{"id":188,"date":"2005-02-19T18:21:13","date_gmt":"2005-02-19T16:21:13","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=188"},"modified":"2023-11-22T18:30:10","modified_gmt":"2023-11-22T16:30:10","slug":"lars-gustafson-der-dekan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=188","title":{"rendered":"Der Dekan &#8211; Lars Gustafson"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_Der_Dekan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-190\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_Der_Dekan-203x300.jpg\" alt=\"K640_Der_Dekan\" width=\"203\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_Der_Dekan-203x300.jpg 203w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_Der_Dekan.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/a><em><strong>Hauser Verlag 2003 \u2013 189 Seiten<\/strong><\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Spencer war Nachwuchsprofessor in Austin. Zur \u00dcberraschung aller pflegte der leitende Dekan Chapman zu Spencer eine unverstandene Affinit\u00e4t und ernannte ihn zum Prodekan. Fortan war er die rechte Hand des M\u00e4chtigen, der seit dem Vietnam Krieg an den Rollstuhl gefesselt war. Die Geschichte wird als lose Blatt-Sammlung vorgestellt, gefunden im Auto des spurlos verschwundenen Spencer, dessen l\u00fcckenhaften Notizen die letzten zwei Jahre \u00fcberspannen bis er sich unvermittelt in die menschenleere W\u00fcste Texas\u00b4 zur\u00fcckzog um die \u201eFragen hinter mir zu lassen\u201c. Was war passiert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spencer schien die Rolle des akademischen Kummerkastens im Umfeld des Dekans zugewiesen worden zu sein, die er geduldig annahm. Der Dekan \u00fcberh\u00e4ufte Spencer mit \u00fcberzogenen, selten philosophischen, oft sarkastischen Monologen. Als Vietnam Veteran war der Dekan nicht nur k\u00f6rperlich vom Krieg gezeichnet. Auch seelisch ramponiert schwankte er zwischen nihilistischer Ablehnung, politischer Verurteilung und draufg\u00e4ngerischer Gro\u00dfspurigkeit. Zahllose Leichen pflasterten seine Flugrouten als Hubschrauber Kommandant. F\u00fcr seine Querschnittsl\u00e4hmung machte er einen Verr\u00e4ter aus, der prompt liquidiert wurde.<br \/>\nVielleicht war es diese Tat oder das vorausgegangene Massaker, welches den Reporter Smith auf den Plan rief. Smith setzte sich hartn\u00e4ckig auf die Spur des Dekan, um nach all den Jahren die Wahrheit f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung zu recherchieren. Im Dekan wurden alte Kampfreflexe wach. Seinem Adlatus Spencer bot er einen verschwiegenen Tausch an: Leiche gegen Leiche \u2013 zwei M\u00e4nner helfen einander mit Morden. Ohne dass der Text tats\u00e4chlich Klarheit schafft, scheint Spencer Smith sp\u00e4ter zu erschie\u00dfen, w\u00e4hrend der Dekan f\u00fcr Spencer dessen Nebenbuhler Derek beseitigte. Derek war wohlhabender Cousin von Spencer und neuer Lebensgef\u00e4hrte von Spencers Freundin Mary Elisabeth. Derek tauchte am Ende von einer seiner Dienstreisen nie wieder auf ohne dass sein Leichnam je gefunden wurde.<br \/>\nZahlreiche Handlungsstr\u00e4nge offenbaren sich dem Leser nur als vage Ahnung bis hin zur ultimativen Frage, ob Spencer am Ende nicht sogar den Dekan umbrachte, da diesem Spencers Geheimnis vertraut war \u2013sofern es dieses Geheimnis \u00fcberhaupt gab. Auch hier bleiben Tat, Opfer und T\u00e4ter bewusst im literarischen Nebel verh\u00fcllt. Hat Spencer sich nicht wie der faustische Fussballtrainer dem Teufel verschrieben um jedes Spiel zu gewinnen \u2013 so wie es seine Freundin Mary Elisabeth in einem neuen Drama inszenieren wollte? Entledigte Spencer sich am Ende des Teufels in Person des Dekans im Versuch seine Seele zur\u00fcck zu gewinnen und verlief sich damit aber am Ende auf der Flucht vor sich selbst: \u201eeine Person Spencer Spencer hat es nie gegeben\u201c lesen wir in seinen Aufzeichnungen. Mit Spencers vermuteten Selbstmord d\u00fcrfte der suggerierte Leichenberg auf f\u00fcnf angewachsen sein: zwischenzeitlich ein erh\u00e4ngter Verwaltungschef, Smith, Derek, der Dekan und Spencer. Eine gewisse Raffinesse liegt in der verschl\u00fcsselten literarischen Wegf\u00fchrung, die letztlich offen l\u00e4sst, ob es \u00fcberhaupt Tote gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob die als Krimi anmutende Prosa inhaltlichen Tiefgang beinhaltet, darf vermutet werden etwa beim leichtfertigen Umgang des Dekans mit Leben und Leben nehmen. Dennoch bleibt der Roman ein bem\u00fchter Zellkasten teils unzusammenh\u00e4ngender Episoden und Gedankenspr\u00fcnge, denen der rote Faden zu oft abhanden kommt. <strong>Note: <\/strong>3\/4 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hauser Verlag 2003 \u2013 189 Seiten. &gt;&gt;Spencer war Nachwuchsprofessor in Austin. Zur \u00dcberraschung aller pflegte der leitende Dekan Chapman zu Spencer eine unverstandene Affinit\u00e4t und ernannte ihn zum Prodekan. 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