{"id":2079,"date":"2004-03-05T16:03:10","date_gmt":"2004-03-05T14:03:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2079"},"modified":"2025-02-28T16:04:20","modified_gmt":"2025-02-28T14:04:20","slug":"eva-marianne-frederiksson","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2079","title":{"rendered":"Eva &#8211; Marianne Frederiksson"},"content":{"rendered":"<p>Fischer Taschenbuch Verlag 2001 (1980) \u2013 189 Seiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;<em>Eva <\/em>ist die Geschichte einer Frau, die sich entschlossen auf den Weg der Erkenntnis macht. Wo sind die Urspr\u00fcnge von Schuld und Schuldbewusstsein, von Empathie und Ignoranz? Wo der Grenzbereich zwischen Natur und Kultur? Getrieben wird der Aufbruch von Evas Verzweiflung \u00fcber den Brudermord unter ihren Kindern. Es ist auch ein Weg der Selbstfindung. Ein Weg durch eine bedrohliche Wildnis zu den Kindheitsurspr\u00fcngen. Es wird ein Aufbruch mit zerm\u00fcrbenden Fragen um Schuldzuweisungen zu \u00fcberwinden. Es ist auch die Tortur einer Schmerz befreienden Emanzipation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eingebettet ist diese seelisch-rationale Entwicklungsreise in das biblische Szenario der Vertreibung aus dem Paradies und folgenden Episoden der christlichen Urgeschichte. Nur dass viele Elemente der Bibel von der Autorin ins Gegenteil verkehrt werden. Die Frau ist nicht Ursprung der Schuld, sondern Anfang der geistigen Befreiung und damit der Menschwerdung. Das Paradies nicht paradiesisch, sondern satanisch-brutal. Der Mann nicht der Quell der Erkenntnis. Er ist nicht der Gemeinschaft-Gestaltende, sondern ein von Zank, Zweifel und Zaudern blockierter Egomane.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Ausgangspunkt des Plots stellt der Brudermord von Kain an Abel dar, der Eva als Mutter beider S\u00f6hne verzweifeln l\u00e4sst. In der Erwartung, in ihrer eigenen Kindheit Antworten und Trost zu finden, macht Eva sich allein auf die gef\u00e4hrliche Wanderung zur\u00fcck in die Region, in der sie gro\u00df geworden war. Auf B\u00e4umen versteckt, beobachtet sie ihre alte Horde, in der alle Mitglieder ohne Identit\u00e4tsbewusstsein wie in einem Einheitsk\u00f6rper leben. Terrorisiert von einem brutalen Anf\u00fchrer. Vergewaltigungen, koitale Orgien und das Fehlen jeder Achtung voreinander charakterisieren die Horde als animalische Herde. Den Hordenmenschen fehlt die Sprache und das Zeitgef\u00fchl. Sie leben ausschlie\u00dflich im Hier und Jetzt. Haben keine Erinnerung an das Gestern und kennen deshalb auch keine Schuld f\u00fcr Getanes. Sie f\u00fcrchten sich nicht vor der Zukunft und sind deshalb voller naivem \u00dcbermutes. Tod und Verlust sind ihnen unverst\u00e4ndlich. Tote sind augenblicklich vergessen. In dieser Beobachtung findet Eva die tr\u00f6stende Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Naive im Brudermord. Offensichtlich trug Kain noch Z\u00fcge dieses Urverhaltens in sich. Damit k\u00f6nne ihm kein Vorsatz unterstellt werden und \u00fcber ihn kein Schuldspruch gef\u00e4llt werden. Kain trage die satanischen Z\u00fcge des Hordenf\u00fchrers in sich. Der Mann \u2013 das Tier \u2013 die Gewalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entgegen den g\u00e4ngigen Verhaltensmustern hatte Evas Mutter ihre Tochter nicht der Horde \u00fcberlassen. Heimlich brachte die Mutter Eva die nur von ihr beherrschte Sprache und ein darin vermitteltes Wissen bei. Auch die junge Eva wurde vergewaltigt. Sie war zu jung, um das neugeborene M\u00e4dchen zu stillen. Die Horde entsorgte darauf das tote Baby im Moor. Die traumatische Erfahrung wurde zum Ausgangspunkt eines verzweifelten Befreiungsversuchs und f\u00fchrte die Mutter und Eva zu einem Eremiten. Es sollte der Ort werden, an dem Eva dem Schamanenlehrling Adam begegnete. Eva und Adam setzten die Flucht gemeinsam fort und begannen ein neues, anderes Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg zur\u00fcck von diesem Erkenntnispfad, wird Eva von Hirten gepflegt. Das Hirtenvolk verf\u00fcgt \u00fcber einen \u00e4hnlich fortgeschrittenen Entwicklungsgrad wie sie. Entsprechend kann die Menschwerdung des letzten Kapitels der Sch\u00f6pfung nicht einmalig gewesen sein. Paradiese \/ Horden \/ Vertreibungen m\u00fcssen sich hundertfach wiederholt haben. In Fredrikssons Neusch\u00f6pfung erscheinen Verweise auf einen himmlischen Gott vermehrt als Anklagen. Gott beschr\u00e4nke sich darauf, die Gl\u00e4ubigen bevorzugt in Seelenn\u00f6te zu treiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Sprachlich bietet das Werk wenig. Evas Seelenreise rotiert zu h\u00e4ufig um die gleichen Wegmarken. Der Entwicklungsstrang f\u00e4llt letztlich d\u00fcrftig aus. Abgesehen vom ersten Drittel des Werkes mit den prinzipiellen Gedanken zur Menschwerdung durch das Erkennen von Zeit, ist diese Mitteilungsprosa eher der Trivialliteratur zuzuordnen. Der gesellschaftliche Impetus der nachinterpretierten Frauenemanzipation gl\u00e4ttet diese Wogen nicht.\u00a0 <strong>Note: 3\/4<\/strong> (ur)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fischer Taschenbuch Verlag 2001 (1980) \u2013 189 Seiten &gt;&gt;Eva ist die Geschichte einer Frau, die sich entschlossen auf den Weg der Erkenntnis macht. Wo sind die Urspr\u00fcnge von Schuld und Schuldbewusstsein, von Empathie und Ignoranz? 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