{"id":174,"date":"2003-02-07T17:56:02","date_gmt":"2003-02-07T15:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=174"},"modified":"2023-11-22T18:28:56","modified_gmt":"2023-11-22T16:28:56","slug":"zsuzsa-bank-der-schwimmer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=174","title":{"rendered":"Der Schwimmer &#8211; Zsuzsa Bank"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_Der-Schwimmer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-176\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_Der-Schwimmer-195x300.jpg\" alt=\"K640_Der Schwimmer\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_Der-Schwimmer-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_Der-Schwimmer.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a>Fischer Verlag 2002,\u00a0 285 Seiten.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Nach dem wortlosen Abschied und der v\u00f6llig \u00fcberraschenden Flucht der Mutter bleiben Vater Kalman, Sohn Isti (6?) und Tochter Katalin (8?) auf dem \u00e4rmlichen Lande in Ungarn zur\u00fcck. Die betont eigenbr\u00f6tlerische Art des Vaters verdichtet sich darauf zu einer depressiven Unruhe und f\u00fchrt zu einer ein ganzes Jahrzehnt dauernden Odyssee zwischen zuf\u00e4llig gew\u00e4hlten Fixpunkten bei Verwandten und Freunden. Auf der Flucht vor sich selbst bleibt der Vater in nur selten unterbrochener Gem\u00fctsschwere in sich gefangen und damit unerreichbar f\u00fcr die Kinder. Beginnend mit dem unerkl\u00e4rlichen Verlust der Mutter werden Isti und Katalin auf einen Leidensweg des immer wiederkehrenden Abschiednehmens verpflichtet. Alle hinterlassenen Steine und Spuren sowie das Auswendiglernen von Zugfahrpl\u00e4nen, die ihnen den Anschluss an die vermisste Heimat suggerieren, bleiben nur Spuren im Wasser, die der Wind und die Str\u00f6mung sofort verwischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wasser ist das ambivalente Element des Romans. Das melancholische, l\u00e4hmende in sich Zusammensinken des Vaters nennen die Kinder \u201etauchen\u201c, wie wenn der Vater in den Fluten versinke. Tats\u00e4chlich versinkt am Ende des Buches der kleine Isti in den vereisten Fluten eines Flusses und stirbt. Dennoch bleibt das Wasser im Laufe der Irrfahrten der einzige Raum, der Vater und Sohn Momente der Leichtigkeit und unb\u00e4ndigen Freude gibt. Beide teilen nicht nur diese Leidenschaft, sondern auch den krankhaft depressiven Hang, der bei Isti in psychischen St\u00f6rungen und \u00fcbersinnlichen Wahrnehmungen erkennbar wird. So wie die Geschichte von Katalin erz\u00e4hlt wird, stellt Isti die eigentliche Hauptperson dar: ein kleiner, kr\u00e4nklicher Junge, der wie sein Vater ins Schwimmen ger\u00e4t und der halluzinierten Stimme seiner Mutter auf den t\u00f6dlichen Eisschollen folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zsuzsa Bauch f\u00fchrt durch eine ungarische Gesellschaft, die von \u00e4rmlichen Kleinfamilien mit autorit\u00e4ren, letztlich wenig lebenstauglichen M\u00e4nnern gepr\u00e4gt wird. Frauen sind selten verschroben, eher leidend wie Mutter Katalin oder aber die Lebensretter und Bewahrer wie Zsofi, Anna und Virag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedes Kapitel ist einer Person gewidmet (was gelegentlich unpassend wirkt) und mit Psychogrammen, Lebenshintergr\u00fcnden, Banalit\u00e4ten und Anekdoten angereichert wie etwa, dass Agi ihrem geisteskranken Mann eine Glocke an den Zeh bindet um nachts verfolgen zu k\u00f6nnen, ob er aufsteht. Gelegentlich wird jedoch morgens vergessen, die Glocke zu entfernen, worauf auch tags\u00fcber ein feiner Glockenklang in den Weinbergen schwebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte bewegt sich in sehr ruhigen Bahnen, selten unterbrochen von aufkeimender Spannung wie bei der Flucht von Katalin 1956 nach Deutschland. \u00dcber allem liegt eine gewisse Monotonie und ein seelischer Grauschleier. Umso \u00fcberraschender, dass die feinf\u00fchlige Sprache mit ihrer erstaunlichen Klarheit den ged\u00e4mpften Inhalt zu einem literarischen Genuss werden l\u00e4sst. <strong>Note<\/strong>: 1\u2013 (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fischer Verlag 2002,\u00a0 285 Seiten. &gt;&gt;Nach dem wortlosen Abschied und der v\u00f6llig \u00fcberraschenden Flucht der Mutter bleiben Vater Kalman, Sohn Isti (6?) und Tochter Katalin (8?) auf dem \u00e4rmlichen Lande in Ungarn zur\u00fcck. 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