{"id":1428,"date":"2020-07-24T12:53:18","date_gmt":"2020-07-24T10:53:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1428"},"modified":"2020-10-08T21:24:35","modified_gmt":"2020-10-08T19:24:35","slug":"am-tag-davor-sorj-chalandon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1428","title":{"rendered":"Am Tag davor &#8211; Sorj Chalandon"},"content":{"rendered":"<p>dtv\u00a0 2017\/ 2019 | 316 Seiten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1425\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/K1024_Am-Tag-davor-202x300.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/K1024_Am-Tag-davor-202x300.jpg 202w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/K1024_Am-Tag-davor.jpg 768w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/K1024_Am-Tag-davor-688x1024.jpg 688w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/p>\n<p>ISBN 978-3-423-28169-0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Dass sich in diesem Buch eine reale Bergwerkskatastrophe und eine pers\u00f6nliche Trag\u00f6die zugleich ereignen, enth\u00fcllt uns der Autor erst schrittweise gegen Ende des Romans. Nicht nur das ist dramaturgisch perfekt konstruiert. \u00a0Faszinierend wie sich aus der Perspektive des 16 j\u00e4hrigen Michel Flavent das Geschehen des 26. Dezembers und des Grubenungl\u00fccks am 27. Dezember \u00fcberlagern. Und damit stellt sich auf zwei Ebenen die Frage von Schuld und S\u00fchne. Was sich im Schacht 3b von Li\u00e9vin \u00a0ereignet, ist Folge eines Grubengasungl\u00fccks, Profitgier sticht Sicherheit, so ist das Leben 710 m unter Tage. Das ist ein St\u00fcck brilliant recherchierten Bergmannslebens und der Kohleindustrie: Maloche, Kumpelsolidarit\u00e4t neben Vorarbeiterkontrolle, lebenslanger Bedrohung auch nach der Zeche, fast jede Familie hat ein Opfer aber auch dem Stolz eines Berufs, dem die Industrienationen ihren Wohlstand zu verdanken hatten. Was sich aber im Kopf des \u201ePochjungen\u201c, abspielt (auch eine Form von unter Tage), der \u201eam Tag davor\u201c in der Figur des Rennidols Michel Delanet seinen geliebten Bruder Jojo durch einen Mopedunfall verliert, das ist die geniale Geschichte eines Psychogramms, die im Detail Psychoanalytiker zu entr\u00e4tseln verm\u00f6gen. Mit der literarischen Figur des Gef\u00e4ngnispsychiaters Adrien Croizet wird uns im Gegensatz zu den anderen psychologischen Fehlbesetzungen ein w\u00fcrdiger Vertreter des Faches vorgestellt. \u00a0Erst der Prozess nach dem Mordversuch an Lucien Dravelle befreit Michel Flavent aus seinem inneren Gef\u00e4ngnis, das ihm die B\u00fcrde seines Vatersbriefs bisher lebenslang auferlegt hat. \u00dcberhaupt erweist sich der Prozess gegen den inzwischen 57j\u00e4hrigen Michel Flavent auch als Katharsis f\u00fcr den zun\u00e4chst nur als \u201eDreckskerl\u201c wahrgenommenen \u00a0Dravelle, der sich der Verantwortung f\u00fcr die Katastrophe vom 27.Dezember stellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich hat in dem Roman vieles gefesselt und ber\u00fchrt, vielleicht mit am st\u00e4rksten die Geschichte Michel Flavents und einer Frau C\u00e9cile, die in der den Roman abschlie\u00dfenden Traumgeschichte einen Abschluss findet, der auch sprachlich ganz ganz gro\u00dfe Literatur ist und der uns als Leser einen versteckten Wink gibt, dass C\u00e9cile vielleicht doch die wahre Geschichte ihres Michel gekannt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u201eich wei\u00df\u201c bleibt offen und das ist gut so, weil alles, was wir in diesem Roman erfahren, die Erfahrung des Ich-Erz\u00e4hlers Michel Flavent alias Michel Delanet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Note : 1+<\/strong> (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Der Tag davor ist der 26. Dezember 1974, ein Tag vor dem gr\u00f6\u00dften Grubenungl\u00fcck in der Geschichte Frankreichs. Der Tag davor ist auch der letzte Tag einer ungew\u00f6hnlich intensiven Bruderliebe. Im <em>Am Tag davor<\/em> verkn\u00fcpft Chalandon das Bergwerksdrama mit dem Lebensdrama zweier Br\u00fcder. W\u00e4hrend der gr\u00f6\u00dfere Bruder Jojo sein Leben verliert, versch\u00fcttet sein Tod das Dasein des J\u00fcngeren, Michel. 40 Jahre wird er davon verfolgt werden, bis er mit einem Befreiungsmordversuch ansetzt auch sein eigenes Dasein abzuschlie\u00dfen. Erz\u00e4hlt aus dem Munde des J\u00fcngeren, erscheint diese Entwicklung lange Zeit als Vergeltung an den Verantwortlichen des Bergwerksungl\u00fccks und bekommt damit eine sozialpolitische Dimension. In einer literarisch raffinierten Konstruktion \u00fcberrascht der Autor jedoch den Leser mit einer ganz anderen Wahrheit. Die politische Ebene changiert augenblicklich in eine psychologische, an deren Ende das tragische Wechselspiel von Schuld und S\u00fchne regiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sorj Chalandon l\u00e4sst Michel \u00fcber 200 Seiten die von ihm verkl\u00e4rte Lebensgeschichte darlegen, deren offensichtliche Tragik keinen Zweifel erlaubt. Anfang der Siebzigerjahre lebt die vierk\u00f6pfige Familie vom d\u00fcrftigen Ertrag ihrer zukunftslosen Landwirtschaft. Jojo l\u00e4sst sich gegen den erbitterten Widerstand des Vaters als Bergarbeiter rekrutieren. Der vierzehn Jahre j\u00fcngere Bruder Michel verfolgt bewundernd den gro\u00dfen Bruder, der r\u00fchrend den Kleinen umgarnt. Michel teilt die unb\u00e4ndige Lebensfreude wie auch die k\u00e4mpferische Kritik an den t\u00e4glichen Bergbauqu\u00e4lereien. Dann kommt Weihnachten \u00b474. Die Profitsucht der Werksleitung provoziert ein Grubenungl\u00fcck. 42 Bergleute sterben sofort, Jojo wird laut Michel schwer verletzt, seine Eltern werden erniedrigend abgefertigt. Jojo erliegt schlie\u00dflich seinen Brandverletzungen im Krankenhaus. Unter der Hand wird ihm vorgeworfen, bevorzugt in einem wei\u00df-bezogenen Krankenhausbett gestorben zu sein, w\u00e4hrend Kumpel unter Tage verbrannten. Von anderen Ehefrauen wird Jojos Gattin gedem\u00fctigt, die versuche, mit Heulen eine Witwenrente zu ergaunern. Mit gr\u00f6\u00dfter Verbitterung muss Michel wahrhaben, dass der Name seines Bruders nicht auf den Gedenksteinen der Opfer aufgef\u00fchrt wird, weil er zu sp\u00e4t gestorben war. Als schlie\u00dflich aus Verzweiflung auch der Vater sich das Leben nimmt, hinterl\u00e4sst er Michel das Verm\u00e4chtnis, sich im Namen der Familie an der Zeche zu r\u00e4chen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Michels Vertiefung in das Ungl\u00fcck gipfelt in der Errichtung eines Mausoleums. In einer \u00fcber Jahrzehnte angemieteten Garage wird er alle verf\u00fcgbaren Zeitungsartikel, Requisiten und Erinnerungsst\u00fccke sammeln. Es ist der Ort, an dem seine Trauer geb\u00fcndelt und seine grenzenlose Traurigkeit best\u00e4ndig neu belebt wird. Es ist eine Dunkelheit, die sp\u00e4ter seine Frau als zerst\u00f6rerisches Lebensmotiv entlarven wird. Es wird schlie\u00dflich eine Finsternis, in der eine ganz andere Alptraumwirklichkeit Gestalt annimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Michel ist kein Gewaltt\u00e4ter \u2013 im Gegenteil. Der Autor zeichnet ihn als feinf\u00fchligen Charakter mit unendlicher Geduld und grenzenloser Liebe, als er seine Frau C\u00e9cile in den Krebstod begleitet. Sie gab ihm die Kraft das Jugendtrauma gerade noch zu ertragen. Als sie stirbt, ist f\u00fcr Michel der letzte Lebensanker losgerissen. F\u00fcr ihn bleibt nur noch die Schlussrechnung zu begleichen. Chalandon zeichnet dem schauenden Leser ein groteskes Mordgem\u00e4lde, in dem ein nackter, Kohle verschmierter T\u00e4ter auf dem Opfer liegt. In Dravelle hatte Michel Jojos Vorarbeiter gefunden, der die t\u00f6dliche Schlagwetterexplosion mit zu verantworten hatte. Dravelle wird zum Vollzug von Michels Verm\u00e4chtnis. Michel mietet eine billige Absteige im Revier, verkehrt monatelang in altgedienten Bergwerksgastst\u00e4tten bis er schlie\u00dflich auf den invaliden Dravelle st\u00f6\u00dft. Nach mehrmaligen Besuchen zieht er dem lungenkranken Steiger die erstickende T\u00fcte \u00fcber den Kopf. Mit seiner folgenden Selbstanzeige scheinen Vergeltung und Selbstbestrafung vollzogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Chalandon durchbricht an dieser Stelle den gradlinigen Handlungsstrang um einen weiteren Spannungsbogen aufzubauen. Dravelle kann wiederbelebt werden. Was folgt, ist eine \u00fcberaus interessante Prozessdarstellung, weil die Tataufarbeitung einen unerwarteten Verlauf nimmt. Justiz und Presse\u00f6ffentlichkeit reagieren mit angedeutetem Verst\u00e4ndnis, sind Tod von Bruder und Vater doch urs\u00e4chlich verbunden mit kapitalistischer Ausbeutung. Der Mordversuch erscheint damit als erkl\u00e4rbare Verzweiflungstat eines hochgradig traumatisierten Jugendlichen, der aus einer 40j\u00e4hrigen inneren Inhaftierung ausbricht. Dar\u00fcberhinaus bedient die Plausibilit\u00e4t politische und publizistische Grundstr\u00f6mungen der seit dem Bergwerksungl\u00fcck emp\u00f6rten \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So berechtigt die Verurteilung der m\u00f6rderischen Ausbeutung unter Tage ist, so entpuppt sich der Schlagwettertod als L\u00fcge. Michels lebenslanges Passwort ist gef\u00e4lscht. Tats\u00e4chlich tr\u00e4gt Michel selbst die Verantwortung als er Jojo im Laufe eines Mopedunfalls am Tag davor in den Tod lenkt. Als sein Vater ein Jahr darauf Selbstmord begeht, hinterl\u00e4sst er Michel anders als von ihm berichtet eine Nachricht, die jedoch kein Verm\u00e4chtnis ist, sondern eine belastende Erkl\u00e4rung: \u201eIch hatte zwei S\u00f6hne. Einer t\u00f6tete den anderen. Dann wollte ich nicht mehr leben\u201c. Michel fl\u00fcchtet in einen psychischen Ausnahmezustand, der Wahrheit und Fiktion verwischt. Eine psychische Abspaltung, deren genaue Ausformung der Autor jedoch nicht darlegt. Hat Michel tats\u00e4chlich die Realit\u00e4t vollst\u00e4ndig gel\u00f6scht? Offensichtlich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Versuch vierzig Jahre sp\u00e4ter den inzwischen alten invaliden Dravelle zu t\u00f6ten, erscheint vordergr\u00fcndig als Vergeltung \u2013 tats\u00e4chlich zielt er jedoch auf die eigene Verurteilung durch die Justiz. Der Mordanschlag auf Dravelle fungiert dabei als Medium. Den Grund seiner Tat wird er vor Gericht nie nennen, Entschuldigungen wird er nicht vorbringen, um stattdessen mit konsequentem Schweigen seine uneingeschr\u00e4nkte Bestrafung zu erreichen. Formal wird es die Verurteilung f\u00fcr den Mordversuch, intendiert ist die S\u00fchne f\u00fcr die Familienopfer. Seine Anw\u00e4ltin, der er ebenso die Verteidigung seiner Tat untersagt, macht ihm schlie\u00dflich deutlich, dass die seelische Bew\u00e4ltigung nur mit einer Aussprache gelingen wird. So schlie\u00dft das letzte Kapitel mit einem Traum, in dem Michel sich seiner \u00fcber alles geliebten Frau C\u00e9cile offenbart ohne ihre Liebe zu verlieren. Er hatte sie mit der unwahren Geschichte stets im Ungewissen gelassen. Chalandon ist vor dem Hintergrund moralischer Verantwortung nicht nur ein bemerkenswerter Plot gelungen. Im Duktus bleibt der Autor \u00fcberzeugend bei der detailreichen Ausleuchtung des Bergbaus und Gerichtsalltags oder den Charakterdarstellungen von Michel, der C\u00e9cile-\u00e4hnlichen Anw\u00e4ltin, den Gerichtspsychologen bis hin zum argumentationsstarken Staatsanwalt. Auch wenn einige Momente pl\u00f6tzlich schw\u00fclstig aufleuchten wie der s\u00fchnelastige Vergebungsmodus von Dravelle, so bleibt das Werk dennoch sehr lesenswert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch war an Josephs Tod verwelkt. Meine Jugend war alt geworden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Note: 2+<\/strong> (ur)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&lt;&lt; Dieses Meisterwerk habe ich nicht verschlungen, es hat mich verschlungen!\u00a0 Man will es nicht aus der Hand legen. Die Unter \u2013 und Oberwelt der Bergleute im nordfranz\u00f6sischen Kohlerevier wird so eindringlich geschildert, dass einem die Atmosph\u00e4re unter Tage buchst\u00e4blich unter die Haut kriecht. Ein gro\u00dfes Bergwerkungl\u00fcck, bei dem 1974 tats\u00e4chlich 42 Bergleute ums Leben kamen, steht zwar im Zentrum des Romans, aber noch st\u00e4rker ist die psychologisch \u00e4u\u00dferst spannende und von Chalandon sehr klug erz\u00e4hlte Frage um Schuld und Verdr\u00e4ngung und Abspaltung eines Traumas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Note: 1+<\/strong> (\u00fcn) &gt;&gt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&lt;&lt; Tage danach, immer noch unschl\u00fcssig, hin-und hergerissen. Zweifellos ein beeindruckendes Buch: die dramatische Schilderung der \u00fcblen Arbeitsbedingungen unter Tage, das Leben und die Rituale im Gef\u00e4ngnis, die durchkomponierte und spannende Gerichtsverhandlung.<br \/>\nDer ergreifende Tod C\u00e9ciles im Morgengrauen. Das misslungene Volkstribunal der aus Paris angereisten maoistischen Studenten. Gro\u00dfartig geschildert. Aber wie wird das alles zusammengehalten? Nur mit M\u00fche und wenig \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da gibt es einen (gef\u00e4lschten?) v\u00e4terlichen Brief an den j\u00fcngeren Sohn, sich an der Grube f\u00fcr den Tod des \u00e4lteren Sohnes zu r\u00e4chen:\u201cR\u00e4che uns an der Zeche!\u201c. (S.78) Derartiges \u00fcbersteigt mehrfach auch eine gut entwickelte Vorstellungskraft.. Ein Vater erteilt einen, sagen wir mal, alttestamentarischen Racheauftrag. Entfernt Vergleichbares kenne ich nur von sogenannten Ehrenmorden, wo der j\u00fcngste Sohn den v\u00e4terlichen Mordbefehl ausf\u00fchrt. Schlimmer noch und unwahrscheinlicher , der v\u00e4terliche Brief mit der Schuldzuweisung f\u00fcr den Tod des \u00e4lteren Bruders:\u201cIch hatte zwei S\u00f6hne. Einer hat den anderen get\u00f6tet. Dann wollte ich nicht mehr leben.\u201c (S.289) Und die dringende Bitte der Mutter an den Sohn:\u201cZeuge nie ein Kind, Michel! Das tut einfach zu weh.\u201c Was sind das f\u00fcr Elternw\u00fcnsche? Was f\u00fcr eine Familie. Vielleicht h\u00e4tte eine Familienaufstellung helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Michel Flavent vor Gericht. Meistens schweigt er, obwohl hier ja eine Trib\u00fcne f\u00fcr die berechtigte Kritik am Ausbeutersystem w\u00e4re. Verdr\u00e4ngung geht immer. Aber kann man einen Mopedunfall mit Todesfolge v\u00f6llig vergessen, verdr\u00e4ngen? Der zweite gro\u00dfe Block, die Verh\u00f6re, die Gerichtsverhandlung, ist wird von zahlreichen Wiederholungen gepr\u00e4gt. Ein Angeklagter, der seine Verteidigerin darin hindert, f\u00fcr ihn zu pl\u00e4dieren?\u00a0 Die Kr\u00f6nung: Michel Flavent, ein Borderliner, der Lucien Dravelle t\u00f6ten will um f\u00fcr den Mopedunfall mit Todesfolge bestraft zu werden. Krimi?<br \/>\nPsycho total: der halb totgeschlagene Lucien Dravelle, den das an ihm ver\u00fcbte Verbrechen erl\u00f6st hat, weil er wei\u00df, dass seine Nachl\u00e4ssigkeit die Grubenkatastrophe verursacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anspruchsvoller Plot, an dem sich der Autor, schw\u00e4bisch gesagt, verlupft. Dabei ist Chalandon zweifellos ein herausragender Journalist und Rechercheur. Aber seine literarischen Qualit\u00e4ten sehe ich etwas kritischer als viele lobende Literaturexperten von Paris bis T\u00fcbingen. Auch das Literarische ZDF-Quartett applaudierte mit 4:0 Stimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Buch, das 42 verungl\u00fcckten Bergleuten ein Denkmal setzt, ist im Grunde unangreifbar. Und zweifellos war und ist dieser Roman ein Trost f\u00fcr die leidgepr\u00fcften Familien der Toten. Und so gesehen ist er verdienstvoll.\u00a0 <strong>Note. 3+<\/strong> ( ax) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>dtv\u00a0 2017\/ 2019 | 316 Seiten. ISBN 978-3-423-28169-0 &gt;&gt; Dass sich in diesem Buch eine reale Bergwerkskatastrophe und eine pers\u00f6nliche Trag\u00f6die zugleich ereignen, enth\u00fcllt uns der Autor erst schrittweise gegen Ende des Romans. 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