{"id":157,"date":"1999-11-26T13:58:16","date_gmt":"1999-11-26T11:58:16","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=157"},"modified":"2023-11-22T18:28:01","modified_gmt":"2023-11-22T16:28:01","slug":"ingo-schulz-simple-storys","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=157","title":{"rendered":"Simple Storys &#8211; Ingo Schulz"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_simple_storys.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-158\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_simple_storys-198x300.jpg\" alt=\"K640_simple_storys\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_simple_storys-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_simple_storys.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a><em>Berlin Verlag 1998, 303 Seiten.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;In 29 Kleinkapiteln bewegt sich eine Vielzahl von Hauptpersonen durch Alltagssituationen des ex-DDR-schon-fast-BRD-Seins der juvenilen Nachwendezeit. Paare bilden sich, Arbeitspl\u00e4tze gehen verloren, Seitenspr\u00fcnge geschehen, Fische werden geangelt, Stasi-Vergangenheiten holen ein und alte Rechnungen werden beglichen. Jedes Kapitel hat einen anderen Ich-Erz\u00e4hler. Im Laufe des Buches werden zunehmend komplexere Verflechtungen der zun\u00e4chst isoliert betrachteten Personen deutlich. Der Vernetzungsgrad steigert sich ins Undurch-schaubare. Nur mit hartn\u00e4ckiger Detektivarbeit kann der Leser zur\u00fcckverfolgen, wer mit wem eine Busreise machte, Pornogeschichten wem anvertraute und wen in Zeiten der Macht beruflich liquidierte. Da zahlreiche Personen als Erz\u00e4hler und Erz\u00e4hlte auftreten, b\u00f6te sich Gelegenheit, literarisch Fremd- und Eigenbild kontrastreich miteinander in Beziehung zu setzen oder Charakterentwicklungen aus verschiedenen Blickwinkeln zu verfolgen. Die \u00fcbersteigerte Komplexit\u00e4t der Erz\u00e4hlstruktur macht dies jedoch fast unm\u00f6glich. Lesende verfangen sich zunehmend hoffnungsloser im Detailgeflecht je weiter sie im Werk voranschreiten.<br \/>\nTenor der meisten Passagen ist die kleine und gro\u00dfe Tragik nach der deutschen Wiedervereinigung. Es fehlen die strahlenden Sieger. Stattdessen ein Gruppenbild der Verlierer, denen nicht nur die Gesellschaftsver\u00e4nderung sondern vor allem auch sie sich selbst im Wege stehen. Der direkte politische Bezug wird meist ausgeblendet. Andererseits blitzt Witz und Situationskomik auf. Neben viel Trivialem \u00fcberraschen einzelne gelungene, feinsinnige Szenen wie jene, in der die Reporterin Danny den alleinstehenden Bertram entlarvt, der ihr eine angebliche Vergewaltigungsszene als Story aufbinden will. Vereinsamte Neudeutsche wie Bertram, geltungsbed\u00fcrftig und verwirrt, eingeklemmt zwischen Realit\u00e4t und Fiktion. Oder Dieter Schubert, der beim Angeln wie seine Karpfen am Herzinfarkt verendet. Seine Frau \u00fcberreicht danach nichts ahnend einer Schwesternsch\u00fclerin einen verschlossenen Geldkuvert &#8211; f\u00fcr geleistete Perversionen mit Dieter. Wiederholt wird mit wenigen kryptischen Dialogfragmenten ein hohes Ma\u00df an Prosatiefe und Handlungstragik erreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider gehen viele Akzente der einfachen Episoden im Netzwerk-Labyrinth verloren. Simple Stor<strong><span style=\"text-decoration: underline;\">y<\/span><\/strong>s \u2013 so simpel und falsch geschrieben wie das Leben eben ist. F\u00fcr Ausdauernde ein Sudoko der Literatur. <strong>Note: 2\/3<\/strong> (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Berlin Verlag 1998, 303 Seiten. &gt;&gt;In 29 Kleinkapiteln bewegt sich eine Vielzahl von Hauptpersonen durch Alltagssituationen des ex-DDR-schon-fast-BRD-Seins der juvenilen Nachwendezeit. 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