{"id":2109,"date":"1998-11-27T12:03:37","date_gmt":"1998-11-27T10:03:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2109"},"modified":"2025-03-20T12:05:15","modified_gmt":"2025-03-20T10:05:15","slug":"ach-europa-hans-magnus-enzensberger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2109","title":{"rendered":"Ach Europa! &#8211; Hans Magnus Enzensberger"},"content":{"rendered":"<p>Suhrkamp Taschenbuch St 1690 1987 \u2013 501 Seiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sieben Reiseberichte und ein futuristischer Epilog. Die Berichte stellen eine lockere Sammlung von Reiseeindr\u00fccken dar, die in Schweden, Norwegen, Polen, Ungarn, Portugal, Spanien und Italien in den Jahren 1982-86 entstanden. Jedes Kapitel ist gepr\u00e4gt von pers\u00f6nlichen Begegnungen mit Menschen sehr unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen, f\u00fchrenden Politikern, Volksmusikanten, Bauern und Studenten, Redakteuren und Namenlosen en passant. Typisch touristische Schwerpunkte fehlen. Stattdessen Momente des Allt\u00e4glichen und Ungew\u00f6hnlichen. Die Reisen sind nur bedingt dem Zufall \u00fcberlassen, viele Wege sind gesuchte Ziele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tenor aller Zeiten und Orte: Ach, Europa! Bedauernswert, ignorant, unbek\u00fcmmert, desorganisiert, \u00fcberreglementiert, ungeordnet, fantasielos, \u00fcbertrieben bunt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein Land, kaum eine Begegnung, die Enzensbergers Kritik oder Ironie entk\u00e4me. Dabei w\u00e4hlt der Autor eine vordergr\u00fcndig sachliche Darstellung &#8211; so als ob es sich um eine objektive Reportage handeln w\u00fcrde. Weil dieses Format vermeintliche Sachlichkeit suggeriert, wiegt die unberechenbare Besserwisserei von Enzensberger umso peinlicher. Diesem urdeutschen N\u00f6rgler ist kaum etwas recht zu machen. W\u00e4re seine akademisch verbr\u00e4mte Kritik in ein Genre eingebunden, welches auf erkennbar subjektive Verfremdung bauen w\u00fcrde, w\u00e4ren die Berichte vermutlich unterhaltsam. Dass der Autor diese Kunst beherrscht, zeigt er im Epilog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier l\u00e4sst er einen amerikanischen Ex-GI zwanzig Jahre sp\u00e4ter das zuk\u00fcnftige Deutschland, Holland, Finnland, Rum\u00e4nien und die Tschechoslowakei bereisen. (Dass die Tschechoslowakei in ihre H\u00e4lften zerbrochen sein w\u00fcrde, konnte Enzensberger 1986\/87 nicht ahnen.) Skurrile Anekdoten, weitsichtige politische Entwicklungen wie die deutsche Wiedervereinigung, Absurdit\u00e4ten des Umweltschutzes, Weine als nostalgische Reliquien nach einem Reaktorunfall in der Region Bordeaux, Konsum-Entgleisungen im verarmten Sozialismus oder die introvertierte Flucht des amtsm\u00fcden europ\u00e4ischen Ratspr\u00e4sidenten. Das liest sich am\u00fcsant. So h\u00e4tten 500 Seiten gestaltet werden k\u00f6nnen. Ja: h\u00e4tten.\u00a0 <strong>Note: 4<\/strong> (ur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Suhrkamp Taschenbuch St 1690 1987 \u2013 501 Seiten \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sieben Reiseberichte und ein futuristischer Epilog. Die Berichte stellen eine lockere Sammlung von Reiseeindr\u00fccken dar, die in Schweden, Norwegen, Polen, Ungarn, Portugal, Spanien und Italien in den Jahren 1982-86 entstanden. 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