{"id":1973,"date":"2004-10-01T11:56:26","date_gmt":"2004-10-01T09:56:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1973"},"modified":"2025-02-28T16:07:59","modified_gmt":"2025-02-28T14:07:59","slug":"die-schwalben-von-kabul-yasmina-khadra","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1973","title":{"rendered":"Die Schwalben von Kabul &#8211; Yasmina Khadra"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2008\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/K1024_Die-Schwalben-von-Kabul-180x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/K1024_Die-Schwalben-von-Kabul-180x300.jpg 180w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/K1024_Die-Schwalben-von-Kabul-614x1024.jpg 614w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/K1024_Die-Schwalben-von-Kabul.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/>Aufbau Verlag \u2013 158 Seiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei sehr unterschiedliche Paare, deren Schicksalswege sich an einem tragischen Punkt fl\u00fcchtig kreuzen. Atiq ist w\u00fcrdelose Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter, von zwei Jahrzehnten afghanischem Krieg verh\u00e4rmt. Ebenso lange verheiratet mit Mussarat, die inzwischen wegen einer schweren Bluterkrankung dem Tode nahe ist. Die starken Schmerzen und das sich steigernde Leid widern Atiq an. Immer \u00f6fter fl\u00fcchtet er sich in sein Gef\u00e4ngnis oder zu den wenigen Freunden. Einer diesen alten Haudegen dr\u00e4ngt ihn, seine todkranke Frau fortzujagen. Ihr schmachvoller Anblick w\u00fcrde die W\u00fcrde eines Ehemannes verletzen. Atiq z\u00f6gert. Mussarat war es doch, die ihm zu Beginn ihrer Liebe in einem Kugelhagel das Leben rettete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einem anderen Ort Kabuls leben Mohsen und seine wundersch\u00f6ne Gattin Zunaira. Beide sind Intellektuelle. Er wollte Diplomat, sie Anw\u00e4ltin werden. Doch die Zerst\u00f6rungen des Krieges und die nachfolgende Taliban Herrschaft haben ihnen nicht nur Hab und Gut, sondern auch Freunde und jegliche berufliche Perspektive genommen. Das bis dahin noch gef\u00fchlvolle Miteinander der beiden nimmt in dem Moment schwersten Schaden, in dem Mohsen wie im Wahn und von einer Massenhysterie ergriffen an der Steinigung einer Frau teilnimmt. Zunaira kann ihr Entsetzen dr\u00fcber nicht verwinden. Jetzt beteiligt sich sogar der letzte ihr verbliebende Mensch am grausamsten Akt der Unmenschlichkeit. Schon immer war ihr die Unterdr\u00fcckung der Frau durch das religi\u00f6s-fanatische Taliban Regime unertr\u00e4glich. Eingekerkert unter dem Totalschleier <em>Tschadri<\/em> wird ihr wie allen anderen Frauen das Gesicht geraubt, die Ehre atomisiert. Lange Zeit bleiben die Eheleute entzweit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst nach z\u00e4hem Bem\u00fchen gelingt es Mohsen, seine Frau wenigsten zu einem gemeinsamen Spaziergang zu bewegen. Diese Schritte sind es jedoch, die sein Ende einleiten. Taliban zwingen Mohsen einer Hetzpredigt beizuwohnen, w\u00e4hrend Zumaira in der Gluthitze vor der Moschee stundenlang ausharren muss. Zuhause folgt unter den Eheleuten der Streit. Bei den Handgreiflichkeiten st\u00fcrzt Mohsen so ungl\u00fccklich, dass er zu Tode kommt. Zumaira wird in der Folge sofort zum Tode verurteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Atiq ihr im Gef\u00e4ngnis begegnet, wird er augenblicklich von ihrer unbeschreiblichen Sch\u00f6nheit in Bann geschlagen. \u00dcberw\u00e4ltigt von ihrer Ausstrahlung, vergisst er sich und bietet an, sie freizulassen. Doch sie lehnt ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gespr\u00e4ch mit seiner Frau bekennt Atiq sich zu seinen \u00fcberraschenden Empfindungen. Von dem Umstand, dass ihr sonst so gef\u00fchlloser Ehemann doch noch Liebe und Ergriffenheit empfinden kann, ist Mussarat zutiefst ber\u00fchrt. In Anbetracht ihres nahenden Todes bietet sie an, an Stelle der Verurteilten aus dem Leben zu scheiden. Nur so k\u00f6nnte Atiq mit der Angebeteten ein neues, ihm zustehendes Leben beginnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Hoffnung auf ein gemeinsames Leben t\u00e4uscht Atiq Zumaira einen angeblichen Freispruch vor. Als sie das Gef\u00e4ngnis verl\u00e4sst, schl\u00fcpft Mussarat unter den <em>Tschari<\/em>. Unkenntlich gemacht durch den Schleier wird sie wenig sp\u00e4ter bei einem gro\u00dfen Volksspektakel laut Urteil erschossen. Durch einen ungl\u00fccklichen Zufall wird die verh\u00fcllte Zumaira gezwungen, der Hinrichtung beizuwohnen. Als Atiq vergeblich versucht, in den Menschenmassen Zumaira zu finden, ger\u00e4t er in v\u00f6llige Verzweiflung und entbl\u00f6\u00dft verschleierte Frauen. Die aufgebrachten Massen sind entsetzt und lynchen ihn prompt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein aufw\u00fchlender Roman, der die schicksalhafte Verrohung der Seelen zeigt. Die Menschen Kabuls sind haltlos. Nekrotisch geworden von den Schrecken der vorangegangenen Besetzung durch die Sowjets, der erniedrigenden Rollenverteilung des Islam und dem grausamen Fanatismus der Taliban. Schon dem Verfall anheim gegeben, laben sie sich an den Qualen anderer. Ja, f\u00fchlen sich durch Glaubenss\u00e4tze, die ihnen eingeh\u00e4mmert wurden, dazu berufen. Ausgenommen davon sind <em>Die Schwalben von Kabul<\/em>. Frauen, die das Reine bewahren, deren standhafte Ethik auch System-, Religions- oder M\u00e4nnergewalt letztlich nicht zu Fall bringen kann. Schwalben, die schon immer und jedes Jahr wieder kamen. Schwalben, die den Sommer ank\u00fcndigen und damit die lichte Zukunft. Frauen sind die Hoffnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der im Jahr 2000 nach Frankreich emigrierte Autor hatte zuvor aus Furcht vor Verfolgung unter dem Namen seiner Frau (Yasmina Khadra) B\u00fccher publiziert. Aus Respekt vor den Leistungen seiner Frau, blieb er auch im Exil bei dem Autorenpseudonym, dr\u00e4ngt aber darauf, dass sein wahrer Name ebenso erw\u00e4hnt wird. Den Europ\u00e4ern wirft er willk\u00fcrliche und unangemessene Bewertung fremder Kulturen und ihrer Exzesse vor. Mit dem vorliegenden Roman hofft er die westliche Erkenntnisf\u00e4higkeit zu steigern. Entsprechend sei dies Werk vor allem f\u00fcr ein franz\u00f6sisches Publikum geschrieben. Umso \u00fcberraschender scheint jedoch die befremdliche Inszenierung und Tongebung des Romans. Neben wenigen sprachlichen H\u00f6hepunkten, sind viele Dialoge auffallend gestelzt und peinlich unnat\u00fcrlich. Manche Passagen wirken befremdlich kitschig. Kulturdissonanzen. <strong>Note: 3\/4<\/strong> (ur)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufbau Verlag \u2013 158 Seiten &gt;&gt;Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei sehr unterschiedliche Paare, deren Schicksalswege sich an einem tragischen Punkt fl\u00fcchtig kreuzen. Atiq ist w\u00fcrdelose Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter, von zwei Jahrzehnten afghanischem Krieg verh\u00e4rmt. 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