{"id":1187,"date":"2018-10-12T08:52:10","date_gmt":"2018-10-12T06:52:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1187"},"modified":"2018-11-21T13:39:43","modified_gmt":"2018-11-21T11:39:43","slug":"hochdeutschland-alexander-schimmelbusch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1187","title":{"rendered":"Hochdeutschland &#8211; Alexander Schimmelbusch"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1194\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/K1024_Hochdeutschland-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/K1024_Hochdeutschland-192x300.jpg 192w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/K1024_Hochdeutschland.jpg 768w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/K1024_Hochdeutschland-657x1024.jpg 657w\" sizes=\"(max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/>Tropen, 2018 | 214 Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Was da im Fr\u00fchjahr 2017 im Glashaus in Falkenstein beginnt, klingt zun\u00e4chst nach einer bitter-ironischen Abrechnung mit der Blasenwelt der\u00a0 Finanzjongleure. Dass sich ihr Protagonist Victor als Akteur und Profiteur dieses Metiers allerdings nicht als glaubhafter Zeitzeuge eignet, ist die Tragik der Konstruktion, die daher 15 Jahre sp\u00e4ter in ebendemselben Falkensteiner Glashaus mit der nach wie vor millionenschweren Romanleiche enden muss. Gewiss einiges hat sich in Victor ge\u00e4ndert in diesen 15 Jahren: Er ist nicht mehr der Chefstratege der Birken-Bank sondern seit 12 Jahren der \u201estrategische Schamane\u201c der weltgr\u00f6\u00dften\u00a0 German Investment Authority. Victor hat mit seinen fulminanten \u201epolitischen strategischen Optionen\u201c seinen Studienkumpel, den \u201eDeutsch-Muselmanen\u201c Ali Osman mit dessen DAG gleichsam im Handstreich zum Bundeskanzler gemacht. Ver\u00e4ndert hat sich auch Victors Musikgeschmack. W\u00e4hrend sich die \u201ePAF\u201c-Gazelle n\u00e4hert, begleitet nicht mehr \u201eRammstein\u201c sondern die 4. Symphonie Beethovens die Glashaus- Szene. \u00a0Bis zum finalen Schuss ist allerdings sein erlesener Geschmack f\u00fcr Wohnaccessoires und Weine geblieben, allerdings jetzt nur noch ein \u201eForellentatar\u2026mit Wasabiwurzel\u201c und eine \u201cFlasche Brauneberger Juffer Sonnenuhr\u201c und nicht mehr die vom Roomservice seines Berliner Hotels\u00a0 servierte \u201ePeking-Ente\u201c und Flasche Richebourg f\u00fcr 2400 \u20ac, die ihm wohl etwas zu sehr benebelt die Finger lockerte f\u00fcr ein flammendes Pl\u00e4doyer gegen die Skrupellosigkeiten des Neoliberalismus, mal ein bisschen Marx, mal ein bisschen AfD, mal Ernsthaftes (Verm\u00f6gensobergrenze und GINA), mal Slapstick (Umschuldung des Maschinenbauschlossers zum urzeitlichen Aalfischer). So verpackt entsch\u00e4rft Schimmelbusch die dringend notwendige Auseinandersetzung mit den \u00f6konomischen und gesellschaftlichen Widerspr\u00fcchen. Es ist eine Nullnummer , wenn ein millionenschwerer Investmentfuzzi \u00fcber den Leistungsgedanken r\u00e4soniert (Krankenschwester gegen Immobilienhai), eine weitere Nullnummer, wenn derjenige, der zuvor an die Kataris\u00a0 Thyssen-Krupp U-Boote verscherbelt sich zum Mahner \u201eskrupelloser finsterer W\u00fcstendiktatoren\u201c aufschwingt. Vielleicht aber, und dann h\u00e4tte ich Schimmelbusch g\u00e4nzlich falsch verstanden, geht das Entlarvungsspiel und der Zynismus der Finanzweltjongleure a la Victor so weit, dass sie noch aus den von ihnen verursachten Widerspr\u00fcchen Kapital (im wortw\u00f6rtlichen Sinne) schlagen und in Rotweinlaune einen neuen manipulativen \u201ePitch\u201c auflegen: Wie schaffen wir ein einkommensgerechtes zukunftsf\u00e4higes Deutschland? So gesehen w\u00e4ren dann Victor und die Seinen doppelte Rattenf\u00e4nger. Jedenfalls mag \u00a0das Bild vom Banker, der \u00a0&#8211; seines Erfolgs \u00fcberdr\u00fcssig und des \u201eMegatrends Ungleichheit\u201c einsichtig &#8211; jetzt mal die ganze Schickimicki- und Investment- Szene vorf\u00fchren m\u00f6chte und auf die verbalradikale Pauke haut (\u201eWarum \u00f6lte niemand die Guillotine?\u201c), nicht richtig zu verfangen. Doppelb\u00f6digkeit allenthalben: Seine Heimatstadt Frankfurt ist zur \u201eSchmerzensgeld-Shoppingmall degeneriert\u201c, die Skyline-Bohrt\u00fcrme &#8211; welche \u201ePitchis\u201c \u00a0und \u201eM&amp;As\u201c von Seinesgleichen haben dazu gef\u00fchrt? Die s\u00fcffisante Abrechnung Victors mit dem Vapiano-Clan und dessen Stellengesuche in Bild.de sind sie nicht harmlos im Vergleich zur Personalrekrutierung der von Victor gef\u00fchrten Vorstellungsgespr\u00e4che der Birken-Bank (\u201eStraflager\u201c, \u201cRekruten, die bis an die Grenze ihrer physischen Kapazit\u00e4ten getestet werden\u201c). Da versagt selbst der Versuch der\u00a0 Entlarvung des Taunuswohlstandsb\u00fcrgertums im Kleinen. Da h\u00f6hnt man \u00fcber donnernde \u201eBiturbo-Familienkombis\u201c von Mercedes auf der B455 , in denen Frauenf\u00fc\u00dfe in \u201eDesign-Hainen aus Edelkastanien\u201c Titan-Gaspedale niederdr\u00fccken (52), w\u00e4hrend unser Victor mit der S-Version seines Share-Khans sich Seiten sp\u00e4ter mit dem Gedanken tr\u00e4gt, mit der \u201eZuckung seines Gaspedals\u201c\u00a0 den zynisch imaginierten \u201eSachbearbeiter in dessen Versagerwagen an den Br\u00fcckenpfeiler zu treiben\u201c . Beim Thema Frauen bleibt Schimmelbusch kein Klischee schuldig: Nachdem Victor die \u201ePersona\u201c(!!) Antonia, die Mutter der gemeinsamen Tochter Victoria abgelegt hat, tritt die junge Nachbarin Maia auf (geschmacklose Assoziation \u201esch\u00f6ne Dissidentin nach einem Monat Hungerstreik\u201c), deren Ehemann nat\u00fcrlich vom Typus Kotzbrocken sein muss: Deutschbanker alter Schule, Victors sofortige Assoziation: Deutsche Bank Dreck am Stecken wegen Ausschwitz und dann hat dieser Ehemann und Freizeitj\u00e4ger noch als Gipfel nen Meese in der K\u00fcche h\u00e4ngenden der kunstsinnige Victor entlarvt, \u201eals h\u00e4tte ein debiler Gestapo-Offizier\u201c das gemalt. Maia \u00fcbernimmt \u00fcbrigens in Victors Glashaus und in der heimischen K\u00fcche ebenso wie die polnische Masseurin im Spa-Adlon real das, was virtuell osteurop\u00e4ischen Webpornoseiten f\u00fcr den Inhalt von Victors \u201eZegna-Hose\u201c (S.52) ersetzen. Weniger schl\u00fcssig f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisstruktur Victors will mir der Romanschreibversuch erscheinen, mit dem Victor \u201esein inneres Leben festzuhalten\u201c(57) versucht. Folgerichtig will die Geschichte vom U-Bootkommandanten und einer seelisch erloschenen Prostituierten auch nicht die Lektorin zu \u00fcberzeugen, eine grandiose Szene, die ich inhaltlich wie sprachlich mit 1 bewerte, Vielleicht allerdings h\u00e4tte die Lektorin ihr Urteil korrigiert, wenn sie die letzten vier Romanseiten Schimmelbuschs gelesen h\u00e4tte. Da erschlie\u00dft sich n\u00e4mlich, was dem irritierten Leser bisher verborgen geblieben ist: Maia Stahl bisher nur als Victors Sexualobjekt wahrgenommen, ist inzwischen zur Kommandantin eines interkontinentalgest\u00fctzten U-959-Bootes aufgestiegen und setzt um, was sie aus \u201eVictors-Bibel\u201c\u00a0 (wahrscheinlich einer Mischung aus Romanfragment und politischem Strategiepapier) als \u201eletzten finsteren Liebesdienst\u201c ableitet. Die Rache an Victors Hinrichtung erledigt die \u201eAntipersonenwaffe in Form und Gr\u00f6\u00dfe einer Kinder-\u00dcberraschung\u201c, die in einem Nachtclub von Damaskus jener Attent\u00e4terin gilt, die ein paar Monate zuvor im \u201eschwarzen Jumpsuit von Jil Sander\u201c der \u201ePAF\u201c alle Ehre gemacht hatte. Da sage noch einer, diese Amerikanisierung deutscher Vergeltungsstrategie sei nicht schl\u00fcssig konstruiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Romane muss man m\u00f6gen, ich geh\u00f6re nicht dazu und bin dankbar vor allem auch f\u00fcr den unver\u00f6ffentlichten Beststeller \u201ePolarsonne\u201c.\u00a0 <strong>Note : 5<\/strong> (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&gt;&gt; Sprachlich ein totaler Gegensatz zum vorherigen &#8222;Trafikant&#8220;. Keine &#8222;leichte&#8220; Sprache. Was Schimmelbusch mit der deutschen Sprache anstellen kann, macht schwindelig und manche S\u00e4tze muss man zweimal lesen- manchmal um sie zu verstehen, aber ganz oft , um die Raffinesse und die Kreativit\u00e4t\u00a0 voll zu genie\u00dfen.<br \/>\nZum ersten Mal ein Buch, bei dem ich keine einzige Zeile aufgeschrieben habe, da seine Sprache einen Sog entwickelt und ich eigentlich jede zweite Zeile h\u00e4tte festhalten wollen.<br \/>\nSchimmelbusch z\u00fcndet ein fast rauschhaftes, sprachliches Feuerwerk und analysiert schonungslos die groteske, absurde Welt der Investmentbanker und die gesellschaftliche Lage der Bundesrepublik Deutschland.<\/p>\n<p><em>&#8222;Schimmelbusch hat einen wahnsinnig lustigen, b\u00f6sen, politisch klugen Untergangs-und Aufbruchsroman geschrieben&#8220;<\/em> (Volker Weidermann, Literaturspiegel).<\/p>\n<p>Besser h\u00e4tte ich es nicht formulieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Note: 1 \u2013 <\/strong>(\u00fcn) &lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Mit <em>Hochdeutschland <\/em>hat der ehemalige Investmentbanker Schimmelbusch gesellschaftspolitische Klamauk-Literatur mit einem \u00fcberraschend bedenkenswerten Kern geschaffen. F\u00fcr alle, die seinen Werkstil sch\u00e4tzen, ist ein \u00fcbersch\u00e4umender Unterhaltungswert garantiert. Aber nicht jeder wird es m\u00f6gen. Der geneigte Leser wird von rauschenden Kaskaden gurgelnder Sprachsprudel fortgerissen, w\u00e4hrend ein humorloser Flachschwimmer verunsichert nach Luft schnappen wird. Nicht zuletzt taucht uns der Autor in turbulente Fluten von Finanz-, Wirtschafts-, Eros- und Psycho-Untiefen. An deren Ende verbindet die neue Bundesrepublik als <em>Deutschland AG<\/em> Raubtier-Kapitalismus mit gr\u00fcnsozialer Nachhaltigkeit. Ein neues Gesellschaftssystem wird geboren \u2013 nach innen warm, aber kalt nach au\u00dfen. Von Ludwig Erhard \u00fcber Joschka Fischer bis zu Donald Trump \u2013 vereint ergibt sich ein erstaunlicher, aber denkbarer Staatscharakter.<br \/>\nDer Protagonist Victor streift als Investmentbanker mit 39 Jahren bereits die Rentner-Randzone. Er ist \u00e4u\u00dferst erfolgreich, Multi-Megamillion\u00e4r, Co-Inhaber der <em>Birken Bank<\/em> mit Blick vom 32. Stockwerk der liquidierten Dresdner Bank auf die Niederungen der Frankfurter Metropole, Eigent\u00fcmer eines historisierten Glaspalastes in Taunus-Halbh\u00f6henlage, geschiedener Ehemann mit rustikaler Libido und einer Offenheit f\u00fcr alternative Lebenszust\u00e4nde. Eine seiner 102 Wohnungen in Berlin nutzt er von Zeit zu Zeit, um inkognito auf einer Bodenmatratze meditativer Bescheidenheit nachzuh\u00e4ngen oder einem gediegenen <em>Engelhardt <\/em>Bier am S\u00e4ufereck zu fr\u00f6nen. Victor hat zwei Profile. Beide vereint er zu einem z\u00fcgig formulierten Manifest, das die Republik ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir schreiben das Jahr 2017. Angela ist immer noch bundesrepublikanische Mutti. Doch die Regierungsfamilie schw\u00e4chelt. Das Volk ist m\u00fcde angesichts der politischen Tristesse. Wahlen machen die <em>Wei\u00dfen<\/em> zur dominierenden Partei. Ali Osman, ehemals Vorzeige-Deutscht\u00fcrke mit einnehmendem Charisma bei den <em>Gr\u00fcnen<\/em>, ist abtr\u00fcnniger Parteigr\u00fcnder der <em>Wei\u00dfen<\/em> und nun Alternativkanzler. Das Parteiprogramm jedoch basiert auf dem Manifest seines Freundes Victor. Victor wird Ayatollah, Vor- und \u00dcberdenker der Partei, Doppelminister f\u00fcr Bildung und Finanzen und vor allem Vorsitzender der GINA. Das Parteiprogramm sch\u00e4umt vor Vitalit\u00e4t und Innovation. Finanzmarktprinzipien und globale Kampfstrategien bilden das Fundament. Die Konkurrenten werden au\u00dferhalb der Nation verortet. Nach innen wird die Solidarit\u00e4t umso gr\u00f6\u00dfer geschrieben. Die Reichen m\u00fcssen mit einer bitteren Obergrenze von 25 Millionen Euro ihr Leben fristen. Alles Dar\u00fcberliegende wird kompromisslos mittels dem staatseigenen und inzwischen weltgr\u00f6\u00dften Kapitalfond GINA umverteilt: soziale Marktwirtschaft in Kristallkultur. Eine ausdauernde Werteerziehung aus Victors Bildungsministerium festigt Teilhabe, Toleranz und \u00f6kologische Lebenshaltung in den deutschen K\u00f6pfen. Die <em>Deutschland AG<\/em> avanciert zur wirtschaftlichen und politischen Gro\u00dfmacht. Im Anblick der dritten Legislaturperiode wird Victor jedoch vom konservativen Mittelbau t\u00f6dlich niedergestreckt, weil nicht alle \u00fcberzeugt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nWer war Victor? Victor hatte der Regierung empfohlen, die Pumpspeicher-Kraftwerke ins amerikanische Ausland zu verkaufen. Wie beim Staubecken verdiente er seine gro\u00dfz\u00fcgige Marge mit dem Abfluss. W\u00e4hrend die deutsche Energieversorgung im freien Fall dahinrauschte, lief sein Banknoten-Dynamo schon mal hei\u00df. Beim Anblick des n\u00e4chtlichen Hochpumpens kam ihm jedoch, dass er &#8211; anders als beim \u00fcblichen Energieprinzip &#8211; auch beim R\u00fcckfluss seinen Gewinn mehren k\u00f6nnte. Also \u00fcberzeugte er die Politik wenig sp\u00e4ter, die staatstragende Technik aus den H\u00e4nden unberechenbarer Finanzjongleure zur\u00fcckzukaufen. So lie\u00df sich rauf wie runter verdienen. Die Hauptarbeit machte dabei stets das namenlose Heer seiner Mitarbeiter, die gnadenlos verschlissen wurden. Er wollte ausdr\u00fccklich keinen empathischen Kuschelzoo.<br \/>\nDie v\u00f6llig andere Seite des Investment-Serienm\u00f6rders lebte er daheim, wenn seine sechsj\u00e4hrige Tochter Victoria zu Besuch kam. Victor verausgabte sich unerm\u00fcdlich, f\u00fcrsorglich, vorausschauend, liebevoll und grenzenlos. Obwohl Geld keine Rolle spielte, verkniff er sich aus p\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden die gr\u00f6bsten \u00dcbertreibungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Victors Visionen schlugen sich nicht nur in politischen Manifesten und beruflichen Vortrags-Pitches nieder, sondern auch in schriftstellerischen Bem\u00fchungen. Leider missfielen diese seiner Lektorin: <em>der beachtliche Stilwille solle wohl die eklatante Plotarmut seines Werkes verschleiern<\/em>. Das kann auch als ironische Selbstkritik des Autors Schimmelbusch gelesen werden. In dieser Passage konstruiert der Autor einen Roman im Roman, indem Victor Dinge intuitiv vorwegnimmt, die schlie\u00dflich Teil seines Lebens\/Ablebens werden. Hierzu geh\u00f6ren Episoden seiner Nachbarin, die als U-Boot-Kommandantin seinen Mord an der in Damaskus untergetauchten Attent\u00e4terin r\u00e4cht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich erfahren wir also, was aus Victor wurde. Wir erfahren nicht, was aus der Deutschland AG (DAG) wurde &#8211; nur wie sie wurde, was sie ist. \u201eMit ihrer Rhetorik der radikalen Chancengerechtigkeit hatte die DAG dem linken Spektrum keine Luft zum Atmen gelassen, zumal Ali trotz seines fremdl\u00e4ndischen Erscheinungsbildes dazu in der Lage gewesen war, durch das punktuelle Verbreiten einer provinziellen Biertrinker-Romantik der kulturellen Entwertungserfahrung der desillusionierten Arbeiterklasse entgegenzutreten. Mit ihrem Fetisch f\u00fcr Leistung und dem Theaterdonner bei der Migration hatte die DAG zudem die Liberalen und die Playmobil-Nazis auf ihre jeweilige Kernklientel heruntergepr\u00fcgelt. \u2026 was sich in beiden F\u00e4llen auf kaum mehr als drei Prozent der Wahlberechtigten summiert hatte. Aber auch im Gehege der Union hatte die DAG gewildert und darin W\u00e4hler gewonnen, die den Gedanken einer dominanten Bundesrepublik attraktiv fanden.\u201c (S. 208f.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man darf gespannt sein, ob Schimmelbusch ein vision\u00e4rer Blick \u00a0in die deutsche Zukunft gelungen ist.\u00a0 <strong>Note: 2<\/strong> (ur)&lt;&lt;<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Victor Multimillion\u00e4r<br \/>\nf\u00e4llt das Leben ziemlich schwer<br \/>\nZweifel hie und Zweifel dort<br \/>\nMainh\u00e4ttan sein Wirkungsort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Victor scheffelt in Mainh\u00e4ttan<br \/>\nKohle wie wir sie gern h\u00e4tten<br \/>\nTrotzdem wird er nicht recht froh<br \/>\nMacht Geld gl\u00fccklich? Nirgendwo.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freude findet er im SPA<br \/>\nwenn die Hand von Valezska<br \/>\ngut ge\u00f6lt Entspannung schafft<br \/>\ndas schenkt Victor neue Kraft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch sein Pop-Parteiprogramm<br \/>\nkommt gut bei den W\u00e4hlern an<br \/>\nSpezl Ali Deutschlandbo\u00df<br \/>\nalles staunt, wie schafft er&#8217;s blo\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schimmelbeck schrieb den Roman<br \/>\nwo man lachen&amp;weinen kann<br \/>\n\u201eHochdeutschland\u201c nennt er die Story<br \/>\nbis zur letzten Seiten worry<br \/>\nUnd am Ende in Damaskus<br \/>\nplatzt die Bombe, aus und SCHLUSS.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Note: 2<\/strong> ( ax)&lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tropen, 2018 | 214 Seiten. &gt;&gt; Was da im Fr\u00fchjahr 2017 im Glashaus in Falkenstein beginnt, klingt zun\u00e4chst nach einer bitter-ironischen Abrechnung mit der Blasenwelt der\u00a0 Finanzjongleure. 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