{"id":167,"date":"2003-11-14T17:40:08","date_gmt":"2003-11-14T15:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=167"},"modified":"2023-11-22T18:29:14","modified_gmt":"2023-11-22T16:29:14","slug":"antonio-skarmeta-mit-brennender-geduld","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=167","title":{"rendered":"Mit brennender Geduld &#8211; Antonio Sk\u00e1rmeta"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/geduld.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-169\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/geduld-187x300.jpg\" alt=\"geduld\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/geduld-187x300.jpg 187w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/geduld.jpg 555w\" sizes=\"(max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a>Piper 2000, 150 Seiten.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;In dem kleinen chilenischen K\u00fcstenort St. Antonio lebt in sp\u00e4tpubert\u00e4rer M\u00fcdigkeit Mario, der, gedr\u00e4ngt von seinem hart schaffenden Vater, sich widerwillig durchringt, eine Arbeit anzunehmen. Das einzige Angebot ist die schlecht bezahlte Stelle eines Brieftr\u00e4gers. Der einzig zu versorgende Kunde ist der ber\u00fchmte Nationaldichter Pablo Neruda im benachbarten Ort Isla Negra. Zwischen beiden entwickelt sich eine famili\u00e4re Vertrautheit, bei der der Poet seinem ihm ans Herz wachsenden Postboten Metaphern als Kleinod der Sprachkunst nahe bringt. Schon wenig sp\u00e4ter gelingt es Mario mit den feinf\u00fchligen Sprachbildern die bezaubernde Beatrix zu beeindrucken. Ihre Mutter, die konfliktstarke Witwe Gonzalez, versucht entschlossen Marios Liebeswerben um ihre 17-j\u00e4hrige Tochter abzuwehren. Entsprechend schreckt sie auch vor einem Drohbesuch bei Pablo Neruda nicht zur\u00fcck, als sie vermutet, dass es im Besonderen die zitierten Metaphern von Neruda sind, die Beatrix\u00b4s Herz erw\u00e4rmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Wahlsieg Allendes und der folgenden Jubelfeier sch\u00e4umt auch die Zuneigung zwischen den beiden jungen Leuten \u00fcber. Ein von Beatrix angeregtes erotisches Eierspiel, bei dem schon bald die runden Formen von Ei und K\u00f6rperw\u00f6lbungen nicht mehr auseinander zu halten sind, endet in der heftig ersehnten Vereinigung. Nat\u00fcrlich bleibt der Kindersegen nicht aus, worauf die lebensnahe Mutter Gonzales kurz entschlossen die Seite wechselt und die Hochzeit vorbereitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derweil nimmt der politische Gang seinen Lauf. Pablo Neruda wird Botschafter in Paris, kehrt bald krank zur\u00fcck, Allende wird gest\u00fcrzt und ermordet, Versorgungsengp\u00e4sse entzweien die Bev\u00f6lkerung und Putschisten \u00fcbernehmen schlie\u00dflich die Macht. Pablo Neruda stirbt. Mario wird als linker Dichter, der er mittlerweile in einer bescheidenen Art geworden ist, verhaftet.<br \/>\nDie Geschichte lebt von der \u00fcberraschenden Beziehung zwei ungleicher Hauptpersonen: dem legend\u00e4ren Dichter und dem namenlosen Postboten. Zum Bindeglied wird die Magie der Metapher. Die Methapher vermittelt in einer bildhaften \u00dcbertragung die Verbindung zwischen Kopf und Herz und schafft damit so etwas wie emotionale Erkenntnis. Dem anr\u00fchrenden Vater-Sohn-Paar (Neruda &#8211; Mario) steht das Mutter &#8211; Tochter Duo gegen\u00fcber. Wie Antipoden scheinen beide Gruppen im Widerstreit zu stehen (Mutter verteidigt Tochter gegen M\u00e4nner) bis auch hier die Kraft der Metapher letztlich Gl\u00fcck stiftet. Das Sprachelement begleitet den Verlauf der Handlung und f\u00fchrt schlie\u00dflich zum Titel des Buches als Pablo Neruda den Nobelpreis erh\u00e4lt und in seiner Dankesrede die metaphorische Wendung des franz\u00f6sischen Dichters Rimbaud ins Rampenlicht r\u00fcckt: \u201e&#8230;werden wir bewaffnet mit\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">brennender Geduld<\/span>, die strahlenden St\u00e4dte betreten\u201c, was sowohl poetisch wie politisch interpretiert werden darf \u2013 vor allem in Zeiten der revolution\u00e4ren Unruhe. Ein letztes Mal tritt die Metapher bei Nerudas Tod hervor, als der Sterbende den \u00dcbergang vom Leben zum Tod mit dem Fluss des Wassers beschreibt von dem er sich schlie\u00dflich mitrei\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch folgt sehr gradlinig einem verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig schlichten Handlungsstrang, der von wenigen Personen ohne jede Doppelb\u00f6digkeit getragen wird. Vor diesem Hintergrund ist ein ganz und gar \u00fcberzeugendes poetisches Werk entstanden, das Lesen zum Genuss macht.<strong>\u00a0Note: 1 <\/strong>(ur)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Piper 2000, 150 Seiten. &gt;&gt;In dem kleinen chilenischen K\u00fcstenort St. Antonio lebt in sp\u00e4tpubert\u00e4rer M\u00fcdigkeit Mario, der, gedr\u00e4ngt von seinem hart schaffenden Vater, sich widerwillig durchringt, eine Arbeit anzunehmen. Das einzige Angebot ist die schlecht bezahlte Stelle eines Brieftr\u00e4gers. 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