{"id":1364,"date":"2019-12-18T16:19:05","date_gmt":"2019-12-18T14:19:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1364"},"modified":"2021-01-18T10:42:47","modified_gmt":"2021-01-18T08:42:47","slug":"der-sommer-meiner-mutter-ulrich-woelk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1364","title":{"rendered":"Der Sommer meiner Mutter &#8211; Ulrich Woelk"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1363\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/K1024_Sommer_meiner_Mutter-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/K1024_Sommer_meiner_Mutter-191x300.jpg 191w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/K1024_Sommer_meiner_Mutter.jpg 768w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/K1024_Sommer_meiner_Mutter-651x1024.jpg 651w\" sizes=\"(max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/>C.H.Beck 2019 | 189 S.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Es ist durchaus positiv gemeint, wenn ich gleich sage, dass das Buch \u201eleicht\u201c zu lesen war. Auch wenn man schon im ersten Satz erf\u00e4hrt, dass die Mutter des Erz\u00e4hlers im Sommer 1969 Selbstmord beging. Sommer 1969, viele Siebzigj\u00e4hrige erinnern sich da schnell an die erste bemannte Mondlandung, die das Romangeschehen durchg\u00e4ngig begleitet. Zwei recht unterschiedliche Familien lernen sich kennen. Katholiken und Kommunisten werden Nachbarn, interessieren sich f\u00fcr einander, lernen sich sch\u00e4tzen. Don Camillo und Peppone, aber anders. Und zwei Einzelkinder finden zueinander. Der elfj\u00e4hrige (!) Tobias hat das Gl\u00fcck, von der nur zwei Jahre \u00e4lteren Rosa initiiert zu werden. Mit sicherer Hand weist sie ihn in die Anatomie des weiblichen K\u00f6rpers ein. Seine Verwirrung ist so gro\u00df wie seine Neugierde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30 Jahre sp\u00e4ter ist Rosa eine erfolgreiche Autorin. Sexualit\u00e4t spielt in ihren B\u00fcchern eine zentrale Rolle. Sie erkennt Tobias nicht. Die Dialoge sind so wie Alltagsgespr\u00e4che h\u00e4ufig sind. Tendenziell eher banal. Kann ja auch ein Stilmittel sein. Dies gilt nicht f\u00fcr das Mutter-Sohn-Gespr\u00e4ch nach der Trennung der Eltern im Schlussteil des Romans. Am Verhalten der Mutter sp\u00fcrt der Junge, wie viel Macht er \u00fcber sie hat. Er will ihr wehtun und weist sie zur\u00fcck. Dieses Gespr\u00e4ch d\u00fcrfte der Schl\u00fcssel f\u00fcr den Suizid der Mutter sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von einer Inhaltsangabe m\u00f6chte ich absehen, da diese von meinen drei Lesefreunden sicherlich detailreich und optimal geliefert werden wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterm Strich: Ganz anders als Tobias hat mich die Mondlandung damals nicht vom Sockel gerissen. Auch 50 Jahre sp\u00e4ter nicht. Aber beim Lesen habe ich mich nicht gelangweilt. Ob das ein Kriterium f\u00fcr\u00a0 literarische Wertung ist? Leo Spitzer kann man nicht mehr fragen. <strong>Note: 2\/3<\/strong> (ax) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Der Eingangssatz offenbart: Die b\u00fcrgerlich-spie\u00dfige Einfamilienhausatmosph\u00e4re im Hause Ahrens tr\u00fcgt und mit dem Auftritt der vermeintlich flotten 68er Familie Leinhard ger\u00e4t so manches aus den Fugen. So wird ein Satz der 13j\u00e4hrigen fr\u00fchreifen Rosa gegen\u00fcber dem 11j\u00e4hrigen Ich-Erz\u00e4hler Tobi, dass hinter den Fernstern der Nachbarn mehr geschieht als auf dem Mond im Nachhinein zum Schl\u00fcsselsatz des Romans. Die wirklichen Entdeckungen liefert der Mikrokosmos und mit ihnen auch die Br\u00fcche von Rollenmustern, Weltbildern und Ideologien. Das wird aus der Perspektive des sich seiner Kindheit erinnernden Ich-Erz\u00e4hlers authentisch ohne hohen literarischen Anspruch erz\u00e4hlt. Es sind Momentaufnahmen, die sich zu einem stimmigen Mosaik zusammenf\u00fcgen und die die Welt des 11j\u00e4hrigen zunehmend verwirren. Die erste Jeans von Tobi ist zugleich der erste noch unterdr\u00fcckte Emanzipationsversuch der Mutter. Ein zuf\u00e4llig belauschter Streit der Eltern \u00fcber \u201ejenes Es\u201c offenbart Abgr\u00fcnde, die Tobi zun\u00e4chst nur sehr diffus wahrzunehmen vermag. Dass Tobias im Schlafzimmer Rosas wenig sp\u00e4ter seine erotische Initiation erf\u00e4hrt mit der er wesentlich unbeholfener umzugehen wei\u00df als mit der bevorstehenden Apollomission zeigt einmal mehr, welch Unsicherheiten sich bei der Entdeckung des eigenen K\u00f6rpers auftun. Geradezu tragisch verh\u00e4lt es sich mit dem coming out Evas und Uschis, dessen Zeuge Tobi gerade in dem Augenblick wird, wo er sich aus Rosas Schlafzimmer davonschleicht, -im Zweifel ob \u201ees\u201c denn ihr gefallen hat, um doch noch n\u00e4chtens die Landung auf dem Mond zu verfolgen. Die Apollomission gl\u00fcckt, irdische Beziehungen werden zerrissen. Weder der katholische Vater Walter Ahrens noch der vermeintlich libertin\u00e4re \u201eKommunist\u201c Wolf Leinhard sind den ver\u00e4nderten Umst\u00e4nden gewachsen. Moralische Verurteilung (sie war \u201eanders\u201c, \u201eals Mutter und Ehefrau versagt\u201c), gesellschaftliche Isolation (es hatte sich herumgesprochen \u201ewas f\u00fcr eine\u201c sie war), Isolation der Mutter (Liebesentzug auch durch Tobias), vom Vater geforderte Scheidung, das ist der eine Weg, er endet f\u00fcr Eva im Suizid. Pseudointellektueller Diskurs der Verletztheit \u00fcberspielt, Ehemann als Revolution\u00e4r betrogen, weil Uschi sich zur Ehe statt zur lesbischen Liebe bekannt hat, Trennung ob vor\u00fcbergehend oder endg\u00fcltig bleibt offen, belegt aber durch Wikipediaeintrag Wolf Leinhards Karriere in Oxford , das ist der andere Weg. Woelk erz\u00e4hlt eine tragische Emanzipationsgeschichte und eine ber\u00fchrende Adoleszenzgeschichte und \u00fcbernimmt dabei \u00fcberwiegend stimmig die Perspektive des 11j\u00e4hrigen Tobias. Das ist eine Gradwanderung, die mit dem Rosetta Schlu\u00dfkapitel und einer sp\u00e4ten Rosa Begegnung des jetzt 49j\u00e4hrge Erz\u00e4hler nochmals eine neue auch erz\u00e4hlerische Dimension erh\u00e4lt. Im Roman v\u00f6llig entbehrlich Geplauder bei Onkel und Tanten samt Kriegsgeschichten und Krocketspielchen. <strong>Note: 2\/3<\/strong> (ai)&lt;&lt;<\/p>\n<p>&gt;&gt; Dem ersten Satz eines Romans geh\u00f6rt immer die besondere Aufmerksamkeit des Autors und auch des Lesers. Ulrich Woelk zieht in diesem Roman offensichtlich das Herz Ass aus der Anleitung zum Creativ Writing: Er k\u00fcndigt im ersten Satz nichts weniger als den Selbstmord der Mutter des Ich-Erz\u00e4hlers an. \u00a0Das erzeugt Spannung, die bis zum Ende anhalten soll. Eigentlich nichts Verwerfliches, wenn die literarische Qualit\u00e4t des Romans mit diesem Aufschlags-Ass mithalten k\u00f6nnte. Inhaltlich geht es (wieder einmal) um das coming of age eines 11-j\u00e4hrigen Ich Erz\u00e4hlers, Tobias, der durch die neu in die Nachbarschaft gezogene 12-j\u00e4hrige, sehr fr\u00fchreife Rosa, eine kundige Einf\u00fchrung in die Sexualit\u00e4t erf\u00e4hrt. All dies auf dem Hintergrund der Apollo Mission 1969 und den gesellschaftlichen Umbr\u00fcchen, die sich an der Familie des Jungen einerseits und an der Familie von Rosa widerspiegeln sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im ersten Kapitel gelingt es Woelk noch ganz gut, die zarten Emanzipationsversuche von Tobis Mutter in einem Jeansladen zu schildern. Aber schon im zweiten Kapitel passiert, das, was sich leider durch den Rest des Romans zieht: \u00a0Sehr schlechte, unglaubw\u00fcrdige Dialoge, die sich dazuhin noch viel zu oft durch kursiv Schreibungen aufladen m\u00fcssen. Was Rosa da teilweise zum Besten gibt, ist auch f\u00fcr eine fr\u00fchreife 12-j\u00e4hrige Ende der 60 er Jahre vollkommen daneben. (\u201eIch m\u00f6chte nicht, dass du den Mond verlierst, den Mond in dir, nicht den da drau\u00dfen\u201c). (\u201eDu findest es lustig, aber es ist die bittere Wahrheit, die K\u00fcche ist f\u00fcr Frauen ein Gef\u00e4ngnis\u201c).\u00a0 Auch die Dialoge des 11-j\u00e4hrigen sind oft kaum ertr\u00e4glich. (Zitate erspare ich mir). Die im Fernsehen verfolgte Mondlandung erscheint als platte Metapher (\u201eFly me to the moon\u201c) f\u00fcr die erfolgreiche Landung von Tobias auf dem f\u00fcr ihn neuen Planeten der Sexualit\u00e4t und dann- \u00dcberraschung &#8211; auch noch f\u00fcr die Mutter von Tobias, die er zuf\u00e4llig mit der Mutter von Rosa in einer erotischen Punktlandung erwischt. Dies letztendlich auch der Grund f\u00fcr deren Selbstmord, da der Junge ihr dies kurzfristig nicht verzeihen mag und zu seinem Vater ziehen m\u00f6chte, der seine Mutter auch verlassen hat. Das schwappt dann doch allzu oft \u00fcber die Kitschgrenze.\u00a0 Als der Vater von Rosa seine Frau nach dem Seitensprung ebenfalls verl\u00e4sst mit der Begr\u00fcndung, sie habe ihn als Revolution\u00e4r entt\u00e4uscht, schlicht eine Lachnummer. Dass das Ganze noch sehr stereotyp und etwas penetrant mit den Accesoires der Sechziger Jahre ausgestattet wird, wie 2 CV, Gitanes, Volvo, Nordmende Fernseher, Bloch, Adorno, Janis Joplin, The Doors, ..wirkt auf Dauer zu gewollt und letztlich auch erm\u00fcdend. <strong>Note. 5+ <\/strong>(\u00fcn)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Der Sommer 1969 ist einer jener Zeitpunkte, der auch dort nach Ver\u00e4nderung dr\u00e4ngt, wo die Zeit noch nicht reif ist. Und weil sie noch nicht reif ist, ebnen Katastrophen sich ihren Weg. Ulrich Woelks Ich-Erz\u00e4hler Tobias ist zu diesem Zeitpunkt unbefangene elf Jahre alt. F\u00fcr ihn bewegt sich die Welt in geordneten Bahnen. Auf einer dieser Ellipsen kreist der Erdtrabant \u2013 f\u00fcr die Menschheit, die ihn jetzt betreten will. Auch Tobias schaut gebannt auf den Mond. Ein Orientierungspunkt, den er schon am Ende dieses Sommers verlieren wird.<br \/>\nEine Vorausmission umfliegt den Mond, soll jedoch nicht landen. Erst Apollo 11 wird Neil Armstrong bringen. Tobias wird belehrt, dass im Leben ebenso manche Dinge, denen man schon nahe ist, unber\u00fchrt bleiben m\u00fcssen. Wenig sp\u00e4ter wird seiner Mutter vorgeworfen, diese Regel missachtet zu haben. Sie bestraft sich darauf mit dem Tode. Ein Tod, den alle n\u00e4hren, weil sie an den hergebrachten Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten haften wie an astronomischen Grunds\u00e4tzen.<br \/>\nWir blicken durch die Augen des Jungen auf ein geordnetes Mittelstandsmilieu, in dem die wohlgelittene Rollenverteilung Mutter Eva K\u00fcche und Kind zuweist, w\u00e4hrend Vater Walter als Ingenieur das Einkommen herbeischafft. Mit seiner gesch\u00e4tzten Mutter erlebt Tobias die Welt, sein bewunderter Vater erkl\u00e4rt ihm wie sie funktioniert. Erst als neue Nachbarn neue Weltsichten in ihren Kosmos tragen, werden unumst\u00f6\u00dflich geglaubte Gravitationsfelder umgepolt.<br \/>\nDie Nachbarn sind sympathisch, offen und \u00fcberzeugte Kommunisten. Er (Wolf Leinhard) Hochschuldozent im Geiste Adornos, Philosoph und Grenzg\u00e4nger zwischen Marxismus und Psychoanalyse. Sie (Uschi) \u00dcbersetzerin amerikanischer Kriminalromane. Die fr\u00fchreife Tochter (Rosa, 12) benannt nach Rosa Luxemburg. Trotz gegens\u00e4tzlicher Anschauungen finden die Nachbarn Gefallen aneinander. Bei Gartenfesten bilden sich ungezwungen gemischte Paare, deren untergr\u00fcndige Erotik die Tochter beunruhigen, wohingegen Tobias in kindlicher Schlichtheit lediglich die zugewandten Nettigkeiten der Erwachsenen wahrnimmt.<br \/>\nUschi \u00fcberzeugt Eva, die Urmutter, der Selbstverwirklichung Raum zu geben und ebenso mit Roman\u00fcbersetzungen etwas f\u00fcr das eigene Selbstwertgef\u00fchl zu tun. Ihr Gatte Walter reagiert mit Unverst\u00e4ndnis und bef\u00fcrchtet Nachl\u00e4ssigkeiten im Haushalt. Dennoch h\u00e4lt seine Ablehnung sie nicht auf. Evas Wandlung spiegelt bereits die Entfremdung der Eheleute. Als die Nacht der Mondlandung auch mit der Ann\u00e4herung der beiden M\u00fctter \u00fcberrascht, kollabieren die Umlaufbahnen der Familien. Tobias ger\u00e4t zuf\u00e4llig in das erotische Spiel der beiden angetrunkenen Frauen. Unter der Schwerkraft seiner einst\u00fcrzenden Wertewelt verliert er den Halt. Als die Aff\u00e4re der M\u00fctter publik wird, k\u00fcndigen beide Ehem\u00e4nner das Familienleben auf. Die Begr\u00fcndungen des b\u00fcrgerlich-katholischen und des revolution\u00e4r-marxistischen Ehegatten fallen unterschiedlich aus, der emotionale Ausgangspunkt scheint der gleiche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Evas Versuche, sich in der einsetzenden Isolierung zu behaupten, scheitern durchweg an den sie ablehnenden Reaktionen ihrer Umgebung. Der Gatte zieht augenblicklich aus. Die angedrohte Scheidung soll ihr das Sorgerecht entziehen. Die Verwandtschaft \u00e4chtet sie. Der erbetene Arbeitsplatz zur Selbstversorgung wird ihr aus moralischen Gr\u00fcnden verweigert. Die Leinhards und damit auch Uschi verlassen den Ort. Als letztlich ihr Sohn sich von ihr abwendet, greift sie zu E605, das so zuverl\u00e4ssig Sch\u00e4dlinge abt\u00f6tet. Begleitet vom sich anbahnenden Coming-out der Mutter erlebt auch Tobias seine Initiation. Die \u00e4u\u00dferst aufgeweckte Rosa definiert beim Anblick seines amerikanischen Raketenmodells nicht nur die politische Schuld im Vietnamkrieg, sondern entwirft auf ihrem feuchten K\u00f6rper auch Bundstiftwelten f\u00fcr den verwunderten Buben. Tastexpeditionen entlang erogener Zonen vermitteln Tobias eine bisher unbekannte Gef\u00fchlstopographie. Mit geschlossenen Augen l\u00e4sst er sich leiten, wobei Rosas entschlossene Behutsamkeit Tobias\u00b4 pubert\u00e4re Schuldempfindung verdr\u00e4ngt. W\u00e4hrend sich hier also die zun\u00e4chst als unangemessen empfundene Sexualit\u00e4t ihren Weg bahnt, kann Tobias die erotischen Neigungen seiner Mutter weder einordnen noch verkraften. Als er sie in kindlicher Einfachheit verurteilt, treibt die einsame Verzweiflung Eva in den Suizid. Eine offensichtliche Kausalit\u00e4t, die Tobias fortan verfolgen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Sommer meiner Mutter<\/em> ist beides: der sich verdunkelnde, eingangs helle Seelensommer des elfj\u00e4hrigen Tobias und vor allem das psychosoziale Drama seiner Mutter, der dieser das Leben kostet. Uschis Ehegatte hatte zuvor philosophiert: Finde dich selbst und trage die Folgen. Nicht das Gl\u00fccklich- sein ist das Ziel, sondern wahrhaftig zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende des Romans l\u00e4sst Woelk den erwachsenen Tobias Rosa als inzwischen avancierte Schriftstellerin begegnen. In ihren Romanen verirren sich die Protagonisten auf der hoffnungslosen Suche nach emotionalem und erotischem Halt \u2013 und dies, obwohl die gesellschaftliche Entwicklung erkennbar vorangeschritten ist. Vielleicht ein Ausdruck der eigenen widerstreitenden Sozialisation. F\u00fcr Tobias schlie\u00dft sich ein anderer Kreis. Als Wissenschaftler des europ\u00e4ischen Raumfahrtprogramms ist es auch sein Verdienst, dass 2016 die Raumsonde Rosetta nach zehn Jahren Flug erfolgreich auf den Kometen Tschuri trifft. Dass die Landung letztlich missgl\u00fcckt, bleibt fast nebens\u00e4chlich, denn der Weg dorthin war bereits erkenntnisreich.<br \/>\nWoelks Werk ist feinf\u00fchlig und gradlinig in der Darstellung, Sprach- und Gedankenwelten des Jungen sind \u00fcberzeugend getroffen, die Unbedarftheiten und treibenden Gef\u00fchle am Anfang seiner Pubert\u00e4t gl\u00e4nzend eingefangen wie etwa in seiner Beobachtung von Rosas orgastischer Erregung: \u201eIrgendetwas war geschehen &#8211; m\u00f6glicherweise das Richtige\u201c. Die literarische Kunst der glasklaren Unsch\u00e4rfe. Der kindliche Blickwinkel auf einen widerspr\u00fcchlichen Gesellschaftsmoment, in dem moralische Tradition und emanzipatorische Zukunft kollidieren, f\u00fcgt sich in das B\u00fchnenbild eines technologischen Zukunftssprungs. <strong>Note: 2<\/strong> (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>C.H.Beck 2019 | 189 S. &gt;&gt;Es ist durchaus positiv gemeint, wenn ich gleich sage, dass das Buch \u201eleicht\u201c zu lesen war. Auch wenn man schon im ersten Satz erf\u00e4hrt, dass die Mutter des Erz\u00e4hlers im Sommer 1969 Selbstmord beging. Sommer &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1364\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1364"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1364"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1501,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1364\/revisions\/1501"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}