{"id":1733,"date":"2007-04-12T15:21:08","date_gmt":"2007-04-12T13:21:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1733"},"modified":"2023-02-12T15:29:53","modified_gmt":"2023-02-12T13:29:53","slug":"tag-und-nacht-und-auch-im-sommer-frank-mccourt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1733","title":{"rendered":"Tag und Nacht und auch im Sommer &#8211; Frank McCourt"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1739\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/K1024_Tag-und-Nacht-202x300.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/K1024_Tag-und-Nacht-202x300.jpg 202w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/K1024_Tag-und-Nacht-690x1024.jpg 690w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/K1024_Tag-und-Nacht.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/>Luchterhand 2005 \u2013 331 Seiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nach dem Weltbestseller <em>Die Asche meiner Mutter<\/em> nun eine beruflich-psychologische Aufarbeitung. In einem autobiographischen Kurs f\u00fchrt FMcC durch seine p\u00e4dagogisch gepr\u00e4gten Lebensabschnitte. Der Autor spricht als f\u00fchlender Lehrer von mehr als 10.000 Sch\u00fclerInnen in \u00fcber 30 Jahren: <em>Tag und Nacht und auch im Sommer<\/em>. Von den Abgr\u00fcnden und Selbstzweifeln, den Fronten mit der vorgesetzten B\u00fcrokratie, unorthodoxen Lehrans\u00e4tzen, der Begeisterung gerade selbst das zu sein, was er ist und dem Glanz in den Augen zugewandter junger Menschen. Eine Prosa mit lebendigem Humor, \u00fcberzeugender Empathie und ber\u00fchrender Privatheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In den USA als Sohn verarmter, irischer Einwanderer geboren, kehrt die Familie von den amerikanischen Lebensumst\u00e4nden entt\u00e4uscht, nach Irland zur\u00fcck. Die Mutter zieht die Kinder alleine gro\u00df, bis FMcC als Halbw\u00fcchsiger erneut nach New York aufbricht. Die Erwartung, dort doch ein zutr\u00e4glicheres Leben zu finden, ist ungebrochen. In den harten, pr\u00e4genden Jahren als Hafenarbeiter und K\u00fcchenjunge reift der unbestimmte Wunsch, Lehrer zu werden. Der erste Versuch einer Lehrt\u00e4tigkeit als irischer K\u00fcchenjunge ist, kubanischen Leidensgenossen die Vokabeln der K\u00fcchenger\u00e4te beizubringen. Dann der Eintritt in die Armee. Der Wehrsold erm\u00f6glicht das Lehrerstudium. Mit M\u00fche qu\u00e4lt er sich durch die Pr\u00fcfungen, schafft mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg den Abschluss und verliert wiederholt den Kopf in Weibergeschichten. So narrt ihn eine ganze Zeit die attraktive June. June teilt das Bett mit ihm, leider aber auch mit dem gemeinsamen P\u00e4dagogik-Professor, mit dem sie das Unikum FMcC interessiert analysiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dauerhafter Begleiter aller Bem\u00fchungen sind die nagenden Selbstzweifel. Ire zu sein, ist ein Makel. P\u00f6belhaftes Wesen, Dummheit, Trunk- und Streitsucht sind verbreitete Urteile. Entsprechend schwer f\u00e4llt es, eine erste Anstellung zu finden. Auf dem <em>Kampffeld High School<\/em> greift FMcC intuitiv zu unorthodoxen Mitteln. Ein nach ihm geworfenes Pausenbrot isst er kurzerhand auf. Den l\u00e4sternden Sch\u00fclerbemerkungen \u00fcber irische Sexualit\u00e4t begegnet er mit dem ironischen Verweis auf die in Irland angeblich vorherrschende Sodomie. Die Sch\u00fcler sind gepl\u00e4ttet, der Rektor alarmiert. Die Elternschaft ruft nach Sanktionen. Die Motivation der Randgruppenkinder bleibt dennoch schwer zu entfachen, sein Fach Englisch ist f\u00fcr den Nachwuchs ein nicht enden wollendes \u00c4rgernis. Wie seine Kollegen notieren, verf\u00e4llt FMcC dem Kardinalfehler, sein Privatleben zum Unterrichtsthema zu machen. Auch wenn es den Sch\u00fclern auf diese Weise gelingt, den Unterricht auszuhebeln, gewinnt FMcC vereinzelt Sch\u00fclervertrauen. Dennoch bleiben die ersten zwei P\u00e4dagogenjahrzehnte m\u00fchsam. Konflikte mit den Vorgesetzten und die wiederkehrende Not, Autorit\u00e4ten \u00fcber sich zu dulden, f\u00fchren zu einem Vagabundendasein zwischen zahlreichen Schulen. Ein `Wanderpokal`, den keiner will. In einer zweij\u00e4hrigen Auszeit erhofft der Ausgelaugte sein Leben neu ausrichten zu k\u00f6nnen. Zur\u00fcck in Irland betritt er den umstrittenen Boden des elit\u00e4ren Trinity College. Trinity College \u2013 seit Jahrhunderten der Inbegriff protestantischer Machtaus\u00fcbung \u00fcber notleidende Katholiken wie FMcC. Der Doktorand verliert sich schnell auf akademischen Abwegen, in allzu vielen Trinkgelagen und zwischen bed\u00fcrftigen Weiberschenkeln. Es bleibt nur die R\u00fcckkehr nach New York, wo bald darauf seine Tochter zur Welt kommt. Die Ehe \u00fcberdauert jedoch wie so vieles in seinem Leben nur kurze Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Eine Lebenswende beginnt erst mit dem Einstieg in die <em>Stuyvesant High School<\/em>, ein Urquell f\u00fcr zahlreiche sp\u00e4tere Nobelpreistr\u00e4ger. Man l\u00e4sst ihm Spielraum. Gerade genug um aus diesem widerspenstigen Charakter ein H\u00f6chstma\u00df an Kreativit\u00e4t freizusetzen. Als Lehrer f\u00fcr <em>Creative Writing<\/em> l\u00e4sst er zur Begeisterung seiner Sch\u00fcler Kochrezepte vertont rezitieren und Restaurant-Reportagen formulieren. Ebenso werden die einfallsreichsten Entschuldigungsschreiben belohnt. W\u00e4hrend er fr\u00fcher ein Schuljahr als erfolgreich empfand, wenn es wenigstens gelang, das Wort <em>Kauderwelsch<\/em> verst\u00e4ndlich zu machen, wird er jetzt Jahr f\u00fcr Jahr mit einem begeisterungsf\u00e4higen Publikum belohnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auf vertr\u00e4gliche Art kokettiert FMcC mit seiner letztendlichen Beliebtheit. Nach all dem detailliert dargelegten Alltagsleid der fr\u00fchen Jahre sympathisiert der Leser mit dem Sisyphos-Aktivisten. Dies besonders, da er mit dem Motto \u201emea culpa\u201c im irischen Katholizismus gro\u00dfgezogen wurde. \u201eIch bin schuldig\u201c ist was die Seele kr\u00e4nkt, die Reifung unterbindet und das Ungl\u00fcck perpetuiert. FMcC hat diesen Schuldkomplex durch eine besonders lebenszugewandte Art entkr\u00e4ftet. Letztlich mit umwerfendem Erfolg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Lehrer ein Buch aus ihrem Herzen. F\u00fcr Nicht-Lehrer ein Reigen zeitweise wiederkehrender Anekdoten aus einem kr\u00e4ftezehrenden Schulalltag, in dem der biographische Lauf des Autors zu ertrinken drohte. Bek\u00f6mmliche Kost auch f\u00fcr literarische Diabetiker, humorvoll gew\u00fcrzt.\u00a0 <strong>Note:<\/strong> \u00a0\u00a0 2 (ur)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luchterhand 2005 \u2013 331 Seiten \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nach dem Weltbestseller Die Asche meiner Mutter nun eine beruflich-psychologische Aufarbeitung. In einem autobiographischen Kurs f\u00fchrt FMcC durch seine p\u00e4dagogisch gepr\u00e4gten Lebensabschnitte. 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