{"id":122,"date":"1997-02-21T17:08:47","date_gmt":"1997-02-21T15:08:47","guid":{"rendered":"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/?p=122"},"modified":"2023-11-22T18:27:13","modified_gmt":"2023-11-22T16:27:13","slug":"markus-werner-festland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=122","title":{"rendered":"Festland &#8211; Markus Werner"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_festland.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft alignleft wp-image-121 size-medium\" src=\"http:\/\/lq.kunstundwohnen.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_festland-189x300.jpg\" alt=\"K640_festland\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_festland-189x300.jpg 189w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/K640_festland.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><strong><em>Residenz Verlag, 1996 &#8211; 142 Seiten.<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Auf dem Festland folgen die Abschiede aufeinander, die auch Wendepunkte sind: Abschied der halb-liebenden Eltern voneinander, Abschied der in sich st\u00fcrzenden Mutter vom Leben, erzwungener Abschied des Vaters von der unehelichen Tochter, Abschied der erwachsenden Tochter vom reduzierten Biotonus des Lebensabschnittsgef\u00e4hrten, vor\u00fcber-gehender Abschied des Vaters von seiner Berufsordnung. Sp\u00e4t erfasst und aufgeschrieben von der linguistisch forschenden Tochter Julia, die durch die feinsinnigen Erinnerungen des Vaters die verordnete Sprachlosigkeit der Verwandtschaft \u00fcberwindet. Eine Sprachlosigkeit, die erst Worte findet, als der Vater das gef\u00fcgte Festland verl\u00e4sst und sich auf das offene Meer der Mitteilung wagt.<br \/>\nDer 50-j\u00e4hrige Vater fiel nur durch rechtschaffende Unauff\u00e4lligkeit auf: integer, sanft und keimarm, von der ihn ausgrenzenden Verwandtschaft als <i>viertelesgebildete Tr\u00e4nensackexistenz<\/i><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>gemieden. Jahre sp\u00e4ter verabschiedet sich der Mann unerwartet von seiner Firma und verkriecht sich wochenlang in seinen Morgenmantel. In dem Ma\u00dfe, wie er die Orientierung im Normalleben einb\u00fc\u00dft, findet er zu sich. Er ist aufgezehrt durch den inneren und \u00e4u\u00dferen Verlust seiner verstorbenen Lena, damals von bet\u00f6render Sch\u00f6nheit und <i>wolkenloser<\/i><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Stimme. Geliebt hatte sie ihn kaum und kurz. Das dabei gezeugte Kind durfte er nur selten sehen, bis er es aus den Augen verlor. Will er weiter in sein Leben schauen, braucht er den Anblick seiner Tochter. Z\u00f6gernd folgt Julia der Bitte des Vaters, der sich ihr \u00fcberraschend als warmherzig poetischer Mensch offenbart. Weil von Julias Mutter verachtet, war er ihr v\u00f6llig fremd geblieben.<br \/>\nW\u00e4hrend der t\u00e4glichen Begegnungen baut sich eine zunehmende N\u00e4he zwischen Vater und Tochter auf, in der Julia erf\u00e4hrt, dass sie die Folge eines geplatzten Kondoms im Unterholz ist, ihre Mutter in den K\u00e4ltetod ging, und sie von den Standes bewussten Gro\u00dfeltern aufgezogen wurde.<br \/>\nWie zwei Meteoriten tauchen Vater und Tochter auf. Gegenseitig angezogen umkreisen sie einander und werden vermutlich zu Wendepunkten f\u00fcr einander, um schlie\u00dflich wieder in der Tiefe des \u00c4thers zu verschwinden. Abrupt endet die Begegnung: der Vater entzieht sich Julia und kehrt in den farblosen Alltag zur\u00fcck, w\u00e4hrend Julia sich in dem meditativen oberitalienischen Orta niederl\u00e4sst, wo der Vater 15 Jahre Ruhe und Besinnung fand. Entsprechend offen bleibt, ob die Himmelsk\u00f6rper in Bahnen gelenkt wurden, die sich wieder kreuzen werden.<br \/>\nAufgebaut ist der Roman aus gegeneinander verschobenen Versatzst\u00fccken auf zwei von Julia beschriebenen B\u00fchnen: einmal ihre Reflexion und innere Findung in Orta nach dem R\u00fcckzug des Vaters, zum anderen die Begegnungen und Gespr\u00e4che in der v\u00e4terlichen Wohnung, die weitgehend in Erinnerungen des Vaters gekleidet sind. \u00c4hnlich wie im sp\u00e4ter erschienenen Roman \u201eAm Hang\u201c (2004) richtet Werner das Augenmerk in \u201eFestland\u201c auf die Hinterh\u00f6fe der Gef\u00fchle, in denen der verzehrte Hall von Liebe und Leere sich \u00fcberlagern, und benutzt dazu reflektierende Mono- und Dialoge weniger Protagonisten. Zu Recht wurde Markus Werners kurze literarische Inszenierung als stilistisch bravour\u00f6s bewertet.<b><span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><strong>Note: 2<\/strong> (ur)&lt;&lt;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Residenz Verlag, 1996 &#8211; 142 Seiten. &gt;&gt;Auf dem Festland folgen die Abschiede aufeinander, die auch Wendepunkte sind: Abschied der halb-liebenden Eltern voneinander, Abschied der in sich st\u00fcrzenden Mutter vom Leben, erzwungener Abschied des Vaters von der unehelichen Tochter, Abschied der &hellip; <a href=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=122\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=122"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1836,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122\/revisions\/1836"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}