{"id":1271,"date":"2019-05-29T15:33:05","date_gmt":"2019-05-29T13:33:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1271"},"modified":"2019-07-15T08:51:30","modified_gmt":"2019-07-15T06:51:30","slug":"troll-michael-hvorecky","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1271","title":{"rendered":"Troll \u2013 Michael Hvorecky"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1270\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/K1024_Troll-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/K1024_Troll-184x300.jpg 184w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/K1024_Troll.jpg 768w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/K1024_Troll-627x1024.jpg 627w\" sizes=\"(max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/>Tropen 2018 | 213\u00a0 Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Trolle verbreiten als virtuelle Medienidentit\u00e4ten unter vorget\u00e4uschten Profilen Falschmeldungen im Netz, um gezielt \u00f6ffentliche Stimmungen zu manipulieren. Trolle arbeiten vereinzelt oder organisiert &#8211; auch als regimegesteuerte Machtinstrumente. Der Schauplatz des Romans darf in einem diktatorisch gef\u00fchrten Ostblockland verortet werden, in dem Falschnachrichten und Wahrheiten untrennbar miteinander verschmolzen werden. Vielleicht ist es die Zukunft der slowakischen Heimat des Autors. Technisch ist es jedoch die staatenlose Gegenwart. Im Mittelpunkt steht der Ich-Erz\u00e4hler, dessen Ambition es ist, die manipulativen L\u00fcgenmaschinen des Internets zu entlarven. Das politisch anmutende Ziel tr\u00e4gt auch Vergeltungsz\u00fcge und wird ebenso aus pers\u00f6nlichen Verlustmotiven der beiden Hauptfiguren gespeist.<br \/>\nDer Erz\u00e4hler ist Sohn einer wohlhabenden Familie, die zu den wenigen Gewinnern des Regimes nach einem Hybridkrieg in der Post-EU-Phase geh\u00f6rt. Die Eltern entfremden sich. Der Vater fl\u00fcchtet mit dem \u00e4lteren Bruder des Ich-Erz\u00e4hlers in den europ\u00e4ischen Westen, worauf Ehefrau und zur\u00fcckgelassener Sohn in eine anhaltende Krise st\u00fcrzen. Eine fehlende Masernimpfung l\u00e4sst den \u00fcbergewichtigen, h\u00e4sslichen Jungen schwer erkranken und f\u00fcnf Jahre in maroden Krankenh\u00e4usern dahinvegetieren. Das politische System hat die Gesundheitsversorgung zusammenbrechen lassen. W\u00e4hrend dieser Zeit lernt er die drogenabh\u00e4ngige Johanna kennen, der mit Willensst\u00e4rke ein Selbstentzug gelingt. Beide Schicksalsverlierer schlie\u00dfen sich zusammen und planen, die L\u00fcgen des Systems und seine Manipulationsmaschinerie ins \u00f6ffentliche Bewusstsein zu r\u00fccken. Johanna ist die versierte Treiberin. Zutiefst renitent und intelligent entwickelt sie Strategien, verteilt die Rollen und wird zur einzigen Freundin im isolierten Leben des Jungen. Es ist eine Symbiose, in der beide Auss\u00e4tzige sich gegenseitig Halt in einer haltlosen Situation geben.<br \/>\nDas erste der beiden Buchkapitel zeichnet die Pers\u00f6nlichkeitsbilder der beiden Hauptfiguren in den erb\u00e4rmlichen Niederungen einer in sich zusammengebrochenen Gesellschaft. Willk\u00fcr und Gewalt, Armut und Chaos bestimmen das Dasein. Auch der aufgedunsene Junge entwickelt niedertr\u00e4chtige Z\u00fcge begleitet von einer Fresssucht, zu deren Befriedigung er den anderen Heimgenossen die letzten Krumen stiehlt. Bizarre Sanatoriumsrituale absurder Patientengruppen vermitteln den Eindruck eines b\u00f6sen M\u00e4rchens. Es ist ein Milieu, in dem die beiden Protagonisten nur m\u00fchsam zu Helden der Moderne reifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zweite Kapitel beschreibt den Widerstandskampf in der De-Informationszentrale des Internetagitators Valys. Die gel\u00e4uterte Johanna und der inzwischen 20-j\u00e4hrige Junge haben sich nicht nur intensiv fortgebildet und ausgefeilte IT-Kenntnisse angeeignet, sie beherrschen auch Fremdsprachen und verf\u00fcgen \u00fcber umfangreiche Sachkenntnisse, um in gesellschaftlichen Debatten Paroli bieten zu k\u00f6nnen. Mit diesen Kompetenzen gelingt es ihnen eine Anstellung in Valys ber\u00fcchtigter Troll-Fabrik \u00a0zu erhalten.<br \/>\nT\u00e4glich werden Scheinkonflikte definiert wie die vermeintliche gemeinsch\u00e4dliche Ausbeutung des nationalen Gesundheitssystems durch angeblich parasit\u00e4re Roma-Horden. Die \u00f6ffentliche Diskussion beginnt typischerweise mit einer schlichten Sachdebatte, die zunehmend mit tendenzi\u00f6sen Stellungnahmen fortgesetzt wird, um dann in pers\u00f6nliche Angriffe gegen beteiligte Blog-Diskutanten \u00fcberzuleiten bis schlie\u00dflich ein von Hass bestimmter Erregungszustand erreicht wird, in dem sich ohne weiteres Zutun die wachsende Zahl der <em>Blog-Follower<\/em> gegenseitig zerfleischen. Das immer wieder zelebrierte Chaos liefert letztlich Vorschub f\u00fcr den Ruf nach einer autorit\u00e4r ordnenden F\u00fchrung. Um den anf\u00e4nglichen Diskurs unauff\u00e4llig zu gestalten, werden in der Troll-Fabrik Pro- und Contra-Rollen verschiedenen Mitarbeitern zugeordnet bis schlie\u00dflich externe Webteilnehmer auf die Kontroverse aufmerksam werden und die Auseinandersetzung selbstst\u00e4ndig versch\u00e4rfen. Die Aktivit\u00e4ten der Troll-Fabrik wirken umso glaubw\u00fcrdiger, da die Troll-Diskutanten mit nachvollziehbaren Profilen auftreten. Zu diesem Zweck gibt sich ein Troll-Mitarbeiter je nach Kompetenz ein bis 30 Identit\u00e4ten von der einsamen Witwe, die in ihrem Leben nach Gewissheit sucht oder dem \u00e4lteren Herren, der mit vers\u00f6hnlicher Nonchalance die Welt beurteilt bis hin zum nassforschen BWL-Studenten, gest\u00e4hlt im eigenen Reihenhaus-Fitnesskeller, mit authentischem Fremdenhass und t\u00e4towierter Freundin. Alles \u00fcber Monate im Netz sorgsam vorbereitet und auf \u00f6ffentlichen Servern mit umfassendem Bildmaterial hinterlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ich-Troll entwickelt sich zum Vorzeigeaggressor, der sich durch eine besonders gro\u00dfe Zahl und Vielfalt von Pseudoprofilen eine unumst\u00f6\u00dfliche Spitzenposition in der Fabrik erarbeitet. In der naiven \u00d6ffentlichkeit wird er zum <em>Blogger<\/em> mit den meisten <em>Hates<\/em>. Die legend\u00e4ren Hasstiraden treiben schlie\u00dflich aufgebrachte Menschenmassen auf die Stra\u00dfen. Puppen mit seinem allseits bekannten Erscheinungsbild werden verbrannt. Hysterische Rufe ihn zu lynchen schallen durch die H\u00e4userschluchten. Es gibt die aufgekl\u00e4rte \u00d6ffentlichkeit also doch, auch wenn sie gef\u00e4hrdet ist. Verbunden mit einer Emp\u00f6rungskultur scheint sie f\u00fcr wahre wie f\u00fcr unwahre Nachrichten gleicherma\u00dfen empf\u00e4nglich. Unbeirrt entwickelt er immer einflussreichere Kampagnen, die am Ende noch nicht einmal das offene Auftreten der Agitatoren in der \u00d6ffentlichkeit scheuen. Eine legend\u00e4re Roadshow soll die \u00dcberzeugungsarbeit der Agitatoren vertiefen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als verfeindete Gruppen auch die Troll-Fabrik ins Visier nehmen, verd\u00e4chtigt der Ich-Erz\u00e4hler Johanna als Urheberin, worauf sie verhaftet wird. Er hingegen wird als unumst\u00f6\u00dflich loyal gefeiert. Das Geschw\u00fcr des Trolling hat seinen Organismus \u00fcberwuchert. Johanna hatte dies als Notwendigkeit vorausgesagt, auch wenn unklar blieb, wie dadurch das L\u00fcgensystem entlarvt werden sollte. Die Lawine der Denunzierungen und \u00f6ffentlichen Anfeindungen l\u00e4sst schlie\u00dflich die Troll-Fabrik kollabieren. Die Wirkung ist deshalb so umfassend, weil Johanna in weiser Voraussicht Verleumdungsnachrichten \u00fcber ihre Person mit einem F\u00e4lschungshinweis im Auto-Publishing-Modus selbst ins Netz gestellt hatte. Als die Troll-Beschuldigungen \u00fcber ihren Verrat erscheinen, ist die Blog-Gemeinde bereits gewarnt. Der \u00f6ffentliche Zorn kehrt sich um und richtet sich fortan gegen den wahren Troll-Apparat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsetzt von der eigenen Niedertracht und um der schuldbeladenen Vergangenheit zu entkommen, l\u00e4sst der Ich-Erz\u00e4hler an sich einen k\u00f6rperlichen Gestaltwandel vollziehen. Chirurgische Eingriffe entstellen ihn bis zur Unkenntlichkeit, verfremden seine Stimme und verf\u00e4lschen seine Fingerabdr\u00fccke. Die konsequente Verst\u00fcmmelung ist auch ein Schuldbekenntnis. Er kehrt das urspr\u00fcnglich innere in ein \u00e4u\u00dferes Monster. W\u00e4hrenddessen kommt es zum Systemumsturz. Zu guter Letzt f\u00fchrt der Autor das Monster und die befreite Johanna wieder zusammen. Ihre neue, selbst gestellte Aufgabe lautet: Valys Desinformationsfabrik in eine Anti-Troll-Einrichtung umzugestalten. Das aufkl\u00e4rerische Happyend mit moralisierender Deklaration samt eingestreutem Vaclav Havel-Zitat wirkt jedoch etwas bem\u00fcht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In jedem Fall erhellend bleiben die Systembeschreibungen der demagogischen <em>Fake News-<\/em> Produktion, die trotz der literarischen Ausmalung \u00fcberzeugend realistisch sind. Erhellend auch die Darstellung des Suchtpotentials f\u00fcr die individuellen Trolle, das vom Machterleben suggestiver Meinungsmanipulation ausgeht. Ein mittelpr\u00e4chtiger schriftstellerischer Wurf im Duktus eines gut-gemeinten Gegenwartm\u00e4rchens.<br \/>\n<strong>Note: 2\/3<\/strong> (ur) &lt;&lt;<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Das Buch beginnt mit dem Ende. Das Tableau \u2013 eine Welt ohne Fakten \u201eEchte Anarchy in the UK. In Europa, in den USA\u201c \u2013Desinformationskrieg in Osteuropa unter der Herrschaft eines \u201eSystems\u201c. Der Protagonist der Geschichte ist nach der vermeintlich heldenhaften Zerschlagung des \u201eSystems\u201c zur \u00f6ffentlichen Hinrichtung ausgeschrieben. Alles bleibt diffus aber man vermutet das \u201eSystem\u201c hat \u00fcberlebt. Einzig Rekonstruktionsmedizin und die K\u00fcnste der Dysphonie scheinen den Maskenmann vor einem grotesken Lynchprozessionszug zu retten. Da f\u00e4hrt der Autor alles auf, was diese Gesellschaft zu bieten hat und was ihm nicht passt: Vereint sind Linke und Rechte, Reichsb\u00fcrger, Priester in Kutten, Naturheiler, Hom\u00f6opathen, Veteranen des vergangenen Krieges, nat\u00fcrlich zusammengerufen durch Google und Facebook begleitet von der Melodie eines widerlichen Killerraps gegen den Troll. Es taucht ein Name auf Johanna, nebul\u00f6s, der Kontext bleibt verborgen. Es folgt bis zum Ende des 1.Teils die Entwicklungsgeschichte der beiden Hauptfiguren und der Nebel\u00a0 des Beginns lichtet sich zunehmend. Der Ich-Erz\u00e4hler ohne Namen.. Opfer der elterlichen Verblendung sich der Alternativmedizin zu verschreiben statt der Masernimpfung der Pharmaindustrie zu vertrauen. Die Folge 5j\u00e4hriger Krankenhausaufenthalt als Fettwanst und Jungfrau unter 3.Weltbedingungen bei gleichzeitig gut funktionierendem Internet. Die 2.Hauptfigur \u2013 Johanna, Drogenkarriere aber schon in fr\u00fchen Jahren belesen in russ. Literatur, Eltern gutb\u00fcrgerliches Milieu (Drogenkarriere der Tochter scheinbar entgangen) dann Drogenentzug und Klinikaufenthalt, der die beiden Loser zusammenf\u00fchrt um schlie\u00dflich nach nachgeholtem Schulabschluss, IT Kursen und Studium die durch\u00a0 den Informationskrieg v\u00f6llig manipulierte Welt zu retten. Der Kampf gegen die Trolle wird zur Mission, nicht weniger als eine \u201eunsichtbare Heldin\u201c werden, hei\u00dft das bei Johanna, um \u201eein wenig das wiedergutzumachen, was sie im Leben vermasselt hatte\u201c (\u2013 was hatte sie eigentlich vermasselt??) Nein, der Einstieg der beiden zun\u00e4chst Gescheiterten nach dem Modell David gg Goliath will wenig \u00fcberzeugen und ist nicht frei vom Superman-Klischeel. Eine Nachricht im Netz, sie betrifft das, womit man die Massen am besten manipulieren kann \u2013 das Fl\u00fcchtlingsthema \u201eSchock in der Apotheke. An ALLE weiterleiten\u201c bringt die Wende vom Plan zur Tat. In diesem 2. Teil des Romans wird die Horrorwelt eines Systems beschrieben, geleitet von einer zwielichtigen Figur namens Valys, einst Z\u00f6gling eines einflussreichen Oligarchen, Geheimdienstler, \u201eGr\u00fcnder der gef\u00fcrchteten Prague Trolling Factory\u201c, der \u00fcber s\u00e4mtliche perfiden und niedertr\u00e4chtigen Techniken der Kommunikationstechnologien verf\u00fcgt. Wie es den beiden jungen \u201eHelden\u201c gelingt, sich in dieses System einzuschleichen, sich seiner Methoden zu bedienen, ja sie sogar zu perfektionieren, bis an die Grenze des Verlust der eigenen Identit\u00e4t, die Konstruktion immer neuer Netzidentit\u00e4ten, das ist die St\u00e4rke des Romans. Hier wird eine Apokalypse vorgef\u00fchrt, die durch zahlreiche Gegenwartsbez\u00fcge deutlich macht, wie nahe wir schon in der Zukunft angekommen sind. Ob es allerdings der Komplexit\u00e4t eines global agierenden Netzwerks von Hate-Posters, Troll-Mafiosis, Digital-Faschisten gerecht wird, von \u201eChef\u201c, \u201eB\u00fcro\u201c, \u201eAbteilungsleiter-Meetings\u201c, \u201eBef\u00f6rderung\u201c des Ich-Erz\u00e4hlers zum \u201eChef des Trolling-Teams\u201c zu sprechen, kann bezweifelt werden. Das entspricht doch eher den Dimensionen eines hierarchisch gef\u00fchrten Einzelunternehmens. Aber vielleicht erfordert die Konzeption des Romans von zwei guten Helden dann doch den personalisierten B\u00f6sewicht Valys als Gegenspieler. Am wenigsten \u00fcberzeugt der Schluss des Romans. War mit\u00a0 Romanbeginn eher der Sieg des \u201eSystems\u201c \u00fcber seine beiden Widersacher zu vermuten, so liefert das Romanende eine andere Lesart. Valys ist \u201eangeblich im Nachbarland\u201c mit seinem komplett neu erfundenen System unterwegs, Johanna macht auf Medienerziehung, um \u201eim Land das kritische Denken zu entwickeln\u201c und unser Ich-Erz\u00e4hler legt auf einer \u201ealten mechanischen Schreibmaschine Zeugnis ab \u00fcber die Trolle\u201c. Soviel Romantik nach so viel Internethorror, das muss man erst mal aushalten k\u00f6nnen. <strong>Note: 4<\/strong> ( ai)&lt;&lt;<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Der Auftakt furios: Der namenlose, maskierte Ich-Erz\u00e4hler ger\u00e4t in einen Mob von tausenden hasserf\u00fcllten Menschen, die ihn lnychen wollen. Eine alptraumhafte Szenerie, die an ein Endzeitmovie wie Mad Max erinnert. Er wurde als Troll enttarnt, als gefakter Keanu Reaves und 80 weiterer Profile. Er wurde im Netz daraufhin als \u201echasarischer Zionist, als Nazijude, Vaterlandsverr\u00e4ter, Faschist, Schande f\u00fcr die Welt, Russenfreund, Amifreund, Israeli, Gutmensch, Fettsack\u201c, usw. beschimpft. Die Mechanismen des Netzes, die er selbst jahrelang mitbetrieben hat, wenden sich nun brutal gegen ihn. Wahrheit oder Logik der Post spielen nicht die geringste Rolle. H\u00f6hepunkt: Der Rap der Motorradgang Vaterland vor der gr\u00f6lenden Menge:<br \/>\n<em>\u201eDer Troll geht \u00fcber Leichen f\u00fcr Petroshekel,<br \/>\nHau weg den Schei\u00df, uns packt der Ekel,<br \/>\nnicht liken, sondern blocken, dissen!<br \/>\nDie Homobitch soll sich verpissen\u201c,\u2026<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist gro\u00dfartig gemacht und man erf\u00e4hrt nun im R\u00fcckblick, wie es dazu kam. Der historische Zeitrahmen bleibt unklar, aber es scheint sich in einer nicht allzunahen Zukunft in einem Land in Osteuropa abzuspielen. Das Land geh\u00f6rte einst zur Europ\u00e4ischen Union, bis diese zerfiel. Das \u201eReich\u201c, das einen Informationskrieg und auch einen Hybridkrieg angezettelt hat, ist unschwer als Russland zu identifizieren.<br \/>\nDer Ich-Erz\u00e4hler lernt in seinem jahrelangen Krankenhausaufenthalt die drogenabh\u00e4ngige Johanna kennen. Auf dem H\u00f6hepunkt des Informationskrieges, in dem mit tausenden von fake news \u00a0Hass verbreitet wird, entschlie\u00dft sich Johanna, gegen die Trolle anzuk\u00e4mpfen und er schlie\u00dft sich Johanna an. Sie lassen sich in eine Trollfabrik einschleusen und werden dort erst einmal Teil der Maschinerie. \u201eEine Weile werden wir sein wie sie, um zu zeigen, dass wir nicht so sind wie sie\u201c.<br \/>\nHvorecky gelingt es in diesem dystopischen Roman sehr eindringlich und sehr kenntnisreich, zu zeigen, wie eine moderne Gesellschaft durch Desinformation und Leichtgl\u00e4ubigkeit in seinen Grundfesten ersch\u00fcttert werden kann. Sehr lesenswert. <strong>Note 2<\/strong> (\u00fcn)&lt;&lt;<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;\u201eTrolle trinken Trollinger\u201c geh\u00f6rt zu den missrateneren Slogans der bayrischen Kalauerakademie Pullach. Trolle trinken Bier wie wir, wenn \u00fcberhaupt. Was ein Troll so ganz genau ist, ist mir auch nach der Lekt\u00fcre von \u201eTroll\u201c nicht hundertprozentig klar geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman kommt erst nach einer langwierigen Er\u00f6ffnungsphase mit grusligen Einblick in einen eher fiktiven Klinikalltag zum Thema Troll. Der Ich-Erz\u00e4hler und seine Freundin sind beide beeindruckende Loser, wenn auch auf unterschiedliche Art. Beide steigen sie in eine \u201eTroll-Agentur\u201c ein, die mit einschl\u00e4gigen Methoden im Auftrag des \u201eReiches\u201c, womit wohl Russland gemeint sein d\u00fcrfte, einen Informationskrieg f\u00fchrt, Menschen diffamiert, pusht und mobbt. Johanna versucht die Agentur von innen heraus lahmzulegen. Am Ende \u201esprengen\u201c die beiden das Troll-Institut, werden aber dadurch das Ziel von Lynchattacken.<br \/>\nDer Roman\u00a0 wirft Zeitebenen durcheinander, Realit\u00e4t und Sciencefiction\u00a0 wechseln sich ab oder vermischen sich, insgesamt eine Herausforderung f\u00fcr den Leser. Schrille Farbigkeit dominiert. Ist die Situation in Osteuropa auf uns \u00fcbertragbar? Wir br\u00e4uchten eigentlich keine Troll-Agenturen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des Jahres besch\u00e4ftigten Hackerangriffe auf 994 Politiker\/innen und Prominente die bundesrepublikanische \u00d6ffentlichkeit. Steinmeiers private Handynummer, ja so was. Man mutma\u00dfte \u00fcber Spuren nach Moskau oder gar Peking. Dann stellte sich aber heraus, dass die Attacke aus dem Kinderzimmer von Johannes S. (Alsfeld) kamen.<br \/>\nDie russischen Twitter-Agitatoren spielen in einer anderen Liga. Die ZEIT\u00a0 vom 16. Mai 2019 beschreibt die Aktivit\u00e4ten einer Troll-Fabrik in St. Petersburg.Von daher ist der Roman wohl doch n\u00e4her an der Realit\u00e4t als uns lieb sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman des erfolgreichsten slowakischen Schriftstellers endet optimistisch. Johanna unterrichtet Medienerziehung an Gymnasien. Darum, Ende gut, alles gut. <strong>Note: 2\/3<\/strong> (ax)&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tropen 2018 | 213\u00a0 Seiten. &gt;&gt;Trolle verbreiten als virtuelle Medienidentit\u00e4ten unter vorget\u00e4uschten Profilen Falschmeldungen im Netz, um gezielt \u00f6ffentliche Stimmungen zu manipulieren. Trolle arbeiten vereinzelt oder organisiert &#8211; auch als regimegesteuerte Machtinstrumente. 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