{"id":2046,"date":"2000-04-29T15:10:03","date_gmt":"2000-04-29T13:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2046"},"modified":"2025-02-28T15:10:38","modified_gmt":"2025-02-28T13:10:38","slug":"alberta-empfaengt-einen-liebhaber-birgit-vanderbeke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=2046","title":{"rendered":"Alberta empf\u00e4ngt einen Liebhaber &#8211; Birgit Vanderbeke"},"content":{"rendered":"<p>Alexander Fest Verlag \u00a0(1997) \u2013 117 Seiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Das Werk behandelt die Traurigkeit in einer gl\u00fccklosen Beziehung zwischen Alberta und ihrem Jugendfreund Nadan. Es ist eine toxische On-Off Liaison. Literarisch schon oft abgehandelt. Der Kunstgewinn im Teil I ohne \u00dcberraschungen. Im Teil II jedoch die Wende, als die Erz\u00e4hlung der Hauptprotagonistin endet, und die Autorin pers\u00f6nlich auftritt. Sie problematisiert das Verfassen dieses Romans im Kontext ihrer gerade gelebten Ehe. Ein Ineinandergleiten der fiktiven und vermeintlich realen Ebene zeichnet sich ab. Und damit versprechen die Beziehungsinhalte literarisch zu fusionieren. Ist das gelungen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alberta und Nadan f\u00fchlen sich periodisch angezogen ohne jedoch wirklich zueinander zu finden. Wie eine Sucht mit \u00fcberwunden geglaubten R\u00fcckf\u00e4llen kommen sie nicht voneinander los, wobei sie nichts als Intoleranz, Egoismen und Schweigen verbindet. Die Kraft und der Motor der Sucht bleiben unverstanden. Als Jugendliche f\u00e4llt der erste nicht stattfindende Kuss einem Urschweigen zum Opfer. Als Mittzwanziger scheitert ein gemeinsamer Ausrei\u00dfversuch an ihrer beidseitigen Beziehungsunf\u00e4higkeit. Sein Zahnputzgurgelger\u00e4usch reicht, um all ihre Zuneigung zu l\u00f6schen. Im Gegenzug verf\u00e4llt er in isolierende Migr\u00e4ne, so dass ein Urlaub schon im ersten Autobahnhotel verebbt. Als Erwachsene &#8211; nach ihrem Aufenthalt als Studentin in Lyon und seinem Exkurs als Astrophysiker in die USA &#8211; h\u00e4lt er f\u00fcr sie ein Familienhaus parat, das nat\u00fcrlich nie ihre gemeinsame Heimat wird. Irgendwann wird sie von ihm schwanger. Er l\u00e4sst sie sitzen. Sie treibt ab. Auch wenn ihre Ablehnung an dieser Stelle verst\u00e4ndlich wird, bleibt unklar, wodurch ihre gleichzeitige Anziehung gespeist wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte versandet \u2013 als Leser sp\u00fcrt man nur das Knirschen zwischen den Z\u00e4hnen, nicht aber den bitteren Geschmack der pathologischen Zweisamkeit. Dabei h\u00e4tte aus der interessanten Konstruktion des Plots etwas werden k\u00f6nnen. W\u00e4hrend im ersten Kapitel in der Ich-Form Albertas Geschichte erz\u00e4hlt wird, f\u00fchrt sich im zweiten Kapitel die Autorin selbst ein, um mit ihrem desinteressierten Gatten Jean-Phillip die Fortsetzung des Romans zu diskutieren. Dieses literarische Arrangement b\u00f6te die M\u00f6glichkeit, die Beziehungsprobleme im Wechselspiel zu beleuchten und im Kr\u00e4ftespiel zwischen Vanderbeke und Jean-Phillip Antworten mit dramaturgischer Eigendynamik zu entwickeln. Leider bleibt der Ansatz auff\u00e4llig oberfl\u00e4chlich. Es ist nicht erkennbar, was der Jean-Phillip-Exkurs letztlich beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Fazit: es gibt nichts Schwierigeres als Beziehungen. Paralysierendes Schweigen ist ihr wichtigstes Merkmal. Eine tr\u00fcbe Vision in einer hier mitunter erm\u00fcdenden Version.\u00a0 <strong>Note: 3\/4<\/strong> (ur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander Fest Verlag \u00a0(1997) \u2013 117 Seiten &gt;&gt;Das Werk behandelt die Traurigkeit in einer gl\u00fccklosen Beziehung zwischen Alberta und ihrem Jugendfreund Nadan. Es ist eine toxische On-Off Liaison. Literarisch schon oft abgehandelt. Der Kunstgewinn im Teil I ohne \u00dcberraschungen. 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