{"id":1633,"date":"2001-06-15T13:08:22","date_gmt":"2001-06-15T11:08:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1633"},"modified":"2022-07-18T13:08:45","modified_gmt":"2022-07-18T11:08:45","slug":"gefaehrliche-geliebte-haruki-murakami","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1633","title":{"rendered":"Gef\u00e4hrliche Geliebte &#8211; Haruki Murakami"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1634\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/K1024_Gefaehrliche-Geliebte-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/K1024_Gefaehrliche-Geliebte-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/K1024_Gefaehrliche-Geliebte-723x1024.jpg 723w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/K1024_Gefaehrliche-Geliebte.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/>Dumont-Buchverlag, 1992\/2000 \u2013 230 Seiten<\/p>\n<p>ISBN 3 7701 4781 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Wie in zahlreichen seiner Werke, webt der Autor auch in diesen Roman autobiographische Fasern ein. Das selbstgerechte Einzelkind, Entwicklungsphasen der Lustlosigkeit, sexuelle Fantasien und Obsessionen, westliche Popmusikideale als lebenslanger Versatz in wiederkehrenden Lebenssituationen, der Mann als Jazzbar-Besitzer und die klassische Musik als Passion. Murakamis Protagonist bewegt sich wie in einem sinnsuchenden Entwicklungsroman, in dem die treibende Kraft die Anziehung von Frauen ist. Sie verursachen Str\u00f6mungen in die Zukunft, drohen in die Tiefe zu ziehen, tragen die schwersten Lasten wie Ozeane Schiffsriesen. Wiederkehrendes Moment ist die finale Bedrohung, der finale Entschluss, der Suizid, der wiederholt in seinem Bekanntenkreis zu beklagen ist. Dazwischen zieht die m\u00e4nnliche Hauptfigur eine versteppte Spur durch sein und das Leben anderer. Mystisches Funkeln am literarischen Lagerfeuer, schwertragende Leerstellen in den skizzierten Lebensl\u00e4ufen, Sinnsuche und der Versuch die Rein- und Absolutheit einer Kinderliebe zu verewigen, indem die Zeit angehalten wird. Doch genau das ist nicht m\u00f6glich. Am Ende bleibt offen, ob Hoffnung und Scheitern die Balance halten werden. Ein durchaus spannender Plot. Sprachlich weitgehend schlicht, wenn auch mit nachdenklichen Metaphern und \u00fcberraschenden Sentenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hajume w\u00e4chst als isoliertes Einzelkind in einer spie\u00dfb\u00fcrgerlichen Vorortsiedlung Japans auf. \u00c4hnlich wie seine sch\u00f6ne, durch Kinderl\u00e4hmung gehbehinderte Schulkameradin Shimamoto. Die stigmatisierten Kinder verbindet eine stille, fast platonische Verbundenheit, die sich erst Jahrzehnte sp\u00e4ter zu einer dramatischen Besessenheit verdichten wird. Der Sch\u00fcchternheit des Jungen folgt die umso selbstbewusstere Pr\u00e4senz des Jugendlichen. Nachdem er mit seiner neuen Freundin keinen Sex haben kann, ger\u00e4t er in Abh\u00e4ngigkeit zu deren Cousine, mit der er hemmungslose Orgien zelebriert. Beide Frauen st\u00fcrzen ins Bodenlose. Die eine verwahrlost \u2013 aufgerieben von Eifersucht und Schmerz, die andere begeht Selbstmord. H. treibt richtungslos durch die Studienzeit, wird schlie\u00dflich Schulbuchlektor. Er ist ange\u00f6det vom Dasein und zerfressen von Selbstvorw\u00fcrfen \u00fcber seine latenten Gewaltphantasien, die seiner Unzufriedenheit entspringen. Schlie\u00dflich lernt er seine zuk\u00fcnftige Frau kennen, der er seine aufrichtige Liebe schenken wird. Eine Familie wird gegr\u00fcndet, der wohlhabende Schwiegervater erm\u00f6glicht die Finanzierung zweier renommierter Jazzlokale. H. kommt zu Erfolg, findet seinen Lebensmittelpunkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Als seine fr\u00fche Liebe Shimamoto in seinem Lokal Platz nimmt, wird das alte Feuer augenblicklich neu entz\u00fcndet. Eine geheimnisvolle dunkle Aura umgibt sie. Nie hat sie gearbeitet, lebt dennoch in luxuri\u00f6sen Verh\u00e4ltnissen \u2013 offensichtlich aber in terrorisierter Isolierung. Vielleicht die streng sanktionierte M\u00e4tresse eines einflussreichen Politikers oder Gro\u00dfkriminellen. Bei einem gemeinsamen Tagesausflug, bei dem die Asche ihrer verstorbenen Tochter ausgestreut werden soll, entgeht sie nur knapp dem Exitus, weil sie lebensnotwenige Medikamente nicht genommen hatte. Ein Zufall?<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>verf\u00e4llt in eine bedingungslose Ergebenheit. Ein geheimes Wochenende mit ihr l\u00e4sst das Ende seiner Familie erahnen. Die Autofahrt in die Abgeschiedenheit wird fast zum t\u00f6dlichen Ausflug, als sie ins Lenkrad greifen will. Erstmals begegnen sich beide auch erotisch. Shimamotos sexuelle Ekstase nimmt dabei paranoide Z\u00fcge an. Sie l\u00e4sst ihn absolute H\u00f6rigkeit schw\u00f6ren. Er folgt. \u00dcberraschend verschwindet sie jedoch in derselben Nacht ohne je wiederzukehren. H. wird sp\u00e4ter klar, dass ihre Absicht der gemeinsame Tod war. Denn nur so h\u00e4tte sie frei von den Zw\u00e4ngen ihres gegenw\u00e4rtigen Lebens die Liebe zwischen ihnen unverf\u00e4lscht verewigen k\u00f6nnen. F\u00fcr sie war nur die v\u00f6llige Verschmelzung denkbar. Eine Selbstaufgabe wie sie im realen Dasein nicht lebensf\u00e4hig ist. Zur\u00fcckblickend umgab sie stets ein Hauch von Todesengel.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das magere Ende des Plots zeichnet H. zerrissen. Er offenbart sich seiner suizidgef\u00e4hrdeten Frau. Vermutlich werden sie standhalten. Vielleicht auch nicht.<br \/>\nNote: 2\u2013 (ur) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dumont-Buchverlag, 1992\/2000 \u2013 230 Seiten ISBN 3 7701 4781 2 &gt;&gt;Wie in zahlreichen seiner Werke, webt der Autor auch in diesen Roman autobiographische Fasern ein. 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