{"id":1666,"date":"2022-10-13T16:42:44","date_gmt":"2022-10-13T14:42:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1666"},"modified":"2023-01-08T17:10:28","modified_gmt":"2023-01-08T15:10:28","slug":"eine-redliche-luege-husch-josten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1666","title":{"rendered":"Eine redliche L\u00fcge &#8211; Husch Josten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1668\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/K1024_Redliche-Luege-193x300.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/K1024_Redliche-Luege-193x300.jpg 193w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/K1024_Redliche-Luege-659x1024.jpg 659w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/K1024_Redliche-Luege.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/>Berlin Verlag\u00a0 240 Seiten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&lt;&lt;Husch Jostens Roman h\u00e4tte auch gelingen k\u00f6nnen. \u201eDass die Dinge diesen Lauf nehmen w\u00fcrden\u201c\u00a0 lenkt den Focus der Leserneugier gleich zu Beginn auf einen zu erwartenden \u201eShowdown\u201c.\u00a0 Allerdings bedarf es eines reichlich aufgebl\u00e4hten \u201ePanoptikums\u201c (eine Kategorie der 24j\u00e4hrigen Elise) von abendlichen Salondinners \u00fcber mehr als 100 Seiten im Hause von Margaux und Philipp Leclerc bevor eine Dame namens Camille de Pape am 26.August 2019 um 2:10 nach einem marokkanischen Picknick den 2.Teil des Doppellebens Philipps (seri\u00f6ser 62j\u00e4hriger Gesch\u00e4ftsmann und Verm\u00f6gensverwalter und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Alibiagentur in Marrakesch) enth\u00fcllt. Mit diesem Paukenschlag entwirrt sich zugleich das eigentliche Geheimnis (1.Teil des Doppellebens) , das als roter Faden den Romans durchzieht. Das Romanmanuskript eines 22j\u00e4hrigen Franzosen namens Philipp Leclerc, das 1979 in Paris nach dessen Drogentod in die H\u00e4nde seines studentischen Mitbewohners Nasire Lakhrif gelangt, ist der Ausgangspunkt, der eigentlich Stoff f\u00fcr eine spannende auch gesellschaftskritische Auseinandersetzung bietet. \u201eDer deutsche Franzose\u201c ist eine merkw\u00fcrdige Verkl\u00e4rung des Studentenf\u00fchrers Doron Mayer-Dos. Mich irritiert diese Grundkonstruktion von Husch Josten : Ein 22j\u00e4hriger schreibt 1979 einen Roman \u00fcber eine Lichtgestalt aus der 68er Bewegung (Daniel Cohn-Bendit als Vorlage), der 2019 zur Hollywood Verfilmung ansteht und der unserer im Jahr 2019\u00a0 24j\u00e4hrigen Erz\u00e4hlerin wie \u201eeine Offenbarung\u201c vorkommt. Jetzt muss nur noch Nasire die Lichtgestalt Doron treffen und vom Fleck weg dessen Nichte Margaux heiraten und das Setting stimmt. So schlicht auch das Arrangement, die Geschichte bekommt nun Tiefgang, weil mit der maghrebinisch-franz\u00f6sischen Herkunft Nasires das Identit\u00e4tsproblem gerade in Frankreich zum zentralen Thema wird. Hier wird Doron zum Akteur der Geschichte, indem er den Identit\u00e4tswechsel von Nasire Lakhrif zu Philipp Leclerc realisiert. Mit der Heirat Philipps und Margeauxs wird auch das Geheimnis der \u201eredlichen L\u00fcge\u201c nachvollziehbar. Etwas zu pathetisch allerdings wird mit der falschen Autorenschaft des \u201edeutschen Franzosen\u201c dem realen Autor \u201eeine gro\u00dfe Ehre erwiesen\u201c und Nasires \u201eSchuld abgetragen\u201c und obendrein mit den Romaneinnahmen der \u201eDrogenhilfe\u201c gedacht. Und als w\u00e4re es der \u00dcberh\u00f6hung nicht schon genug, l\u00e4sst uns die Erz\u00e4hlerin Elise aus dem Perspektive des Jahres 2051 wissen, dem romantischen Kitsch nicht fern : \u201eDie Ausschlie\u00dflichkeit, die Philippe und sie ineinander gefunden hatten, verdankten sie ihm. Der chancenlose Tr\u00e4umer (gemeint der 22j\u00e4hrige reale Philippe) hatte ihnen von solcher Liebe erz\u00e4hlt.\u201c(228).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum Husch Josten die Erz\u00e4hlperspektive ins Jahr 2051 verlegt, in dem die nun 56j\u00e4hrige Erz\u00e4hlerin als Schriftstellerin auf einem einsamen Hausboot im wesentlichen ihren vier monatelangen Aufenthalt bei Margaux und Philipp in der Domain de Tourg\u00e9ville res\u00fcmiert (die Adressaten scheinen 3 Literaturstipendiaten zu sein!?), bleibt ein Geheimnis der Autorin. Ist die Faszination gegen\u00fcber dem nach au\u00dfen fast symbiotischen Ehepaares f\u00fcr die 24j\u00e4hrige Studentin Elise, \u00a0selbst aus einer schwierigen deutsch-franz\u00f6sischen Familie kommend, nachvollziehbar, so bleibt die Idealisierung dieser Beziehung aus der Distanz von 32 Jahren ebenso schwer nachvollziehbar wie der doch recht unvermittelte \u201eKnaller\u201c eines Internetsuchauftrags nach einem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in Marrakesch. Die Gendergerechten d\u00fcrften sich freuen: Es war eine 88j\u00e4hrige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin. Note: <strong>4<\/strong> (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;\u00a0 Warum laden Menschen andere Menschen ein? Macht es sie gl\u00fccklich einzuladen oder eingeladen zu werden? Diese Fragen bleiben unbeantwortet, obwohl es in weiten Teilen des Buches darum geht. Die Schriftstellerin Margaux und ihr Mann Philippe Leclerc bewohnen ein luxuri\u00f6ses Anwesen am Meer bei Deauville. Beide soziale Aufsteiger, nebenberuflich Gastgeber f\u00fcr aufregende G\u00e4ste, die viel reden, am und im Pool feiern, von dort \u00fcber die Seufzerbr\u00fccke nach oben in die Sauna gehen oder auch gleich zur kopulativen Tat schreiten. Da fallen die Parties in der Neckarmetropole nicht nur kulinarisch gewaltig ab, zumindest die, zu denen ich eingeladen werde. Philippe immer eher zur\u00fcckhaltend, wirkt wie ein Privatier mit \u201ehaselnusscremiger Stimme\u201c. Wie sich das wohl angeh\u00f6rt hat? Aber auch Margaux ist diskreter, duldsamer als die meisten ihrer G\u00e4ste. Die 24j\u00e4hrige Deutschfranz\u00f6sin Elise arbeitet einen Sommer lang als Hausm\u00e4dchen bei den beiden, voller Bewunderung f\u00fcr das Paar, das sich exzellent versteht. Sie erz\u00e4hlt die Geschichte, 32 Jahre sp\u00e4ter. Elise, eine sympathische junge Frau. Offenheit zieht sie Festlegungen vor, die sogenannten festen Standpunkte um jeden Preis, wie sie ihre Eltern hatten, sch\u00e4tzt sie nicht. Auch wenn die Ich-Erz\u00e4hlerin um Geduld bittet f\u00fcr ihre detaillierten Schilderungen von Partysmalltalks, manchmal wird es dann doch anstrengend, platt und man m\u00f6chte weiterbl\u00e4ttern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Gl\u00fcck gibt es auch sehr anregende und kluge Gespr\u00e4che \u00fcber Komplementarit\u00e4t von Paaren, Untreue, \u00fcber Begriffe wie \u201eLebensabschnittsgef\u00e4hrten\u201c, die Coronazeit in Paris, Populismus, Identit\u00e4t, Rassismus, das B\u00f6se f\u00fcr und an sich, oder nicht ganz so \u00fcberzeugend, \u00fcber das Ende der NS-Zeit. Margaux\u2018 geheimnisvoller Erstling \u201eDer deutsche Franzose\u201c, sozusagen das Buch im Buch, soll verfilmt werden. Der deutsche Franzose, der j\u00fcngere Bruder von Magaux\u2018 Mutter Hanna, uns allen wohlbekannt als der \u201erote Danny\u201c, hei\u00dft im Buch Doron Mayer-Dos. Die geplante Verfilmung gelingt nicht, obwohl ein Treff mit wichtigen Akteuren stattfindet. Das Niveau von Dorons Redebeitr\u00e4gen hebt sich positiv von dem der meisten Partyg\u00e4ste ab. Mir gefallen insbesondere seine \u00dcberlegungen \u00fcber die Notwendigkeit von Gruppen im politischen Streit. Die Spannung wird schlicht, aber effektiv aufrechterhalten. Zum Beispiel mit S\u00e4tzen wie \u201eNiemand h\u00e4tte erwartet, dass die Dinge diesen Verlauf nehmen w\u00fcrden&#8230;\u201c. In der Buchmitte wird eine kommende \u201eTrag\u00f6die in der Normandie\u201c erw\u00e4hnt. Viel Neugier, da kommt noch was, da kommt noch was. Aber vielleicht erwartet man dann einfach zu viel\u2026 Am 25. August 1979 platzt eine Bombe. Ein aufregender Tag. In T\u00fcbingen feierte zeitgleich Freund Dieter seinen 75. Geburtstag. Das B\u00f6mbchen scheint mir etwas konstruiert, artifiziell. Eine Nachbarin entlarvt Philippes berufliches Doppelleben. Ihr Mann war Kunde in dessen Unternehmen \u201eL\u00fcgen f\u00fcr alle F\u00e4lle des Lebens\u201c. Danach ein Unfall, zwei Tote, Selbstmord?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Homepage von Philippes Unternehmen ( Seite 209) , ein literarisches Schmankerl. Die ersten drei S\u00e4tze: \u201cEigene W\u00fcnsche erf\u00fcllen. Tr\u00e4ume verwirklichen. Geheimnisse h\u00fcten\u201c. Mehr geht nicht. 32 Jahre sp\u00e4ter kehrt Elise an den Ort des Geschehens zur\u00fcck. Vergeblich versucht sie einer Maklerin zu entlocken, was aus Margaux geworden ist. Die Suche im www f\u00fchrt nicht viel weiter. Da hilft nur Fantasie an die Macht. Warten Sie mit dem Kauf des Buches, lieber Leser. Die folgenden drei Besprechungen sehen den Roman wahrscheinlich viel kritischer als ich. Von daher&#8230;<\/p>\n<p><strong>Note:<\/strong> 2\/3 (ax) &gt;&gt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&lt;&lt; Ein Konversationsroman. Dialoge endloser Gesellschaftsabende. Sprecher sind wechselnde Scharen von aufrichtigen Freunden, ehrlichen Angestellten, exzessiven Parasiten und aufgeblasenen Scheinheiligen. Ein Panoptikum menschlicher Existenzen. Die Themen verwirrend vielf\u00e4ltig. Von Literatur \u00fcber Life Coaching bis Fundamentalliberalismus. Von Tr\u00e4umen \u00fcber Liebe bis zu L\u00fcgen. Vieles was Leben ausmacht und irgendwie identit\u00e4tsstiftend wirken k\u00f6nnte. Identit\u00e4t, die passiert, die konstruiert wird, die gegeben ist oder vorget\u00e4uscht wird. Und nat\u00fcrlich auch der Weg dorthin: Schicksalswege. Offensichtlich ist \u201eIdentit\u00e4t\u201c der rote Faden des Buches <em>Eine redliche L\u00fcge<\/em>, das in seiner Mannigfaltigkeit allerdings zerzaust erscheint. Die Dialoge sind durchsetzt von Monologen der Ich-Erz\u00e4hlerin Elise, die ihrerseits Leitplankenbetrachtungen ihres famili\u00e4ren Stra\u00dfennetzes beitr\u00e4gt zu Fragen, wie Lebenswege eingeengt sein k\u00f6nnen und Zielorte verfehlt werden. Gerade diese Erfahrungen machen sie besonders empf\u00e4nglich f\u00fcr die Offen- und Gro\u00dfherzigkeit, die intellektuelle Tiefe und Weitsicht der Gastgeber der besagten Gesellschaftsabende. Die Gastgeber sind Margaux und Phillipe Leclerc, bei denen sie in der Normandie \u00fcber vier Monate hinweg als Hausm\u00e4dchen und stille Beobachterin t\u00e4tig ist. Zu diesem Zeitpunkt ist Elise 24, wissbegierig, grenzenlos lebensoffen und erfolgreiche Absolventin eines Literaturstudiums. Elise wird sich fragen, warum Margaux und Phillipe Woche f\u00fcr Woche mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt die B\u00fchne f\u00fcr den endlosen Reigen bereiten, um diesen Tanz der Eitelkeiten und bizarren Selbstinszenierungen um sich herum zu erm\u00f6glichen? Elises Antwort wird 30 Jahre sp\u00e4ter lauten, dass die Lebensgeschichten anderer auch Referenz und Rechtfertigung f\u00fcr das eigene Leben sind. Vor allem auch f\u00fcr eigene Verfehlungen. Und wenn dieses Sich-Vergewissern so hochfrequent gelebt werden muss, dann d\u00fcrften die eigenen Verfehlungen erheblich sein. Am Ende des Buches erf\u00e4hrt der Leser, dass dem in der Tat so ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schriftstellerin erhebt ein literarisches Schriftst\u00fcck zum alles in Bewegung setzenden Schicksalsgegenstand. Phillipe wurde als Nasire Lakhrif in Marokko geboren. In den unruhigen 68er Jahren f\u00e4llt ihm als Student in Paris das literarische Manuskript seines drogenabh\u00e4ngigen, sterbenden Mitkommunarden in die H\u00e4nde. Der Titel: <em>Der deutsche Franzose<\/em>. In Anspielung an Daniel Cohn-Bendit steht der franz\u00f6sische Studentenf\u00fchrer <em>Doron Mayer-Dos<\/em> im Mittelpunkt des Werks. Realit\u00e4t und verherrlichende Fiktion des Romans gehen so \u00fcberzeugend ineinander \u00fcber, dass Nasire sich um die Mitarbeit bei Doron bem\u00fcht. Doron versucht den talentierten jungen Studenten Nasire zu protegieren. Als alle Bewerbungen auf Grund seiner marokkanischen Wurzeln scheitern, beschlie\u00dfen sie, das Gesellschaftssystem vorzuf\u00fchren und Nasire zu europ\u00e4isieren. Nasire nimmt den Namen des verstorbenen Mitkommunarden Phillipe Leclerc an, worauf prompt eine atemberaubende Karriere beginnt. Eine redliche L\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter wird der neue Phillipe die Nichte (Margaux) von Doron heiraten, woraus eine \u00fcberaus gl\u00fcckliche Ehe zweier zutiefst zugewandter Menschen hervorgeht. Am Ende des Buches platzt die Bombe, als ruchbar wird, dass der so vertrauensw\u00fcrdig wirkende Phillipe in einem Doppelleben das Prinzip L\u00fcge gewinnbringend kommerzialisiert. In seiner alten Heimat betreibt er eine Verschleierungsfirma, die untreuen Ehegatten Alibis verschafft, Steuerbetr\u00fcgern gef\u00e4lschte Finanztransaktionen erm\u00f6glicht und Kriminellen neue Identit\u00e4ten garantiert. Nichts bleibt unm\u00f6glich. Als die schockierte Margaux davon erf\u00e4hrt, entzieht sich Phillipe. Der t\u00f6dliche Autounfall in derselben Nacht ist vielleicht ein Suizid. Nach Nervenzusammenbruch und Psychiatrieaufenthalt flieht Margaux vor dem \u00f6ffentlichen Shitstorm nach Kanada. Jahrzehnte sp\u00e4ter wird die \u00d6ffentlichkeit erfahren, dass sie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Verschleierungsfirma geworden ist. Eine redliche L\u00fcge um aus Liebe das Werk des toten Gatten fortzuf\u00fchren? Merkw\u00fcrdig. Grenzwertig. Schmalzig. Diese wie etliche andere Details des Romans befremden den Leser. Warum muss die Literatin Josten die Protagonistin Elise eine Literatin sein lassen, die ein Buch \u00fcber die Literatin Margaux schreibt, nachdem sie im ehemaligen Domizil der Leclercs Literaturstipendiaten ihre wiederbelebten Erinnerungen als Einstieg in ihr geplantes Literaturwerk dargelegt hatte? Musste Margaux ausgerechnet mit dem unter ihrem Namen ver\u00f6ffentlichten Plagiat <em>Der deutsche Franzose<\/em> so ber\u00fchmt werden, so dass sogar ein Oskarpreistr\u00e4ger in der Verfilmung die Hauptrolle \u00fcbernimmt? Mussten Salongespr\u00e4che \u00fcber gef\u00fchlt hunderte Themenkomplexe zwingend Zweidrittel des Werkes ausmachen und wie st\u00fctzt dieser Potpourri die Intention des Buches? Ja, was ist die Intention? Ist es am Ende Elise als ewig und vergeblich Suchende? Elise ist es, die ein Leben lang an dem Narrativ der edlen Leclercs festh\u00e4lt. Gleichzeitig bleibt Elise diejenige, die sich der Integration, der Verbindlichkeit und jeder Bindung verweigert. Sie reduziert das Sozialleben auf wechselnde Bekanntschaften und verweigert auch symbolisch den festen Wohnsitz. Nicht zuf\u00e4llig ist ihr Zuhause ein Schiff, das jederzeit ablegen kann, wie sie sagt. Auch in dieser Hinsicht n\u00e4hert Josten ihren Plot an das Werk <em>Kein Ort. Nirgends<\/em> von Christa Wolf an. In der <em>Luchterhand <\/em>Ausgabe von 1986 zeigt das historische Titelbild ein zum Ablegen bereites Wohnschiff. Der Roman beschreibt einen Gesellschaftsnachmittag mit weitl\u00e4ufigen Salongespr\u00e4chen zahlreicher G\u00e4ste. F\u00fcr die beiden (authentischen) Hauptprotagonisten Heinrich von Kleist und Karoline von G\u00fcnderode bleibt kein Ort. Nirgends. Sie ringen vergeblich um ihre Identit\u00e4t in der Gesellschaft. Beide haben sich im wahren Leben das Leben genommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman von Josten tr\u00e4gt kaum deprimierende Z\u00fcge. Dazu fehlt ihm schon die Geradlinigkeit und der Fokus. Man bleibt eher verloren zur\u00fcck im lauten Ger\u00e4usch der Salongespr\u00e4che. Was dennoch beeindruckt, sind stilistische Sprachelemente und die \u00dcberzeugung, das Werk einer gebildeten Autorin gelesen zu haben.\u00a0<strong> Note:<\/strong> 3 \u2013 (ur) &gt;&gt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin Verlag\u00a0 240 Seiten &lt;&lt;Husch Jostens Roman h\u00e4tte auch gelingen k\u00f6nnen. \u201eDass die Dinge diesen Lauf nehmen w\u00fcrden\u201c\u00a0 lenkt den Focus der Leserneugier gleich zu Beginn auf einen zu erwartenden \u201eShowdown\u201c.\u00a0 Allerdings bedarf es eines reichlich aufgebl\u00e4hten \u201ePanoptikums\u201c (eine Kategorie &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1666\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1666"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1666"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1682,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1666\/revisions\/1682"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}