{"id":1504,"date":"2021-02-12T14:18:57","date_gmt":"2021-02-12T12:18:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1504"},"modified":"2021-02-26T17:07:32","modified_gmt":"2021-02-26T15:07:32","slug":"hamster-im-hinteren-stromgebiet-joachim-meyerhoff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1504","title":{"rendered":"Hamster im hinteren Stromgebiet- Joachim Meyerhoff"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1503\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/K1024_Hamster-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/K1024_Hamster-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/K1024_Hamster-674x1024.jpg 674w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/K1024_Hamster.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/p>\n<p>Kiepenheuer&amp;Witsch | 2020 , 307 Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Kein Zweifel, Joachim Meyerhoff kann unterhaltsam schreiben, witzig, kurzweilig, massentauglich. Ein Dauer-Feuerwerk an Metaphern erwartet den Leser. Der literarische Kniff, mit der Erinnerung an mehr oder weniger lustige Geschichten aus seinem Leben sein besch\u00e4digtes \u201ehinteres Stromgebiet\u201c im Gehirn zu besch\u00e4ftigen, damit es wieder zu Kr\u00e4ften kommt oder zumindest nicht verk\u00fcmmert, ist originell. Die erinnerten Episoden tragen allerdings wenig bei zu einem etwas tiefgr\u00fcndigeren Bild des Protagonisten, der ja zweifellos der Autor ist. Trotz ansatzweisen anr\u00fchrenden Passagen wie die pl\u00f6tzliche Umkehr des Verantwortungsverh\u00e4ltnisses zwischen Vater und Tochter fragt man sich, warum einem dieser Joachim nicht so recht sympathisch werden will. Die Antwort kam aus kompetentem Kreis des Quartetts: Joachim macht seine Witze immer auf Kosten von Mitpatienten und Besuchern der Klinik. Witzig zwar, aber nicht die feine Art. <strong>Note : 3<\/strong> ( \u00fcn) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Harter Einstieg. Einen Schlaganfall, schw\u00e4bisch \u201eSchl\u00e4gle\u201c, hatte ich mir sanfter vorgestellt. Aus Angst vor einem zweiten n\u00e4chtlichen \u201eKleinhirninsult\u201c versucht der Autor abends wach zu bleiben. Die Suche nach Erinnerungen soll ihm dabei helfen. So entsteht das Buch. Was ist an den Erinnerungen real, was fiktional? Der Leser (generisches Maskulinum) darf raten. \u201eSchlimme Gedanken waren schon immer zu mir gekommen\u201c, schreibt der Geschlagene, \u201eaber jetzt wird es schlimmer.\u201c Erbarmungslos schildert er seine \u00c4ngste. Die Gespr\u00e4che der Mitpatienten nehmen breiten Raum ein. Meist in w\u00f6rtlicher Rede wegen der Authentizit\u00e4t. Das wirkt manchmal grenzwertig, so als wolle er Dialektsprecher nach\u00e4ffen. Weniger w\u00e4re da wohl mehr gewesen. Aber Wegh\u00f6ren geht nicht. Das kann jeder best\u00e4tigen, der schon mal in einem Krankenhausmehrbettzimmer gelegen ist. Einen gewissen Tiefpunkt des Romans ist seine Aussage zum Vornamen Maximilian: \u201eNa klar hei\u00dft der Maximilian (\u2026), das ist genau einer dieser Namen, die von Anfang an den Unterschied markieren sollen, die von Anfang an Druck machen.\u201c Joachim kennt vermutlich keinen einzigen leibhaftigen Maximilian. Der Autor ist untauglich f\u00fcr Reisen nach Mallorca oder in den Senegal. \u00dcber beide Reiseziele liegen mir v\u00f6llig anderslautende Schilderungen vor. Meyerhoff beschreibt seine Umwelt oft recht gnadenlos. Dies wird ertr\u00e4glich, weil er sich selbst auch nicht schont, wenn er beispielsweise vom \u201eschleswig-holsteinischen Lulatsch\u201c oder ergreifend von seiner eigenen Hilflosigkeit schreibt.<br \/>\nKomik, Ironie, vielleicht auch Zynismus sollen ihm helfen, seiner eigenen Hilflosigkeit zu<br \/>\nentkommen. Sozusagen das Lachen aus Angst im dunklen Keller. Er pflegt guten Umgang mit der Muttersprache. Die Lekt\u00fcre wird fast nie langweilig. Ganz im Gegenteil. Das ist doch schon mal viel wert. Menschen vom Fach, die vom geschriebenen Wort mehr als ich verstehen, sagten mir, dass es sich bei dem Buch nicht um gro\u00dfe Literatur handele. Vielleicht hat es mir auch deshalb so gut gefallen.\u00a0 <strong>Note: 1\/2<\/strong> (ax) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Der Hamster ist der Unhold im Untergrund. Nicht nur im Wandelareal des Klinikgel\u00e4ndes. Sondern sinnbildlich auch entlang der arteriellen Zufl\u00fcsse unter der Sch\u00e4deldecke. Das hintere Stromgebiet ist eine von Schlaganf\u00e4llen h\u00e4ufig befallende Hirnregion. Im autobiographischen Bekenntnis von Meyerhoff untergr\u00e4bt ein Nager seine Hirnfunktion. Neun Tage verfolgt das literarische Tagebuch seinen Schlaganfall, der den F\u00fcnfzigj\u00e4hrigen mitten im Leben paralysiert. Durchsetzt ist das Werk von Assoziationen, Erinnerungen und einer blumigen Wahrnehmung bedrohlicher Zust\u00e4nde, die den therapeutischen Wert des Werks steigern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meyerhoff ist im Kreise der Familie zusammengebrochen. Motorische Entm\u00fcndigung greift um sich. Die Gravitation zerrt an der unbeaufsichtigten linken K\u00f6rperh\u00e4lfte. Er droht vom Stuhl zu st\u00fcrzen. Gliedma\u00dfen prahlen mit Befehlsverweigerung oder schie\u00dfen unerwartet aus der L\u00e4hmung hervor. W\u00e4hrend die rechte K\u00f6rperh\u00e4lfte gut mittut, tritt die linke in den unberechenbaren Streik. Krankentransportirrwege durch Wien, <em>Stroke Unit<\/em>, Intensiv\u00fcberwachung, Gruppenerfahrung unter benachbarten Akutpatienten, Todes\u00e4ngste, Wirklichkeitsverzerrungen. Eine aggressive Lysetherapie l\u00f6st den verstopfenden Blutpfropf. Die t\u00e4gliche Rehabilitation zeitigt deutliche Erfolge. Der Schauspieler und Schriftsteller erobert Sprache und Theater-Leistungssport zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg dorthin \u00fcberrascht Meyerhoff mit erstaunlichen Metaphern voller \u00dcberzeugungskraft. Er muss weiterdenken, um weiter atmen zu k\u00f6nnen. Er empfindet seine ewig abschweifenden Gedanken als schmerzend scharfkantig. Aber k\u00f6nnte er etwas Runderes denken? Es f\u00fchlt sich an, als ob ein gro\u00dfes Dunkel falsch in eine zu kleine Schachtel gepresst wird. Nat\u00fcrlich wird Meyerhoff augenblicklich von Angst geflutet. Eine Angst, die vor allem eine Angst vor der Wiederholung ist &#8211; folgt auf den ersten doch h\u00e4ufig der zweite Schlaganfall. Der Schlaf, der native Zustand des Kontrollverlusts, scheint ihm die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung. Das Dasein ist zusammengeschrumpft auf ein Nadel\u00f6hr. Und er wird sich hindurchzw\u00e4ngen m\u00fcssen. Vielleicht immer wieder. Es ist grausam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er gr\u00e4bt Stollen in sein eingest\u00fcrztes Bergwerk, sucht nach Beweisen, Versch\u00fcttetes unter den Hirn-Halden wiederbeleben zu k\u00f6nnen. Die Mallorca-Reise \u2013 der Inbegriff eines Katastrophenurlaubs. Alles schien gegen ihn verb\u00fcndet. Am Ende die Einsicht, vor allem selbst Miesepeter und Unruhestifter gewesen zu sein. Die Senegal Reise: gewaltt\u00e4tige Unwetter, diebische Bev\u00f6lkerung, gef\u00fchlte Hitzetode, apokalyptische Ungezieferinvasionen. Nach der R\u00fcckkehr verblasste seine friesische Heimat zur Leblosigkeit verglichen mit dem gro\u00dfartigen senegalesischen Konzert der Farben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Morgens erscheint dann die von der Weihnachtsfeier ramponierte \u00c4rzteschaft zur Visite. Sie begutachten die Halbtoten und s\u00e4useln von der befreienden Amnesie ihres ritualisierten Filmrisses am Vorabend. Meyerhoff nennt es ein Wandeln im komat\u00f6sen Promilleparadies als lustvolle Nahtod-Erfahrung. Also auch eine Endzeit\u00fcbung. Aber l\u00e4sst sich das therapeutisch verwerten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Autor selbst entwickelte in seiner Jugend einen provokanten Hang zum Nekrophilen ohne jedoch von der N\u00e4he zum Tod profitieren zu k\u00f6nnen. \u00dcberfahrene Fr\u00f6sche, Wiener W\u00fcrstchen und Kuhaugen konservierte er in Kunstharz, um die Vollendung des Todes durch den blockierten Verwesungsprozess auszubremsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein paar Tage sp\u00e4ter, als das Gleichgewicht wieder sein Eigentum wird, schleicht der Autor in das Treppenhaus um im Nachthemd ein Ballett zu exerzieren. Es gilt dem Tod unangemessen zu begegnen. Er soll dadurch seiner Ernsthaftigkeit beraubt werden. Die Angst verliert zwar das Hinterh\u00e4ltige, dennoch bleibt sie kraftvoll, will aber nicht mehr fordern als ihr zusteht. Man arrangiert sich im Laufe der Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann ist da das Lebenselixier seiner Familie. Drei Kinder im Abstand von jeweils sieben Jahren sind ihm zuverl\u00e4ssige Lieferanten von Gegenwart. Jedes mit eigener Symbolik: Dino, Deo, Drogen. Die Liebe zwischen ihnen ist \u00fcberm\u00e4\u00dfig. Die \u00c4lteste managt seinen Krankentransport, staucht die Rotkreuzfahrer zusammen und organisiert die Notfalleinweisung. Betonter Ausdruck von Verbundenheit auch in den Anreden: liebste Mutter, liebster Bruder, liebste Sophie. Fast ein wenig zu demonstrativ. Und doch fehlt Meyerhoff die F\u00e4higkeit, seinen sozialen Umgang konfliktfrei zu lenken. Peinliche Erinnerungen werden offengelegt: in einem Nachbarschaftsstreit wurde er zwei \u00e4lteren Damen gegen\u00fcber handgreiflich, um einen Kinderwagenabstellplatz zu verteidigen. Sein J\u00e4hzorn \u00e4hnelt jenem seiner Tochter, die sich bei jeder Unzufriedenheit br\u00fcllend hinwarf, selbst wenn sie sich dabei den Sch\u00e4del aufschlug. Nun hat das Schicksal seinen eigenen Sch\u00e4del l\u00e4diert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungeniert beschreibt sich Meyerhoff als der, der er auch ist: ein preisgekr\u00f6nter Schauspieler des Wiener Burgtheaters. Gewohnt, auf B\u00fchnen Rollen zu interpretieren. Welten in Kokons, deren Verbindung zum Aussen in der Regel auf den Schlussapplaus beschr\u00e4nkt bleibt. So \u00fcberrascht es vielleicht nicht, dass Meyerhoff auf 300 Seiten kein einziges Wort mit seinen Mitpatienten wechselt. Er nimmt lediglich eine absto\u00dfende Ger\u00e4uschkulisse von R\u00f6cheln, St\u00f6hnen und Furzen wahr. Vielleicht sind diese Patienten zu sehr Symbole seines gef\u00fcrchteten Endzustandes. Erst gegen Schluss beginnt er erhellende Bilder von behinderten Patienten beim Essen wahrzunehmen, wie sie vergeblich versuchen, Mensaschnitzel zu zerteilen oder Suppenl\u00f6ffel in die Gesichtsmitte zu man\u00f6vrieren. Momente der L\u00e4uterung flammen auf und als Leser hofft man, dass der Autor auch von dieser anderen Krankheit, der nicht ausbalancierten Ich-Bezogenheit, geheilt werden m\u00f6ge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Katastrophe scheint in ihm einen Wandel in Gang zu setzen: Relativierung des eigenen Ungl\u00fccks. Verschiebung der Priorit\u00e4ten: Terminabsagen, L\u00fccken als Genuss. Schuldsituationen werden reflektiert. Neue L\u00f6sungen werden gedacht. Wie bei dem gefangenen Vogel im Dachfirst, der in Panik stets nach oben flog und im geschlossenen Raum gefangen blieb, obwohl weiter unten die T\u00fcr offen stand. Die Todesn\u00e4he bekommt etwas konstruktiv Erweiterndes. Und letztlich die Einsicht, dass er bisher aus allem Geschichten machen konnte, aber aus fast nichts Normalit\u00e4t. Auch mal ganz normal sein, h\u00e4tte in seinem Leben schon was Bereicherndes. Meyerhoff erkennt: sogar Desorientierung vermittelt ein nicht gekanntes Gl\u00fccksgef\u00fchl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gutes Werk, das ehrlich und offen auch beruhigt und vor allem durch seine Sprache und Metaphern besticht.\u00a0<strong> Note: 2<\/strong> (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Dass das Erz\u00e4hlen von Geschichten der Angstbew\u00e4ltigung dient und Komik heilen kann, das beweist die Schlaganfallgeschichte sicherlich f\u00fcr den Hauptdarsteller in diesem Roman. Er ist ein gl\u00e4nzender Erz\u00e4hler, als bekannter Burgschauspieler beherrscht er noch in seinem vielleicht letzten Akt die Inszenierung, das Krankenhaus als B\u00fchne. Ob Senegal, Mallorca, Norwegen, U-Bahnstationen, Hundeafter, Filmri\u00df oder BUNTE-Klatschgeschichten aus dem Hause Gottschalk, der Schlagerlkopf des Erz\u00e4hlers ist immer noch ein nicht enden wollendes F\u00fcllhorn von Episoden, immer auf den dramaturgischen H\u00f6hepunkt und die Pointe hin konstruiert, nicht ein einziges Mal blieb mir das Lachen im Halse stecken. Die \u201edramatis personae\u201c des neunt\u00e4gigen Klinikaufenthalt sind das medizinisch-therapeutische Personal, Mitpatienten im 6-Bettzimmer, am Rande eher geriatrische Schlaganfallpatienten, Patchworkfamilienbesuch. W\u00e4hrend wir von letzteren viel Zugewandtes und Liebevolles erfahren (lassen wir den sauren Kitsch \u00fcber die wundersch\u00f6ne Sophie und die duftenden T\u00f6chterhaare mal au\u00dfer Acht), so versagt Meyerhoff gegen\u00fcber den \u201emitspielenden\u201c Patienten, die ja auch noch auf der B\u00fchne sind und meist viel h\u00e4rter getroffen sind als der Hauptdarsteller. V\u00f6llig empathielos ist da die Rede vom \u201eNosferatu-M\u00e4dchen\u201c, von der \u201eungarischen Bowlingkugel\u201c, vom \u201eWiener Altstrizzi\u201c, die Hilflosigkeit der Lodenmanteleltern beim Besuch des stotternden Sohnes Max m\u00fcsste sich jeder Komik eigentlich entziehen. W\u00e4hrend Meyerhoff die Blase dr\u00fcckt, k\u00e4mpfen andere ums \u00dcberleben. Die Entschuldigung des Autors \u201eDass sich meine Empathie f\u00fcr das Leid der Mitpatienten in Grenzen hielt, wunderte, ja schmerzte mich\u201c (S.96), wirkt angesichts sp\u00e4terer Einlassungen wenig glaubhaft. Da geraten sp\u00e4tere Beobachtungen beim MRT von Geriatriepatienten zum Zynismus: \u201ewar, wer hier wartete, bereits f\u00fcr den ultimativen Abflug eingescheckt\u201c (222) oder wenn der Rehapatientenparcour den doch sehr selbstgef\u00e4lligen Einzelzimmerg\u00e4nger zu der Einsicht bringt: \u201eW\u00e4re ich Geier, w\u00fcrde ich hier kreisen\u201c(252) . Dass es inmitten von Leid auch Raum f\u00fcr Slapstick geben muss (s. Mittagessen mit 300 Schlaganfallpatienten), das ist nicht meine Kritik, es ist sicher sogar \u00fcberlebenswichtig. Aber Meyerhoffs Roman fehlt das Gesp\u00fcr f\u00fcr die Welt hinter Buster Keaton. Schicksale, Auseinandersetzung mit Leid, Schmerz, Tod, Tiefendimensionen \u2013 es gibt viel zu wenige Ans\u00e4tze in diesem Roman, aber vor allem Verdr\u00e4ngen oder eben Sprachbilder, die sich eigentlich verbieten, wenn aus dem Krankenzimmer ein Bett \u201ehinausgeschoben\u201c wird: \u201eGab es hier irgendwo eine Transitzone f\u00fcr letzte Atemz\u00fcge\u201c (193). Gegen\u00fcber Erz\u00e4hlungen anderer Mitspieler im B\u00fchnenst\u00fcck \u201eSchlaganfall\u201c ist Meyerhoff \u00fcbrigens deutlich kritischer als gegen\u00fcber seinen eigenen. So zensiert der Burgschauspieler die Lebensgeschichte der \u201eDame aus Braunschweig\u201c (auch das gesamte Klinikpersonal \u00fcbrigens namenslos, selbst die leicht erotische aufgeladene Neurologin), w\u00e4hrend der Physiotherapiestunde s\u00fcffisant: \u201eIch war beeindruckt, wie monoton sie Katastrophen und Banalit\u00e4ten aneinanderreihte ohne jeglichen Wechsel der Intonation.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich jedenfalls h\u00e4tte mir von einem so sprachgewandten Erz\u00e4hler mehr Wechsel in der Intonation gew\u00fcnscht. Die Tonh\u00f6he Komik wir umfassend bedient, jedliche Tontiefe wird vergeigt.\u00a0 <strong>Note : 4\u00a0<\/strong> (ai) &lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiepenheuer&amp;Witsch | 2020 , 307 Seiten. &gt;&gt; Kein Zweifel, Joachim Meyerhoff kann unterhaltsam schreiben, witzig, kurzweilig, massentauglich. Ein Dauer-Feuerwerk an Metaphern erwartet den Leser. 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