Caprichos, bis heute bestehen und artikulieren sich als Lingua universale.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein lesenswerter Roman, der dem geduldigen Leser nicht nur kunstgeschichtliche, sondern auch machtpolitische Visionen hinter die dunklen Kulissen europ\u00e4ischer Intrigennetze erlaubt, ohne dabei den Anspruch auf Authentizit\u00e4t zu erheben.<br \/>\n<strong>Note: <\/strong>2 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;<strong>\u00a0<\/strong>Ein fesselnder Roman \u00fcber\u00a0 Francisco de Goya, Hofmaler des spanischen K\u00f6nigs Carlos IV. Am Anfang macht es durchaus M\u00fche das personale Inventar mit \u00e4hnlich klingenden Namen wie Dona Luisa und Dona Lucia und die vielen andern Figuren und deren Funktion am spanischen Hofe des ausgehenden 18.Jahrhunderts auseinander zu halten. Hat man sich aber erst einmal eingelesen, fasziniert Feuchtwangers Roman trotz gewaltiger 600 Seiten sowohl in inhaltlicher, als auch in sprachlicher Hinsicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich der Goya Abteilung im Prado zu Madrid oder den Deckengem\u00e4lden in der kleinen Kirche \u00a0San Antonio de la Florida nach der Lekt\u00fcre des Romans n\u00e4hert, sieht sie mit anderen Augen. Sie erz\u00e4hlen neue, oft auch lustige Geschichten. Zum Beispiel von den durchaus heiteren Querelen der royalen Bourbonen bei einer fr\u00fchen Familienaufstellung f\u00fcr ein herrschaftliches Bild, bei dem Goya uns dann aber letztlich hinter die Fassade auf durchaus menschliches blicken l\u00e4sst. Kein Spur mehr vom Gottesgnadentum. Ein kunsthistorischer Sprung nach vorne, an dem uns Feuchtwanger teilnehmen l\u00e4sst. Die Macht der Kirche, des K\u00f6nigs und der K\u00f6nigin, der Inquisition, die beginnende Aufkl\u00e4rung und deren Anh\u00e4nger in Spanien, die Reformer in der Regierung, die die Ideale der franz\u00f6sischen Revolution bewundern, und immer mitten drin &#8211; Goya. Feuchtwanger hat hier auch eine Parabel auf die McCarthy \u00c4ra in den USA geschrieben, deren Subjekt er war, wie sein Goya Subjekt der Inquisition war. Kein offener politischer Revoluzzer, manchmal vielleicht sogar etwas opportunistisch. Als K\u00fcnstler aber ist Goya der Wegbereiter der Moderne. Dies zu zeigen gelingt Feuchtwanger auf \u00fcberzeugende und vielschichtige Weise. Er offenbart uns Goya aber auch als leidenschaftlich liebenden, aber auch leidenden Menschen.\u00a0 <strong>Note: <\/strong>1\/2\u00a0 (\u00fcn) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Niemand d\u00fcrfte unbeeindruckt bleiben von der F\u00fclle der Fakten, die Lion Feuchtwanger in seinem Buch aufbereitet hat. Sieben Jahre Arbeit, mehr als f\u00fcr jedes andere seiner B\u00fccher. Eine bemerkenswerte Leistung auf fast 600 engbedruckten Seiten. Dem Autor gelingt es, die Entwicklung des genialen Malers, seine H\u00f6hen und Tiefen glaubw\u00fcrdig nachvollziehbar zu machen. Viele Menschen spielen eine Rolle im Leben Goyas und leicht k\u00f6nnte man da den \u00dcberblick verlieren. Ein Arbeitsblatt brachte den sp\u00e4ten Durchbruch (Danke Rainer!). Viel interessantes landeskundliches Wissen wurde verarbeitet, der spanische Hof, der Adel , seine Granden und die Obsession der \u201epureza de sangre\u201c (Blutreinheit), die unheilvolle\u00a0 Inquisition, der vergebliche Kampf der Aufkl\u00e4rer (\u201eafrancesados\u201c) gegen die Reaktion\u00e4re. Oder auch die konkurrierenden \u00e4sthetischen Theorien dieser Epoche (Mengs, Jacques Louis David contra Goya). Die Entstehungszusammenh\u00e4nge der Werke Goyas werden klarer und nach der Lekt\u00fcre dieses Romans ist Goya-Gucken sicherlich erhellender, erkenntnisreicher. Aber es ist manchmal ein arger Weg bis Seite 584.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Feuchtwanger liebt es, Adjektive aneinander zu reihen. Eine kleine Kostprobe: \u201eEr brauchte seinen schweigsamen, immer verdrossenen, tief verst\u00e4ndigen, viel wissenden, kennerischen, hageren Agust\u00edn, der herumging wie die sieben mageren K\u00fche (\u2026.) Er konnte ohne ihn nicht auskommen, sowenig wie Agust\u00edn ohne seinen gro\u00dfen, kindischen, bewunderten, unertr\u00e4glichen Freund.\u201c (Seite 24)\u00a0 Hat das Werk nach 57 Jahren etwas Patina angesetzt? Wie w\u00fcrde wohl Daniel Kehlmann den Goya-Stoff heute bearbeiten, habe ich mich manchmal gefragt. Leichter, fl\u00fcssiger, leserfreundlicher? Wer kein Faible f\u00fcr historische Romane hat, d\u00fcrfte mit einer guten Biographie vermutlich besser bedient sein. Im Internationalen Feuchtwanger-Jahr 2008 (er starb vor 50 Jahren) gilt diese Einschr\u00e4nkung aber nicht. Der ganz besondere Lese-Ort (Danke Burkhard!) zwischen den S\u00e4ulen am Alfonso XIII-Denkmal im Retiro-Park in Madrid hob das gemeinsame Gespr\u00e4ch aus vielen anderen heraus. Wenn das nur die lautstarken Trommler gewusst h\u00e4tten .<strong> Note: <\/strong>2\/3 ( ax)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufbau Taschenbuch 2008, 653 Seiten. &gt;&gt; Leon Feuchtwanger schreibt zwei gl\u00e4nzende Romane in einem: einen historischen Roman und einen psychologischen K\u00fcnstlerroman. Die Welt der spanischen Granden, Infanten und Intriganten im ausgehenden 18. 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