{"id":126,"date":"1997-09-26T17:17:47","date_gmt":"1997-09-26T15:17:47","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=126"},"modified":"2023-11-22T18:27:29","modified_gmt":"2023-11-22T16:27:29","slug":"botho-strauss-die-widmung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=126","title":{"rendered":"Die Widmung- Botho Strauss"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K1024_widmung.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft alignleft wp-image-128 size-medium\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K1024_widmung-181x300.jpg\" alt=\"Die widmung\" width=\"181\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K1024_widmung-181x300.jpg 181w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K1024_widmung-618x1024.jpg 618w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K1024_widmung.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 181px) 100vw, 181px\" \/><\/a><em>dtv 1980, 114 Seiten.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Richard Schroubek (31), ein sich qu\u00e4lender Buchh\u00e4ndler, verlassen von seiner Freundin Hannah (25), lebt im von Gro\u00dfstadthitze gel\u00e4hmten Berlin. Schroubek zerfrisst sich in Gedanken an Hannah und Abschweifungen \u00fcber das Leben und dessen Ende, an Belanglosigkeiten des sich f\u00fcr ihn immer mehr einengenden Alltags, an nekrophile Fakten und morbide Fantasien. Er zieht sich in seine Mietwohnung zur\u00fcck, vernachl\u00e4ssigt sein Erscheinen, seine Nahrungs-aufnahme und regrediert zum kindlichen Psychopathen, der in hektisch-absurde Anf\u00e4lle ger\u00e4t als das Klo verstopft oder Honig in den Teppich dringt. Schon im n\u00e4chsten Moment philosophiert er \u00fcber historische Literatur, die Bedeutung der Sprache und die Wirkungsvorz\u00fcge des geschriebenen Wortes als Grenzgegenstand zwischen Fl\u00fcchtigem und ewig halb Bewahrtem. T\u00e4glich schreibt er Tagebuch &#8211;\u00a0 das entsetzliche Protokoll von Hannahs Abwesenheit. Haltlos taumelnd vagabundiert er zwischen den Assoziationen hin und her, ohne das eine mit dem anderen in Verbindung setzen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDem Leser pr\u00e4sentiert sich der Roman als eine wenig \u00fcberzeugende Mischung aus Wechseln und Fluchten aus Erz\u00e4hlebenen und ein planloses Unaufger\u00e4umtsein der Erz\u00e4hlinhalte. Was bleibt ist der starke Eindruck des Gel\u00e4hmtseins, eine zeitlose Paralyse ohne ergr\u00fcndbaren Anfang und Aussicht. Richtig &#8211; da war Hannah. Aber warum ist sie nicht mehr? Ein Roman des Stillstands. Der Leser ist dankbar als endlich ein streunender Liebhaber Schroubeks Wohnung betritt und von Schroubek Stellungnahmen \u00fcber Hannah verlangt. Schroubek verweigert sich und schlie\u00dft sich in naiver Einfalt in sein Zimmer ein. Ende.<br \/>\nEin zweites mit geringf\u00fcgiger Bewegung eingeleitetes Ende ohne Ende stellt die Begegnung mit Hannah dar. Beide sind inzwischen verwahrlost, sprachlos, beziehungslos. Ein Treffen, die \u00dcbergabe des Tagebuchs, aber kein Austausch. Stimmig verliert sich schlie\u00dflich die Erz\u00e4hlung in der peinlichen Bildschirmszene eines \u00fcberalterten S\u00e4ngers dem beim Playback die Worte entfallen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein trauriges, in Form und Inhalt inkonsistentes St\u00fcck deutscher Literatur. Auch wenn die Widmung an Hannah mit einzelnen Sprachpassagen \u00fcberzeugt, spiegeln die vielf\u00e4ltigen inhaltlichen und stilistischen Br\u00fcche nicht angemessen Schroubeks Zerrissenheit wider. Der erfreuliche Lichtblick folgt zu guter Letzt: nach 114 Seiten ist der Leser bereits erl\u00f6st.\u00a0 <strong>Note: 4<\/strong> (ur) &lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>dtv 1980, 114 Seiten. &gt;&gt;Richard Schroubek (31), ein sich qu\u00e4lender Buchh\u00e4ndler, verlassen von seiner Freundin Hannah (25), lebt im von Gro\u00dfstadthitze gel\u00e4hmten Berlin. 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