{"id":1150,"date":"2018-05-27T17:10:35","date_gmt":"2018-05-27T15:10:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1150"},"modified":"2018-08-24T15:34:09","modified_gmt":"2018-08-24T13:34:09","slug":"rueckkehr-nach-reims-didier-eribon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/?p=1150","title":{"rendered":"R\u00fcckkehr nach Reims &#8211; Didier Eribon"},"content":{"rendered":"<p>edition suhrkamp 2016 | 238 Seiten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1149\" src=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K1024_R\u00fcckkehr-nach-Reims-178x300.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K1024_R\u00fcckkehr-nach-Reims-178x300.jpg 178w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K1024_R\u00fcckkehr-nach-Reims.jpg 768w, http:\/\/www.literarisches-quartett-tuebingen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/K1024_R\u00fcckkehr-nach-Reims-606x1024.jpg 606w\" sizes=\"(max-width: 178px) 100vw, 178px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Der Soziologe Eribon kehrt in dem autobiographischen Werk in seine Heimat Reims im Nordosten Frankreichs zur\u00fcck. Die R\u00fcckkehr zu seiner Jahrzehnte gemiedenen Familie ist auch die erneute Begegnung mit ihrem Arbeitermilieu, welches vom kommunistischen zum rechtspopulistischen Ph\u00e4notyp mutierte. Dem Leser erlaubt der Autor dabei nicht nur Einblicke in bedr\u00fcckende gesellschaftliche Randzonen der franz\u00f6sischen Republik, sondern auch in das untrennbare Geflecht seines eigenen Seelenlebens, seiner schwulen Disposition und politischen Positionierung. Gleichzeitig verortet Eribon die verantwortlichen Kr\u00e4fte f\u00fcr das Sein und den Wandel allein im System, in der Gesellschaft. Das Individuum der Unterschicht ist nicht handlungsfreies Subjekt, sondern bleibt auch nach der Jahrtausendwende ausgeliefertes Objekt. Psychologische Erkl\u00e4rungsversuche z.B. f\u00fcr seinen gewaltt\u00e4tigen Vater sind wertlos. Damit bleibt das Private politisch. Die Verantwortung liegt nicht beim Individuum. Auch der Rechtsruck seiner Verwandtschaft wird allein durch gesellschaftliche Missst\u00e4nde erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitgehend chronologisch f\u00fchrt uns Eribon durch seine Vita und ihre Urspr\u00fcnge. Die Gro\u00dfmutter entzog sich durch erotische Ausschweifungen ihrer famili\u00e4ren Verantwortung und entsorgte ihre Tochter, Eribons Mutter, in eine Pflegefamilie. Seine Mutter war von sexuellen \u00dcbergriffen ihrer Dienstherren bedroht, versuchte durch Fortbildung ihrem hoffnungslosen Lebenslauf zu entrinnen, scheiterte jedoch am aufflammenden Weltkrieg. Als Ausweg blieb nur die Heirat mit einem Mann ihrer Klasse: Trinker, Schl\u00e4ger, Hilfsarbeiter. Quasi eine soziale Endogamie. Das war sein Vater, mit dem Eribon nie ein Gespr\u00e4ch f\u00fchren w\u00fcrde. Eingepfercht in deprimierende Wohnverh\u00e4ltnisse w\u00e4chst er mit seinen drei ungeliebten Br\u00fcdern auf. Eribons beeindruckender intellektueller Ausnahmezustand (genetisch oder gesellschaftlich bedingt?) verbunden mit der aufkeimenden Homosexualit\u00e4t entfremden den Pubertierenden rapide von seiner Familie. Die Br\u00fcder ignorant, der Vater streng homophob, die Mutter verzweifelt und \u00e4hnlich aggressiv. Irgendwie entkommt er den vernichtenden famili\u00e4ren Einfl\u00fcssen, f\u00fcr die keiner pers\u00f6nlich verantwortlich gemacht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Motor von Eribons Transformation wird die sexuelle Andersartigkeit, da er als Schwuler unter den famili\u00e4ren Bedingungen zu verenden droht. Er muss raus, getrieben von einem unb\u00e4ndigen Willen. Eribon entwirft bereits als Gymnasiast ein neues Pers\u00f6nlichkeitsbild von sich selbst. Er wei\u00df genau was er nicht und was er stattdessen sein will. Er will nicht der maskuline, k\u00f6rperzentrierte Typus seiner Br\u00fcder und Mitsch\u00fcler sein. Er will der kopfbetonte, intellektuelle Feindenker werden, dem klassische Musik und philosophische Abhandlungen Identit\u00e4t geben. Er will nicht Praktikant des Heterosexismus werden. Er will M\u00e4nner lieben. Er will nicht im gesellschaftlichen Schmutz seiner Verwandtschaft verwahrlosen. Er will mit Intellektualit\u00e4t zu den politisch bewussten F\u00fchrungseliten aufschlie\u00dfen. Bereits als Sch\u00fcler wird er Trotzkist. Und er ist erfolgreich: Professor, internationaler Preistr\u00e4ger, Fernsehredner, nationaler Vordenker als undogmatischer Linker, sendungsbewusster Schwuler, robuster K\u00e4mpfer mit Anspruch auf Meinungshoheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einer verst\u00f6renden Selbstwahrnehmung baut Eribon seine Denkm\u00e4ler. Schon als Student justiert er seinen Mehrwert. Zitat: \u201eMeine Professoren hingegen? Talentfreie Repetitoren\u2026 Mein intellektueller Horizont unterschied sich gewaltig von dem meiner Professoren\u201c (S.178\/79). Auch im vorliegenden Werk strapaziert er die Leselust mit erm\u00fcdendem <em>name dropping <\/em>um seine Intellektualit\u00e4t zu untermauern. Mit diesem Bewusstsein kehrt er jetzt in seine Heimat zur\u00fcck. 30 Jahre hat er die verachtete Familie konsequent gemieden, das Sterben von Vater und Bruder ignoriert, auch die anderen beiden Br\u00fcder will er nie wieder sehen. Nur mit der Mutter geht er jetzt den Pappkarton voller Erinnerungsfotos noch einmal durch &#8211; als Grundlage des geplanten Buchprojektes. Auch wenn es um den politischen Gesinnungswandel der ehemals glorifizierten Arbeiterklasse geht, dr\u00e4ngt sich die selbst gestellte Frage auf: Ist nicht nur die Homosexualit\u00e4t sondern auch der soziologische Leidensdruck Triebfeder seiner Entwicklung gewesen? Desozialisation als Befreiung, als M\u00f6glichkeit der individuellen Verwirklichung? Gibt Eribon eigentlich in seinem Werk eine urs\u00e4chliche Antwort? Oder beschreibt er nur rein ph\u00e4nomenologisch das Wahrgenommene? Verstehen wir jetzt den Mechanismus seines Wandels und des Seitenwechsels seiner Familie?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vergleich seiner Entwicklung und der seiner Verwandtschaft, gibt es eine grundlegende \u00dcbereinstimmung. <strong>Beide<\/strong> wechseln die Seiten. Die Verwandtschaft wechselt horizontal von links nach rechts, von der kommunistischen Partei zum Front National. Damit wechselt auch ihr politischer Gegner vom kapitalistischen Klassenfeind zum ethnischen Fremden. Eribon andererseits wechselt vertikal von unten nach oben, vom Arbeitermilieu in die Intelligenzija. Ein postmoderner Klassenwechsel. Beide tun dies offensichtlich mit einem vollst\u00e4ndigen Bruch. Bemerkenswerterweise beh\u00e4lt der inzwischen etablierte Professor das antikapitalistische Wertesystem bei, auch wenn er selbst sein angestammtes Arbeitermilieu verabscheut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum wechselt die Familie die politischen Fronten? Der Autor skizziert kurz drei Gr\u00fcnde: die wirtschaftliche Situation, die soziale Beziehung und der politische Diskurs. Beim letzten Punkt seien die Parteien im besonderen Ma\u00dfe gefordert, die \u201enegativen Leidenschaften \u2026der popul\u00e4ren Klassen auszumerzen \u2026 oder zumindest zu neutralisieren\u201c (S. 146). Eribons Mutter beantwortet die Frage mit dem Alltag. Nach dem Ende des Algerienkrieges str\u00f6men Araber nach Frankreich und siedeln am unteren Gesellschaftsende. Also ihrem gef\u00fchlten Territorium. Sie f\u00fcrchtet sich vor den arabischen Jugendbanden, die das Viertel terrorisieren. Sie kann die Todesschreie des gesch\u00e4chteten Schafes in der maghrebinischen Nachbarwohnung nicht l\u00e4nger ertragen. Sie ekelt der F\u00e4kaliengeruch der Nachbarkinder im Treppenhaus, die dort ihre Hinterlassenschaft breittreten. Deshalb fl\u00fcchtet sie mit ihrem Mann in einen anderen Stadtteil. Und w\u00e4hlt fortan rechts au\u00dfen. Als Denkzettel gegen die etablierten Entscheidungstr\u00e4ger, die den Wandel initiiert haben, und als Frontalangriff gegen die dunkelh\u00e4utigen <em>\u00bbcrouilles\u00ab (feigen S\u00e4cke)<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Autobiographie ist das, was eine Autobiographie ist: ein Mensch r\u00fcckt sich selbst in den Mittelpunkt, weil er sein Sein f\u00fcr mitteilungsw\u00fcrdig h\u00e4lt. In der Tat macht uns Eribon mit \u00fcberraschenden und erhellenden Details seines Lebens, seiner wechselnden Milieus und des franz\u00f6sischen Unterschichtsdasein vertraut. Hier wird viel Exemplarisches und damit Grunds\u00e4tzliches vereint. Die Selbstdarstellung an die Adresse einer anonymen \u00d6ffentlichkeit hat aber auch etwas Exhibitionistisches. Grenzen werden verletzt, Erniedrigungen werden begangen, etwa wenn es um sehr private Einzeleinheiten aus dem Leben seiner Gro\u00dfeltern, Eltern und Br\u00fcder geht. Muss das sein?<\/p>\n<p>Ermutigend bleibt jedoch Eribons Lebensmotto, ein Zitat von Jean-Paul Sartre: \u201e<em>Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemacht hat, sondern darauf, was wir aus dem machen, was man aus uns gemacht hat<\/em>\u201c, was vielleicht auch zur Symbiose von Gesellschaft und Individuum beitragen k\u00f6nnte.\u00a0 <strong>Note: 3<\/strong> (ur) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Eine schonungslos ehrliche Autobiographie und zugleich eine vernichtende Analyse des franz\u00f6sischen Gesellschaftssystems und seiner Elitenrekrutierung. Der Prozess der Identit\u00e4tsfindung Eribons aus dem Beziehungschaos elterlichen Arbeitermilieus ist gepr\u00e4gt durch soziale und sexuelle Scham. Zugleich sind aber auch Klassenzugeh\u00f6rigkeit und Homosexualit\u00e4t die Faktoren die die Metamorphose des Erz\u00e4hlers zum B\u00fcrgerlichen pr\u00e4gen. Der Bruch mit dem Elternhaus, den Br\u00fcdern, der Herkunft, der Provinz, ist unausweichlich. Eine vor\u00fcbergehende\u00a0 \u201eR\u00fcckkehr\u201c nach Reims ist nur aus dem Abstand von mehr als 30 Jahren aus Recherchegr\u00fcnden m\u00f6glich, ein wesentlicher Teil der Autobiographie speist sich aus Gespr\u00e4chen mit der dort lebenden\u00a0 Mutter \u00fcber Kindheit und Jugend. Die Schilderungen des Herkunftsmilieus der Eltern und Gro\u00dfeltern (Zigeunerfabel\/Episode der Geschorenen) , der Ehewahnsinn vor den Augen der Kinder, der Anpassungsprozess des Erz\u00e4hlers durch ein von b\u00fcrgerlichem Habitus und st\u00e4ndischen Privilegien gepr\u00e4gtes Bildungs- und Universit\u00e4tssystem, das Bekenntnis zur sexuellen Identit\u00e4t und die damit verbundenen Irritationen nicht nur im kleinb\u00fcrgerlich-provinziellen Raum, all dies ist eindrucksvoll und \u00fcberzeugend. Diskutabel ist,\u00a0 dass der Focus der Selbstinterpretation der Erz\u00e4hlerbiographie \u2013 angereichert durch einen mich \u00fcberfordernden Sartre-Foucault-Bourdieu Parforceritt, ausschlie\u00dflich auf dem soziologischen Erkl\u00e4rungsmodell liegt und psychologische Verhaltensmuster\u00a0 fast g\u00e4nzlich ausschlie\u00dft. Diskutabel ist auch, dass die Analyse der Ver\u00e4nderung der kommunistischen Partei und ihrer W\u00e4hlerschaft hinsichtlich der Bedeutung der Front National am Beispiel der Elterngeneration (Klassenantagonismus wird durch nationale und ethische Komponente ersetzt, Alltagsrassismus, Aufk\u00fcndigung der Solidarit\u00e4t, Migrationspolitik schon als Folge des Algerienkriegs etc.)\u00a0 zu kurz greift.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich fasziniert an diesem Buch, dass ein inzwischen wichtiger franz\u00f6sischer Intellektueller beispielhaft zeigt, wie bedr\u00fcckend Lebensentw\u00fcrfe jenseits von Normalit\u00e4t und Normativit\u00e4t gerade in der franz\u00f6sischen \u00c8galit\u00e9- Gesellschaft verlaufen k\u00f6nnen. \u00a0Professor Eribon schlussendlich aber doch ein \u201eGelinger\u201c, sein Schlusssatz gegen\u00fcber der Mutter allerdings misslungen.\u00a0\u00a0 <strong>Note<\/strong>:\u00a0 2+ (ai) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt; Didier Eribon stellt sich in R\u00fcckkehr nach\u00a0 Reims einer dreifacher Herausforderung. Einmal eine schonungslose Analyse seiner schwierigen Kindheit in einem Arbeitermilieu, verst\u00e4rkt durch seine Homosexualit\u00e4t, die er nat\u00fcrlich dort nicht ausleben kann und seine Versuche durch Bildung in bessere Kreise aufzusteigen. Dann eine mit unz\u00e4hligen Verweisen auf Baldwin, Foucault, Bourdieu, Wideman, Sarte, u.a. allzu wissenschaftlich aufgeladene , aber sehr kluge soziologische Abhandlung \u00fcber Sein und Bewusstsein und schwuler Identit\u00e4t in der\u00a0 franz\u00f6sischen Gesellschaft und nicht zuletzt noch der Versuch, der politisch \u00e4u\u00dferst aktuellen Frage nachzugehen, warum sich die franz\u00f6sische linke W\u00e4hlerschaft der KP und den Sozialisten\u00a0 ab- und dem Front National zugewandt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Vater, vom Klassenbewusstsein her Kommunist, ist ihm v\u00f6llig fremd: \u201eMein ganzes Leben lang hatte ich kein einziges Gespr\u00e4ch mit ihm gef\u00fchrt\u201c. Er sch\u00e4mt sich seiner Herkunft, ersch\u00fctternd die Schilderung einer zuf\u00e4lligen Begegnung mit seiner Gro\u00dfmutter in Paris. Sein Dilemma: Er hat die gesellschaftliche Hierarchie verinnerlicht, die er politisch zu bek\u00e4mpfen vorgibt. Er steht an der Seite des Volkes, aber nicht an der Seite seiner eigenen Familie, die eben aus diesem Volke kommt. Seine Mutter heiratet 1950, arbeitet als Putzfrau und ist \u00fcberzeugt, dass sie eine gebildete Frau h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, wenn sie nur den richtigen Mann geheiratet h\u00e4tte. Aber die Gesetze der \u201esozialen Endogamie\u201c sind starr. \u00a0Als 13 J\u00e4hriger verliebt er sich in einen Mitsch\u00fcler aus der Oberschicht und hat damit zum ersten Mal Kontakt mit einer f\u00fcr ihn fremden Welt, die ihm aber sehr imponiert. Seine Jugend ist im Gro\u00dfen und Ganzen aber gepr\u00e4gt von Beleidigungen als Schwuler. (\u201eIch bin ein Produkt von Beschimpfungen\u201c). Seine Selbsterschaffung als Intellektueller schafft die Distanz zum Herkunftsmilieu. Um sich \u201edistinguieren\u201c zu k\u00f6nnen, verwendet Eribon als Heranwachsender zunehmend ein feines Vokabular und raffinierte grammatische Wendungen. Als 17 J\u00e4hriger wird er Teil der schwulen Welt und erh\u00e4lt seine informelle, kulturelle Pr\u00e4gung. Er bekennt sich zu seiner sexuellen Identit\u00e4t und rei\u00dft sich endg\u00fcltig aus seiner sozialen Herkunft. Sein Bruder wurde Metzger, er studiert Philosophie. \u201eIndem er mir ein Gegenbeispiel lieferte, wurde mein Bruder mein Ma\u00dfstab\u201c.<br \/>\nEindringlich auch seine Bestandsaufnahme des franz\u00f6sischen Bildungssystems, in dem sich die Eliten fast ausschlie\u00dflich aus sich selbst rekrutieren. Er merkt erst viel zu sp\u00e4t, dass er mit seinem Uniabschluss letztlich nicht viel anfangen kann und dass der Wert von der sozialen Position abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass sein Vater sich als Kommunist dem Front National zuwendet, sieht er als eine Art Notwehr der unteren Schichten, die versuchen ihre kollektive Identit\u00e4t zu verteidigen. Der Wandel begann schon 1981, als sich nach dem Sieg Mitterands Entt\u00e4uschung und Ern\u00fcchterung breit machten. Der Wesenskern der Linken wurde entleert. Nicht mehr von Ausbeutung und Widerstand war nun die Rede, sondern von \u201enotwenigen Reformen\u201c. Statt von Klassen war nun von Individuen die Rede. Gro\u00dfe Teile der Unterprivilegierten wenden sich nun einer Partei zu, die sich um sie zu k\u00fcmmern schienen. Wenn die, denen man sein Vertrauen einmal gegeben hat, dieses nicht mehr verdienen, \u00fcbertr\u00e4gt man es an andere. Die Stimme f\u00fcr den FN ist Ausdruck einer gewissen negativen Selbstaffirmation. Die W\u00e4hler nehmen hin, dass ihre Stimme instrumentalisiert wird, um ihrer Stimme Geh\u00f6r zu verschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Sarah Wagenknecht dieses Buch gelesen hat, ist nicht bekannt. Erkenntnisse lassen sich aber daraus durchaus auch f\u00fcr die europ\u00e4ische Linke ableiten.<br \/>\n<strong>Note: 2<\/strong>+ (\u00fcn) &lt;&lt;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>edition suhrkamp 2016 | 238 Seiten. &gt;&gt; Der Soziologe Eribon kehrt in dem autobiographischen Werk in seine Heimat Reims im Nordosten Frankreichs zur\u00fcck. 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