{"id":131,"date":"1999-04-30T17:33:58","date_gmt":"1999-04-30T15:33:58","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=131"},"modified":"2023-11-22T18:27:46","modified_gmt":"2023-11-22T16:27:46","slug":"philip-roth-portnoys-beschwerden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=131","title":{"rendered":"Portnoys Beschwerden &#8211; Philip Roth"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/portnoy.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-133\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/portnoy-182x300.jpg\" alt=\"Philip Roth- Portnoys Beschwerden\" width=\"182\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/portnoy-182x300.jpg 182w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/portnoy.jpg 434w\" sizes=\"(max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/a><em><strong>rororo 1967\/1970, 185 Seiten.<\/strong><\/em><\/p>\n<p align=\"justify\">&gt;&gt;Alex Portney ist Sohn einer kleinb\u00fcrgerlichen j\u00fcdischen Familie in New Jersey der sp\u00e4ten Nachkriegszeit. \u00dcberbesorgte, dominante Mutter; unter Verstopfung leidender Vater und \u00fcbereifriger Versicherungsvertreter und blasse, \u00e4ltere Schwester Hannah. Alex ist ansehnlich, weitgehend gehorsam und mit Intelligenz gesegnet. Seine \u00e4u\u00dfere Anpassung l\u00e4sst ihn zwei Klassen \u00fcberspringen, das beste Jura Examen machen und fr\u00fch Mitglied eines Senatsausschusses werden. Im Gegensatz dazu spiegelt seine F\u00fchrungsrolle im New Yorker Ausschusses f\u00fcr soziale Ungerechtigkeit die nicht ruhende innere Opposition wider &#8211; symbolisch f\u00fcr den Aufruhr auf dem konfliktgeladenen, famili\u00e4ren Schauplatz.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fr\u00fch entwickelt sich eine gef\u00fchlsverarmte, besessene Hypersexualit\u00e4t als Kompensation, innere Immigration (Onanie) und als entstellter Angriff gegen m\u00fctterliche Unterdr\u00fcckung und moralische Normen. Wilde erotische Phantasien und Praktiken durchziehen die Jugend. Aff\u00e4ren im College lassen f\u00fcr Alex kurz das \u00fcberraschende Erleben naturbelassener Gef\u00fchle aufleuchten, ohne aber seine Seele dauerhaft zu erhellen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine erotischen Ausfl\u00fcge werden vor allem durch Mary Jane Reed gepr\u00e4gt. Sie wird bezeichnenderweise \u201e\u00c4ffchen\u201c genannt &#8211; wegen der ausgepr\u00e4gten Vorliebe f\u00fcr \u201eBananen\u201c, i.e. Penisse. \u00c4ffchen ist der Gegenpol zu Alex, Agonist und Antagonist in einem. Gemeinsam ist beiden die sexuelle Fantasie und Begierde. Verschieden sind sie in der gesunden Authentizit\u00e4t versus pathologischer Symptomatik. W\u00e4hrend \u00c4ffchen Erotik als zwangloses Gl\u00fcck leben kann, ist es f\u00fcr Alex ein zwanghaftes Ungl\u00fcck mit Suchtcharakter. Das \u00c4ffchen ist so attraktiv wie naiv, Aufsehen erregend aber d\u00fcmmlich. Auf ihrer Suche nach Geborgenheit und Anerkennung ihres eigentlichen Wesens (und nicht nur ihrer Formen), bietet sie Alex eine Plattform, seine Emotionslosigkeit und Liebesarmut zu \u00fcberkommen. Er bleibt jedoch hilflos in sich gefangen und konfrontiert sie statt dessen mit Anstandsregeln, Vorhaltungen und Erbauungsliteratur (!), um sie gesellschaftsf\u00e4hig zu machen. So bleibt die gemeinsame Sprache der Erotik ungenutzt, um potenziell verbindende Themen in Worte zu fassen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ursprung von Alex kompensatorischer Hypersexualit\u00e4t ist die zwiesp\u00e4ltige Mutterbindung, aus der er sich nicht befreien kann. Die Mutter jongliert mit \u00f6dipaler Ann\u00e4herung (Pinkeln beibringen), peniblen Hygienezwang, Leistungsanerkennung einerseits und moralischer Ausgrenzung bis hin zur Drohung seiner famili\u00e4ren Verbannung andererseits. In diesem Netzwerk verf\u00e4ngt sich Alex. Bedrohlich umkreisen ihn die Bilder vom Selbstmord des Pianistenkindes aus dem Bekanntenkreis. Auch hier war die Familienkonstellation sehr \u00e4hnlich. Ersch\u00fctternd dabei auch die \u00f6ffentlich vorgetragene Selbstl\u00fcge, der Junge h\u00e4tte seine Mutter \u00fcber Ma\u00dfen geliebt. \u00dcberschattet wird das famili\u00e4re Zerw\u00fcrfnis von einer restriktiven j\u00fcdischen Religiosit\u00e4t, die Alex als versuchter \u201eKommunist\u201c im rebellischen Alter von 14 Jahren auf das heftigste angreift. Sp\u00e4ter stellt er diese Ablehnung mit einer aussichtslosen Reise nach Israel, dem Land seiner religi\u00f6sen Heimat, auf den Pr\u00fcfstand. Die Folgen beider Einfl\u00fcsse von Mutter und Moral bleiben jedoch niederschmetternd: sexuelle Besessenheit mit\/trotz Impotenz und Kastrations\u00e4ngsten k\u00f6nnen nicht getilgt werden.<br \/>\nMit gro\u00dfem Wissen von sich selbst und ehrlichen Genesungsabsichten berichtet Alex diese seine Geschichte als teils einfallsreichen Monolog auf der Couch des Psychiaters Spielvogel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprachlich nicht ohne Reiz, teils vulg\u00e4r, teils mit deutlichen Macho Akzenten. Dennoch lesenswert (f\u00fcr M\u00e4nner?). <strong>Note: 2 \u2013<\/strong> (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<p align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>rororo 1967\/1970, 185 Seiten. &gt;&gt;Alex Portney ist Sohn einer kleinb\u00fcrgerlichen j\u00fcdischen Familie in New Jersey der sp\u00e4ten Nachkriegszeit. \u00dcberbesorgte, dominante Mutter; unter Verstopfung leidender Vater und \u00fcbereifriger Versicherungsvertreter und blasse, \u00e4ltere Schwester Hannah. 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