{"id":1924,"date":"2024-06-07T17:21:59","date_gmt":"2024-06-07T15:21:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1924"},"modified":"2024-07-18T08:27:31","modified_gmt":"2024-07-18T06:27:31","slug":"um-uns-die-toten-bartholomaeus-grill","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1924","title":{"rendered":"Um uns die Toten &#8211; Bartholom\u00e4us Grill"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1925\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/K1024_Um-uns-die-Toten-204x300.jpg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/K1024_Um-uns-die-Toten-204x300.jpg 204w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/K1024_Um-uns-die-Toten-698x1024.jpg 698w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/K1024_Um-uns-die-Toten.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/> Siedler 2014 | 224 Seiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Bartholom\u00e4us Grill hatte wahrlich viele Begegnungen mit dem Tod. Gro\u00dfeltern, Eltern, Schulfreunde, die kleine Schwester, der Bruder, vor allem aber durch die vielen Jahre als Kriegsreporter bei den schlimmsten Schl\u00e4chtern in allen Regionen der Welt. Der tief verwurzelte katholische Glaube seiner oberbayrischen Heimat, in der der Tod und die Verdammnis, aber auch Hoffnung allgegenw\u00e4rtig sind, tut ein \u00dcbriges.<br \/>\nNach seiner ber\u00fchrenden Reportage in der ZEIT \u00fcber den selbstgew\u00e4hlten Tod seines krebskranken Bruders in der Schweiz hat ihn der Verlag offensichtlich zu diesem Buchprojekt angeregt, wie man der Danksagung entnehmen kann. Eine lohnenswerte Lekt\u00fcre, wenn auch die oberbayrische Pr\u00e4gung des Katholizismus etwas viel Raum einnimmt. Beeindruckend das Streitgespr\u00e4ch mit dem Moraltheologen Spaemann \u00fcber den Freitod. Wie sich Grill zwischen der These: \u201eDenke an nichts so oft wie den Tod\u201c (Seneca) und der Antithese: \u201eEin freier Mensch verschwendet keinen Gedanken an den Tod\u201c (Spinoza) entscheidet, bleibt offen. Vielleicht gibt es eine Synthese. <strong>Note: 2 \u2013<\/strong> (\u00fcn)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;\u00a0 Grills eindrucksvolle\u00a0 Begegnungen mit dem Tod sind auch Auseinandersetzung mit den eigenen Erinnerungen. Die eigene Kindheit (gl\u00fccklicherweise frei vom Unterwerfungsritual religi\u00f6ser Dogmen)\u00a0 Abschied von Gro\u00dfeltern, Pubert\u00e4t (Film Massenmord Auschwitz), vor allem Grenz- und Todeserfahrungen w\u00e4hrend der Studentenzeit (Existenzialismuspose, Revolutionsromantik, auch Verirrungen und Verwirrungen), Abschied von Eltern und j\u00fcngst von wichtigen Freunden und Freundinnen. Vor allem wenn Grill im doppelten Sinne in der N\u00e4he bleibt (Familie, die Libeth- Rosalie-Episode etc.), nimmt er den Leser mit . Seine Erfahrungen als Auslandskorrespondent \u00fcber die Massenmorde und Massensterben bringen angesichts der vielfach bekannten traurigen Fakten wenig Erkenntnisgewinn und ber\u00fchren nur dann, wenn aus dem Kollektiv der Bestialit\u00e4t das Einzelschicksal sichtbar wird. F\u00fcr mich zentral ist Urbans \u201eassistierter Freitod\u201c und die Auseinandersetzung mit Robert Spaemann, ein Dialog auf Augenh\u00f6he und hohem Niveau, im Ergebnis offen. Anders als bei Grill in seinem Schlusskapitel bestimmt meine innere Vorstellung des Reichs der Toten keine Winterlandschaft. Mein Wunsch ist ein W\u00e4rmestrom von Erinnerung.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <strong>Note: 1,5<\/strong> (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Verglichen mit dem Autor habe ich in meinem bisherigen Leben deutlich weniger Begegnungen mit\u00a0 Sterbenden und Toten erlebt. Habe ich Gl\u00fcck gehabt?<br \/>\nAuch nach l\u00e4ngerem Nachdenken f\u00e4llt mir \u201enur\u201c der Tod meiner Gro\u00dfmutter Kreszentia im Fr\u00fchsommer 1964 ein, in deren Haus wir wohnten. Die ganze Familie stand betend um ihr Bett, ein Pfarrer brachte die \u201eLetzte \u00d6lung\u201c (heute freundlicher Krankensalbung genannt). Die Pausen zwischen den gequ\u00e4lten Atemz\u00fcgen wurden immer l\u00e4nger\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Argumentation des Moraltheologen Robert Spaemann finde ich unbarmherzig.Die Interpretation des Liedes vom \u201eMajor Tom\u201c durch den Autor ist etwas daneben. Hingegen sein Satz \u201eWir Journalisten sind fehlbar\u201c: einfach gro\u00dfartig. Vergleichbares liest man sehr selten.<br \/>\nEin beeindruckendes Buch, das mich mehr als andere B\u00fccher bewegte und Gef\u00fchle ausl\u00f6ste, die ich schwer in angemessene Worte fassen kann. <strong>Note: 1,5<\/strong> (ax)&lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siedler 2014 | 224 Seiten &gt;&gt;Bartholom\u00e4us Grill hatte wahrlich viele Begegnungen mit dem Tod. 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