{"id":1821,"date":"2003-09-22T18:09:54","date_gmt":"2003-09-22T16:09:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1821"},"modified":"2023-11-22T18:25:52","modified_gmt":"2023-11-22T16:25:52","slug":"sommerhaus-spaeter-judith-hermann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1821","title":{"rendered":"Sommerhaus, sp\u00e4ter &#8211; Judith Hermann"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1832\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/K1024_Sommerhaus-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/K1024_Sommerhaus-189x300.jpg 189w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/K1024_Sommerhaus-646x1024.jpg 646w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/K1024_Sommerhaus.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/>Collection S Fischer, 1998 |188 Seiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Neun Erz\u00e4hlungen deutscher Bohemians und Menschen, die einem entleerten Leben fr\u00f6nen oder sich verloren haben. Im Ich verfangen driften die Menschen dahin. Von Drogen oder Interessenlosigkeit angef\u00fcllt, kommt ihnen vereinzelt ihre Einsamkeit zu Bewusstsein. Die Versuche, menschliche N\u00e4he zu finden, scheitern durchweg an Missverst\u00e4ndnissen, Angst oder ungl\u00fccklichen Umst\u00e4nden. Manche Erz\u00e4hlungen sind von Stillstand gepr\u00e4gt. Andere beschreiben eindr\u00fccklich die inneren Konflikte und machen die wiederkehrende Beziehungslosigkeit schmerzhaft sp\u00fcrbar. Auch wenn die Themen ern\u00fcchternd sind, so sind sie doch h\u00e4ufig eindr\u00fccklich in Szene gesetzt. Hierin liegt die St\u00e4rke des Werkes.<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Das Einleitungskapitel \u201eRote Korallen\u201c setzt zwei Frauengestalten (Gro\u00dfmutter und erwachsene Enkelin) in Beziehung zueinander. W\u00e4hrend f\u00fcr die Gro\u00dfmutter eine Korallenkette das gelebte Symbol einer verflossenen Liebe und stillen Befreiung aus der russischen Einsamkeit ist, wird dieselbe Kette f\u00fcr die Enkelin zum Zeichen von Verlusten einschlie\u00dflich des Liebhabers.<\/li>\n<li>Mit krasser Intensit\u00e4t wird in \u201eEnde von Etwas\u201c die seelische Verst\u00fcmmelung einer bettl\u00e4gerigen Alkoholikerin beschrieben, deren Lebensabkehr sich in immer neuen Gemeinheiten bis hin zum telefonisch inszenierten Selbstmord steigert.<\/li>\n<li>Von feinf\u00fchliger Intensit\u00e4t ist die Geschichte \u201eHunter-Tompson-Musik\u201c. Ein Senior lebt in bescheidenen Ritualen in einem New Yorker Seniorenhotel weitgehend isoliert. Die Begegnung mit einer jungen Frau verfl\u00fcchtigt sich schmerzhaft. Illusionen verwehen. Sein Verlangen nach menschlicher N\u00e4he ersch\u00f6pft sich in dem ergreifenden Geschenk einer f\u00fcr ihn zum wichtigsten Ritual gewordenen Musik an die junge Frau.<\/li>\n<li>In \u201eSommerhaus, sp\u00e4ter\u201c versucht ein Taxifahrer \u00fcber Jahre einen hilflosen Kontakt zu einer Christiane aufzubauen, was in dem ruin\u00f6sen Erwerb eines verfallenden Sommerhauses f\u00fcr sie gipfelt. Ihre Anteilnahme, als das Haus Brandstiftung zum Opfer f\u00e4llt, ersch\u00f6pft sich in dem lapidaren Seufzer: \u201e<em>Sp\u00e4ter<\/em>.\u201c<\/li>\n<li>\u201eCamera obscura\u201c stellt eine Marie als eine nach sexuellen Exzessen gierende Frau vor, die einen sie ekelnden Lilliputaner anbaggert. Er ist Videok\u00fcnstler, der ihren ungleichen Sex online aufzeichnet.<\/li>\n<li>Die \u201eBali-Frau\u201c scheint erotischer Direktimport eines gierigen Regisseurs zu sein. In unmenschlichen Reflexen spult sie Blondinenwitz als Herzst\u00fcck deutscher Kultur ab.<\/li>\n<li>\u201eSonja\u201c umgibt mystisch Hexenhaftes, als sie einen Mann verzaubert. Geradezu s\u00fcchtig folgt er ihr in platonischer Liebe. Als sie trotz bleibender Distanz eine sp\u00e4tere Heirat mit ihm einfordert, fl\u00fcchtet er in eine andere Ehe.<\/li>\n<li>\u201eDiesseits der Oder\u201c und<\/li>\n<li>\u201eHurrikan\u201c sind Erz\u00e4hlungen des Stillstandes. Ein ins Berliner Umland zur\u00fcckgezogener Schriftsteller und ein in die Karibik ausgewanderter Altlinker stehen hilflos vor ihren Besuchern, die ebenso wenig alte Verbundenheit neu beleben k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn dem Leser gelingt, sich durch den seelischen Grauschleier der Erz\u00e4hlungen fortzubewegen, wird er die teils gekonnte Einheit von Inhalt und Form entdecken. Der niederdr\u00fcckende Tenor des Buches bleibt aber dominierend.\u00a0<strong> Note: 2\u2013<\/strong> (ur) &lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Collection S Fischer, 1998 |188 Seiten &gt;&gt; \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Neun Erz\u00e4hlungen deutscher Bohemians und Menschen, die einem entleerten Leben fr\u00f6nen oder sich verloren haben. Im Ich verfangen driften die Menschen dahin. 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