{"id":2121,"date":"2025-04-11T12:11:08","date_gmt":"2025-04-11T10:11:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2121"},"modified":"2025-07-27T14:29:22","modified_gmt":"2025-07-27T12:29:22","slug":"die-ballade-vom-vakuumverpackten-haehnchen-lucie-rico","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2121","title":{"rendered":"Die Ballade vom vakuumverpackten H\u00e4hnchen- Lucie Rico"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2123\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/K1024_Haehnchen-194x300.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/K1024_Haehnchen-194x300.jpg 194w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/K1024_Haehnchen-663x1024.jpg 663w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/K1024_Haehnchen.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/>Mattes&amp;Seitz, 2024 | 235 Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&lt;&lt;Hannah erbt von der schon reichlich skurrilen und kaltherzigen Mutter einen H\u00fchnerhof mit 300 H\u00fchnern, darunter erstaunlich viele Einbein- und Ein\u00e4ugige. War die Mutter schon sehr schr\u00e4g drauf, entwickelt auch Erbin Hannah eine innige, pathologisch \u00fcberdrehte Beziehung zu den H\u00fchnern und hat bald die brillante Idee, zu jedem H\u00e4hnchen, das sie auf dem Markt verkauft, eine Biografie mitzuliefern, was beim Publikum gut ankommt. So weit so gut. Was Hannah dann aber &#8211; in einem lakonischen Pr\u00e4sens erz\u00e4hlt &#8211; an Verr\u00fccktheiten abliefert, geht auf keine Kuh- sorry H\u00e4hnchenhaut.<br \/>\nSo liebt sie den \u201estrengen Geruch der H\u00fchner mehr als Louis Liebesbekundigungen\u201c. Louis ist ihr Mann , der noch in der Stadt wohnt und sie mit Fotos versorgt, damit sie masturbieren kann.<br \/>\nF\u00fcr die H\u00fchner wird ein Spielplatz mit Rutsche gebaut, sie d\u00fcrfen auch mit fernsehen und mit ins Bett oder sie schlafen im Hundek\u00f6rbchen. Die H\u00e4hnchen nennen sie \u201eMenschenskinder\u201c.<br \/>\nHannah ist allerdings Vegetarierin und redet im Zusammenhang mit dem Verkauf der H\u00e4hnchen st\u00e4ndig und penetrant von \u201eLeichenteilen\u201c, von \u201eExekutionen\u201c, \u201eTodesurteilen\u201c. Auch als ihr 4 fingriger Mann Louis nachts heimlich ein St\u00fcck Wurst isst, ekelt sich Hannah. \u201cEin obsz\u00f6ner Wurstgeruch geht von ihm aus\u201c.<br \/>\nAm Ende eskaliert das ganze Unternehmen in einer absurden Gewaltorgie, als die H\u00e4hnchen mit Biografie in Massen an Superm\u00e4rkte verkauft werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein recht plumpes und \u00e4rgerliches Pl\u00e4doyer gegen den Verzehr von H\u00e4hnchenfleisch, frei von jeglicher Logik und ohne Witz. <strong>Note: 5<\/strong> ( \u00fcn) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Ja, ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte der 36j\u00e4hrigen Hannah, doch diese Blutspur ist voller Ungereimtheiten, nicht nur das Genre Ballade betreffend. Ein reichlich schr\u00e4ges Theodore-Verm\u00e4chtnis der Mutter macht die Vegetarierin, die kein Fleisch mehr essen und kein H\u00fchnchen mehr schlachten kann, binnen kurzem zur H\u00fchnchenvertrauten. Um den &#8222;strengen Geruch&#8220; des Federviehs &#8222;mehr zu lieben&#8220; als &#8222;die Liebesbekundungen&#8220; ihres Ehemanns Louis, bedarf es allerdings einer k\u00fchnen Verwandlung des Tiers zum \u201eMenschenkind\u201c. Der H\u00fchnerhof im Dorf ihrer Kindheit wird zum Ort liebevoller Zuwendung mit gelegentlicher Einzelbetreuung. Eine exklusive Minibiografie ziert jede Vakuumverpackung. Das einzelne Huhn wird posthum zur \u201ePers\u00f6nlichkeit\u201c. So sehr es in der H\u00fchnerschaar von 300 auch menschelt, Hannahs lustvoll praktizierte Exekutionsformen wie Halsumdrehen, Messersticke, Beil machen aus der \u00dcberh\u00f6hung und Individualisierung das Tier zur Ware. Dass mit dem Auftritt Fernand Rabatet eine ganz neue Form der Vermarktung und Kommerzialisierung beginnt, l\u00e4sst schon ahnen, dass uns kein Happy-end erwartet. Der Vertrag, der Hannah zur Komplizin im Tierhandel gro\u00dfen Stils macht, erf\u00e4hrt &#8211; ethisch abgesichert \u2013 letztlich auch die Zustimmung der H\u00fchner. Jetzt brechen alle D\u00e4mme. Der H\u00fchnerstall wird zur Fleischfabrik . Mehrgeschossige Lebenshalle, Leichenhalle, Observatorium (Beobachtungsposten) aus wei\u00dfem Beton. Entworfen von Louis , Ehemann und Architekt, dessen eigentliches Arbeitsgebiet: Projektplanung f\u00fcr Abu Dhabi (!!) Das Interieur Kunstrasen, Puppenh\u00e4user, Spielger\u00e4te, Kunsthimmel mit \u201eewigem Fr\u00fchling\u201c. Platz f\u00fcr 10.000 H\u00fchner. Dass Hannah hier \u201eeine Armee von untoten H\u00fchnern unter einem Antihimmel, zum Angriff bereit\u201c, vorfindet, \u00e4ndert zun\u00e4chst nichts an der Illusion einer pers\u00f6nlichen Mensch-Tier Beziehung. Als kleiner Ausflug in die Abteilung \u201eSlapstick\u201c dienen Lyriklesungen f\u00fcr H\u00fchner, die Kochtopf-Exekution des Sohnersatzes Aval oder etwas umfangreicher die Rekrutierungsepisode der neu einzustellenden Texter. Dass Hannah schlussendlich erst ein Licht aufgeht, als sie im K\u00fchlregal des Supermarkts angesichts von 800 (!) ausgedruckten H\u00fchnerbiografien Dopplungen erkennt und auf den Nuggetpackungen biografisch \u201eVermischtes\u201c ersp\u00e4ht, zeigt, wie weit es mit dem Wirklichkeitsverlust in diesem Roman schon gekommen ist. Da hilft dann angesichts des biographischen Scherbenhaufens nur das Gewehr. Mit der Kugel f\u00fcr Fernand, dem Massaker an Hannahs-H\u00e4hnchen, der letzten Kugel f\u00fcr Louis erleben wir ein Gewaltfinale mit Katharsispotential, dessen schlichte Botschaft nur hei\u00dfen kann:<br \/>\nFinger weg vom Supermarkth\u00e4hnchen! <strong>Note: 4\/5<\/strong> (ai)&lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; So wie \u201e<em>Ballade\u201c <\/em>und \u201e<em>vakuumverpackt\u201c <\/em>bereits einen Stilbruch vermuten lassen, so bricht Lucie Rico tats\u00e4chlich die g\u00e4ngige Literaturerwartung. H\u00fchner, die uns als Frikassee vertrauter sind denn als charaktervolle Zeitgenossen, werden bei Rico zum Mittelpunkt einer eigenwilligen Geschichte, die, wie bei Balladen \u00fcblich, tragisch endet. Diese Ballade kennt keine Reime, wohl aber poetische Biografien, die rhythmisch durch das Werk pulsen. Es sind Empfindungen von Hannah \u00fcber ihre H\u00e4hnchen, mit denen sie eine sehr pers\u00f6nliche Zweisamkeit teilt, um sie am Ende zu schlachten und dem Wochenmarkt zuzuf\u00fchren. F\u00fcr Hannah ein naturgegebener Zyklus. Der Roman ist also zun\u00e4chst eine Grenz\u00fcberschreitung zwischen Mensch und Tier. Die Autorin nutzt diese Br\u00fccke aber auch, um fundamentale Gr\u00f6\u00dfen wie Leben und Tod zueinander in Beziehung zu setzen. Und zwar auf verst\u00f6rend innige Art, so dass Leben und respektvolles T\u00f6ten zu einer harmonisch stimmigen Einheit verschmelzen. Der urbane Leser z\u00f6gert zun\u00e4chst, die grotesk anmutenden Verkn\u00fcpfungen anzunehmen, wird jedoch bald durch die selbstverst\u00e4ndliche Unorthodoxie in den Bann geschlagen. Ein \u00fcberraschendes Literaturerlebnis f\u00fcr den dem Land entfremdeten Stadtmenschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hannah (36) wird mit dem Tod ihrer Mutter in die Gegenwart ihres fr\u00fcheren Daseins versetzt. Der Mutter hatte man als junge Frau prophezeit, keine Kinder bekommen zu k\u00f6nnen. Sie wollte das Gegenteil beweisen. Es war ein Unbekannter, der half und unbekannt blieb. Dass auf Kinder kriegen, Kinder haben folgte, war f\u00fcr die junge Mutter eine b\u00f6se \u00dcberraschung. Sie entzog sich der Aufgabe. So wurde Hannah weitgehend unter den H\u00fchnern ihrer Mutter gro\u00df, die in diesem Landstrich Frankreichs den Lebensunterhalt garantieren. Jetzt war die Mutter tot und 300 Tiere f\u00fchrungslos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hannah findet einen heruntergekommenen Hof vor. Dem Verm\u00e4chtnis der Mutter folgend, f\u00fchrt sie das Chaos weiter, bis Mutters verwaistes Lieblingshuhn und seine Genossen marktreifen Bauchspeck angesetzt haben. Das Ansinnen wird jedoch zum Spie\u00dfrutenlauf. Die Dorfbewohner untergraben die Arbeit der Fremdgewordenen. Hannah ist zwar vertraut mit Aufzucht und Schlachtung, doch das Massakrieren verlangt ihr viel ab. Eine innere Stimmigkeit stellt sich erst ein, als sie die todgeweihten H\u00fchner mit sehr pers\u00f6nlichen Abschiedsbiografien in Mutters Kondolenzbuch verewigt. Biografien prangen fortan auch auf den Vakuumbeuteln und f\u00f6rdern nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten den Absatz am Marktstand. Die Nachbarschaft neidet ihr den offensichtlichen Erfolg. Doch die resiliente Hannah leistet Widerstand, provoziert, wird niedergeschlagen und findet zunehmend eine tiefe Bestimmung in der gro\u00dfen Gefl\u00fcgelfamilie. Sie bleibt und baut aus. Das Dorf kontert mit f\u00fcrchterlichen Massakern unter ihren H\u00fchnern. Die T\u00e4ter bleiben nat\u00fcrlich unerkannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zwischenzeitlich wird der Gesch\u00e4ftsmann Fernand Rabatet auf Hannahs originelle Konzeption aufmerksam, da die Individualisierung des Massenproduktes den Umsatz auch in seinen Superm\u00e4rkt steigern k\u00f6nnte. Das H\u00e4hnchen wird neu <em>geframed<\/em>, nachdem <em>bio<\/em> versandet ist. Fortan werden w\u00f6chentlich vakuumverpackte H\u00e4hnchen mit dokumentierter Identit\u00e4t abgeholt und frische K\u00fcken angeliefert. Derweil eskaliert der d\u00f6rfliche Konflikt. Als das brutale <em>Bashing<\/em> unertr\u00e4glich wird, vereinbaren Fernand und Hannah einen Umzug in die Stadt. Da trifft es sich gut, dass Hannahs Lebensgef\u00e4hrte Louis Architekt ist. Zusammen wird der ganz gro\u00dfe Wurf eines st\u00e4dtischen Gefl\u00fcgelhochhauses geplant. Den begeisterten Expansionsvisionen von Fernand folgend, gibt es Platz f\u00fcr 10.000 H\u00e4hnchen. Louis konzipiert k\u00fcnstliche Computerhimmel und steuerbare Naturstimmungen f\u00fcr das H\u00fchnervolk, w\u00e4hrend Hannah mit einem Stab engagierter Jungliteraten massenhaft Lebensl\u00e4ufe produziert, Nat\u00fcrlich erst, nachdem kennzeichnende Charakterz\u00fcge jedes einzelnen Tieres erkannt waren. Hannah ist g\u00f6ttlich begl\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das Paradies hat zerschnittene Grenzz\u00e4une. Sie entdeckt schlie\u00dflich, dass Biografien recycelt werden. Dass H\u00e4hnchen in Teilst\u00fccken vermarket werden. Dass die einzigartige Individualit\u00e4t ihrer Kreaturen zerst\u00fcckelt, missachtet, vernichtet wird. Ihr schwant, dass der unertr\u00e4gliche Verrat, der eines Triumvirats ist. Fernand, der gewissenlose Gesch\u00e4ftsmann. Louis, der es mit gestaltete. Und Hannah, die es als sogenannter <em>Showrunner <\/em>naiver weise vorantrieb. Die gezogene Konsequenz ist infernal und umfassend. Hannah erschie\u00dft alle Tiere und verwendet auch die letzte Kugel. Die <em>An-<\/em>Spannung reicht \u00fcber das Buch hinaus, denn wir erfahren nicht, wen diese Kugel trifft: ihr verbleibendes Lieblingshuhn, ihren Freund Louis oder sie selbst? Starker Schockschluss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bemerkenswert ist, dass Rico (bewusst oder nicht) in dem bizarren Plot eine Daseinsdiskussion er\u00f6ffnet. Wie kann es sein, dass \u201edas Leben nehmen\u201c mit tiefer Ann\u00e4herung vereinbar bleibt? Hannahs tierische Verbindung ist nicht intellektuell, sondern geradezu k\u00f6rperlich und tief empathisch. Sie teilt mit einem Huhn Bett, Haus und Freizeit. In ihrer Abwesenheit wird die H\u00fchnereinsamkeit mit Fernsehprogrammen gemindert. Gemeinsame Rock`n Roll Momente werden mit geh\u00f6rig Whiskey f\u00fcr Huhn und Mensch veredelt. Bei gemeinsamen Spritztouren mit dem PKW wird der Geschwindigkeitsrausch ausgekostet, auch wenn ein schw\u00e4chelndes H\u00e4hnchen schon mal in einer zu scharfen Kurve einem Herzinfarkt erliegt. Hier touchiert der Roman surreales Territorium. Hannah sitzt stundenlang im Kreise der Ihren, erfasst die Mentalit\u00e4ten, erkennt die M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger, die Schaffer, die Vertr\u00e4umten, die Verr\u00e4ter. Und alle sind ihr nah. Geteiltes Leben trotz des folgenden T\u00f6tens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tod postiert sich hier nicht als Schnitt, der alles nimmt. Der Tod ist die nat\u00fcrliche Vollendung des Lebens. Im Sinne eines H\u00fchnerlebens ist die Schlachtung das nat\u00fcrlichste denkbare Ende. Oder wie die verstorbene Mutter sinngem\u00e4\u00df sagte: die W\u00e4rme, die wir ihnen gaben, geben sie uns zur\u00fcck, wenn sie aus dem Ofen kommen. F\u00fcr die Vegetarierin Hannah ist der Umgang zwingend mit Respekt und unumst\u00f6\u00dflichen Prinzipien verbunden. Wird einer dieser Werte verletzt, bleibt nur die kollektive Katastrophe. Das atmet Shakespeare. Die Autorin l\u00e4sst in diesem Part die Protagonistin eine Hannah sein, deren Ursprung schon Besonderes erwarten lie\u00df. Hannah entspricht nicht der Norm. Kauft gigantische Puppenh\u00e4user mit funktionsf\u00e4higen Duschen f\u00fcr das Federvieh. Weckt nachts die H\u00e4hnchen, um sich mit ihnen zu betrinken. Das gemeinsame Bett mit einem Huhn braucht sie, damit \u00fcber die Sprachbarriere hinweg die Tr\u00e4ume zirkulieren k\u00f6nnen &#8211; eine unverzichtbare Hilfe f\u00fcr authentische Biografien. Von Louis Vier-Finger-Hand ist Hannah so elektrisiert, dass sie unbedingt von diesen quasi \u201eH\u00fchnerzehen\u201c befriedigt werden will. Braucht es eine Wesensart jenseits der als gesund empfundenen Normalit\u00e4t, um diese Lebensauffassung zu entwickeln? Eine Ethik von Beh\u00fcten und T\u00f6ten mit zementierter Rollenverteilung? Oder braucht es das Entr\u00fcckte gar nicht? Schlie\u00dflich lebt jeder Landwirt nach dieser Maxime. In jedem Falle eine denkw\u00fcrdige Denkart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lucie Rico sind mit trockenem Humor surreale Bilder gelungen, die den g\u00e4ngigen Erwartungshorizont durchsto\u00dfen. Witzig, originell, verst\u00f6rend und doch tiefsinnig. Stark. <strong>Note: 1<\/strong> (ur) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Keine Ballade, ein Roman, der blutig beginnt und auch so endet. Es geht um H\u00fchner und \u201emit einem Huhn hat der B\u00fcrger wenig Mitleid\u201c wei\u00df die FAZ (2. April 2025) in einem ausf\u00fchrlichen Bericht \u00fcber die steigende Nachfrage nach Gefl\u00fcgelfleisch.<br \/>\nF\u00fcr Hannah, die Protagonistin des Romans gilt das nicht. Sie empfindet tief f\u00fcr ihre H\u00fchner, f\u00fcr die sie individuelle Nachrufe schreibt. Diese Nachrufe, sensibel beobachtete Mini-Portraits, fein ziselierte sprachliche Kunstwerke, wurden f\u00fcr mich zum Lesegenu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman f\u00fcllt eine echte Wissensl\u00fccke. Denn \u201edie Wissenslage \u00fcber die H\u00fchnerhaltung sei sp\u00e4rlich\u201c meint Lasse Brandt, H\u00fchnerbeauftragter des Biolandverbands (wochentaz vom 25. April 2025). Das blutige Ende \u00fcberrascht und wirkt etwas konstruiert. Eine abschlie\u00dfende Bewertung f\u00e4llt nicht leicht. Eine schwarze Kom\u00f6die? Teilweise schon. Immer wieder wird \u00fcberzeichnet, was Komik hervorruft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Surreales, Irreales, Bizarres, Absurdes, Irrwitziges, von allem etwas, aber auf jeden Fall am\u00fcsant. <strong>Note: 1\/2<\/strong> ( ax) &lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mattes&amp;Seitz, 2024 | 235 Seiten. &lt;&lt;Hannah erbt von der schon reichlich skurrilen und kaltherzigen Mutter einen H\u00fchnerhof mit 300 H\u00fchnern, darunter erstaunlich viele Einbein- und Ein\u00e4ugige. War die Mutter schon sehr schr\u00e4g drauf, entwickelt auch Erbin Hannah eine innige, pathologisch &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2121\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2121"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2121"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2144,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2121\/revisions\/2144"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}